Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 12 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- Seite 217 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9103075-9153793--06569-9079282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 12 Das Jüdische Echo 199 an allen — auch an den vorerst noch nicht Interessierten liegen, dieses edle, doch sicher nicht leichte Streben zu fördern und zu geleiten. Am Sonntag, den 15. März, lud der Verein zu einem in den schönen Räumen des Tabarin Luitpold stattfindenden Thaterabend ein. Das Programm kündete: „M i t ’ n Strom“ von Scholem Asch; „M a s 1 tow“ von Scholem Alechem. Man sieht aus dieser Auswahl, daß man uns die besten Proben jüdischer Dichtung ernsten und heiteren Charakters zu geben bemüht war. Wenn uns auch leider nur der erste Akt der Tragödie „Mit’n Strom“ gespielt werden konnte, so war es doch erstaunlich, wie sich dank dem wundervollen Zusammenspiel das Fragment zu einem Ganzen rundete. Herr L ö w y s Regiekunst wußte eben mit den wenigen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, Außerordentliches zu leisten. Man ja Sufrin’s Ruchele wurde mit einer Wärme gestaltet, die man den künstlerischen Leistungen einer Berufsbühne wohl an die Seite stellen könnte. Hier wurde mit niner ergreifenden Innigkeit und Bescheidenheit gespielt. Bruno K 1 u g e r s Dovid kam vollauf zum Ausdruck: eingezwängte, drängende Kraft, die Sehnsucht nach Freiem, Größerem, Erhabenerem, als dieses Galuthdasein. Mit gutem Instinkt hat Kluger den Konflikt dieses sehnenden Gatten und Vaters herauszuarbeiten gewußt. Dabei kam sein schönes Talent, seine edle Sprache wohltuend und gehalten zur Geltung. Adele T e i t e 1 spielte die Hindel sehr überzeugend. Neuwirths Reb-Surech war allzu gepreßt, zu sehr verkrampft, als daß diese an und für sich wichtige Rabbi-Gestalt frei sich entwickeln konnte. Was aber Neuwirth in der einaktigen Komödie „Masl tow“ bot, überstieg jede Erwartung. Er ist im Heiteren besser in seinem Element und spielte den Reb-Alter, der ein halber Schnorrer, ein halber Bücherhändler ist, mit einer solchen Eindrücklichkeit, Lebendigkeit, mit einem solchen Humor und mit solch einer Echtheit, daß man es sich mit Recht wünscht, diese Begabung des öfteren genießen zu dürfen. Ihm zur Seite stand in einem herrlichen Ineinanderspielen der Meschores Chajim Eisens, der diese so sympathische Rolle sprühend und mit großer Fertigkeit spielte. Eisen ist vom Fach und selbst bei höheren Ansprüchen den anderen Spielern gegenüber, gab er das Beste. Was er sagte, saß. Er vermag es, die pointenreiche Sprache dieses Stückes in die höchste Heiterkeit hinaufzusteigern. Auch Eisen wünschen wir uns auf den jüdischen „Brettern“ wiederzusehen. Frau L ö w y spielte die Köchin Beile mit Wärme; auch ihr, wie dem reizenden Stubenmädchen Klara Hechts gebührt unser ungeteilter Beifall. Die Musikvorträge der Herren Kluger und Goldberg paßten gut in den Rahmen und wurden talentvoll vorgetragen. Der Mangel an Raum hindert mich daran, mehr zu berichten; vor allem etwas über diese herrlichen jüdischen Stücke zu sagen. — Darum sei kurz betont, daß wir dem jüdischen Kulturverein für die empfangenen Eindrücke danken; daß wir ihm unsererseits weiteres Gedeihen und erfolgreiche Arbeit von Herzen wünschen. snn- Gemeindlich© Lehrkurse Am Sonnabend, 21. März, zweiter Vortrag des Herrn Dr. Max Mayer über „Die neuhebräische Poesie“ im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog Maxstr. 4. Thema des zweiten Vortrags: „Der Realismus in der neuhebräischen Poesie“. Der Inhalt des ersten Vortrags: „Klassizistische und romantische Elemente in der neuhebräischen Poesie“ wird kurz rehapituliert. Beginn 8.30 Uhr pünktlich. Das Thema des dritten Vortrags am 28. März lautet: „D as Naturerlebnis in der neuhebräischen Poesi e“. Vortrag R.-A,Dr. Alf red Klee-Berlin in München Auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe München spricht Sonntag, den 22. M ä r z 25 vorm. 10 Uhr Herr R.-A. Dr. Alfred Klee-Berlin im Cherubinsaal des Hotel Vier Jahreszeiten über das Thema: „Gegenwart und Zukunft des deutsehen Judentums“ Die bekannte Persönlichkeit R.-A. Dr. Klees, der schon öfters durch seine außerordentliche Rednergabe und den fesselnden Inhalt seiner Ausführungen seine Münchener jüdische Zuhörerschaft zu begeistern verstanden hat, ist die beste Gewähr für einen glänzenden Verlauf der Veranstaltung. Zur Deckung der Saalkosten wird ein Eintritt von Mk. 1.—, für Angehörige jüdischer Jugendvereine Mk. —.50 erhoben. Persönliches Ehrung Jakob Fränkels. Bei dem offiziellen Festessen, das die Würzburger Israelitische Kultusgemeinde anläßlich der Tagung des Landesverbands der Israelitischen Gemeinden Bayerns den Mitgliedern der Versammlung und deren Familienmitgliedern gab, wurde Herr Jakob Fränkel zu seinem 70. Geburtstag durch Blumenspenden und eine Ansprache des Herrn Oberstlandesgerichtsrats Professor Dr. Silber- Schmidt, dem Präsidenten der Tagung, in Worten der Anerkennung über seine fruchtbare Tätigkeit für die jüdische Sache geehrt. Gemeindenu.Vereins-fcho nnnyn nst^n 'nmn nx dwötö mn rpirsn mn ntrDn ß nyao ratsa nnw (Ottostr. 2) München. Chaluzimdurchfahrt. Am 10. März passierten zirka 40 Chaluzim, die aus verschiedenen Gegenden Norddeutschlands sich zu einer Reisegesellschaft zusammengefunden hatten, darunter 7 Chaluzoth. Die Gruppe machte einen ausgezeichneten Eindruck (die meisten gehören Blau-Weißgruppen an). Sie wurde von der durch das Münchener Palästinaamt organisierten Chaluzim-Fürsorge freundlich empfangen und bewirtet. Die Bahnhofsbehörden haben, wie immer, in dankenswerter Weise den Reisenden die möglichsten Erleichterungen gewährt. München. Jüd. Kulturverein J. L. P e r e z. Sonntag, den 22. März 1925, abends 8 Uhr im kleinen Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog Maxstraße 5 Rgb. I., Generalversammlung. 1. Bericht, 2. Neuwahl, 3. Satzungen, 4. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. Bar Kochba München. Nur mehr wenige Turnstunden trennen uns von dem im nächsten Monat stattfindenden Schauturnen. Diese noch fleißig zu nützen, ist Pflicht aller Mitglieder, die das Interesse daran haben, daß die Veranstaltung eine ehrenvolle und mächtige Kundgebung wird. Es üben die Damen Dienstag von 7.30—9 Uhr, die Herren Mittwoch von 7—9 Uhr, die Mädchen Mittwoch von 5—7 Uhr, die Knaben Dienstag von 6 bis 7.30 Uhr jeweils in der Herrenschule. Die Vorstandschaft. Leichtathletik-Abteilung. Wir erwarten von allen, die die Karte unterschrieben haben, daß sie die Verpflichtung auch einhalten. Wer diese Karte noch nicht unterschrieben hat, soll das