Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- 12 (20.3.1925)
- Date
- 1925-03-20
- Page
- Seite 212 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Das Jüdische Echo Nr. 12 betrug an der Staatsbank und Bestechung von Staatsbankbeamten, insbesondere der Finanzräte H e 11 w i g und Rühe angenommen wurde, sowie Bestechung des Ministers H ö f 1 e. Die Voruntersuchung sei nunmehr so weit vorgeschritten, daß sich bereits deutlich ergebe, daß von einem Kreditbetrug an der Staatsbank und von einer Bestechung der höheren Staatsbankbeamten keinerlei Rede mehr sein könne. Schon jetzt stehe fest, daß bei der Liquidation des Konzerns die Gläubiger eine Befriedigung in Höhe von mindestens 40% zu erwarten haben, eine Befriedigung, die wahrscheinlich eine 90%ige werden kann, wenn auf die verpflichteten Rückversicherungen zurückgegriffen werden wird. Diese Versicherungen sind nämlich solvent. Herr Dr. Klee fügte hinzu: Was den Minister Höfle anbelangt, so steht schon heute die Behörde auf dem Standpunkt, daß seine Beziehungen zu den Brüdern Barmat so weit geklärt sind, daß von Verdunkelungsgefahr nicht mehr gesprochen werden kann. Wenn angenommen wird, daß mit Rücksicht auf eine etwaige Bestrafung wegen Bestechung Höfles Fluchtverdacht besteht, so muß gesagt werden, daß erstens nach Auffassung der Verteidigung die Sache sicherlich bald so weit geklärt sein wird, daß man auch den Tatverdacht in bezug auf diese Bestechung nicht wird aufrecht erhalten können. Im übrigen ist die Idee, daß Barmat fliehen könne, absurd. Ganz abgesehen davon, daß er nicht an Flucht denkt — er hat mehrere Tage vor seiner Verhaftung gewußt, daß diese bevorstehe, dachte aber nicht daran, Berlin zu verlassen, obwohl er im Besitze eines Dauerpasses war — sind die Brüder Barmat in der ganzen zivilisierten Welt auch viel zu bekannt, als daß sie unerkannt irgendwo untertauchen könnten. Der Verdacht einer Flucht ist völlig abwegig. Auf die Frage des J.T.A.=Vertreters, wie der Gang der Untersuchung weiter sein werde, erklärte Dr. Klee, daß nunmehr gegen den die Haftentlassung ablehnenden Bescheid des Untersuchungsrichters Beschwerde bei der Strafkammer des Landgerichtes Berlin I eingelegt werde. Sollte auch die Strafkammer der Auffassung des Untersuchungsrichters beitreten, so werde weitere Beschwerde an den Strafsenat des Kammergerichts erfolgen. Die Überzeugung, daß die Affäre Barmat von Anfang an durch antilinksgerichtete Tendenzen, vor allen Dingen aber durch antisemitische, insbesondere antiostjüdische Machenschaften über Gebühr aufgebauscht und von der Reaktion zu politischen Zwecken in völlig einseitiger Weise benutzt worden ist, greift immer mehr Platz. Die Verlautbarung des Untersuchungsrichters in der Angelegenheit der Gebrüder Barmat hat in der Öffentlichkeit ziemliches Aufsehen erregt und zu gewissen Kommentaren in der Presse Anlaß gegeben. Die „Vo ssische Zeitung“ schreibt: „Was man den beiden Brüdern Barmat nicht mehr vorwerfen kann, wissen wir aus dem Beschluß des Untersuchungsrichters. Was man ihnen aber eigentlich an wirklichen Verfehlungen vorwerfen kann, ist trotz monatelanger Tätigkeit zweier Untersuchungsausschüsse und der Gerichtsbehörden immer noch nicht der Öffentlichkeit bekannt.“ IfUSMI-TEE Feinste echt russische Teemarke Gen.-Vertret : Dr. ETTINGER, MÜNCHEN Aonpss«rass« 47. T*»l*>fow 31 792_ Die Erweiterung der Jewista flgency New York (J.T.A.). Wie schon mitgeteilt, hat die am 1. März d. J. in New York stattgefundene Konferenz der Unparteiischen Juden der Vereinigten Staaten in Anwesenheit des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, den Beschluß gefaßt, sich an der durch Einbeziehung von Nichtzionisten zu erwei ternden Jewish Agency zu beteiligen. Die Hauptpunkte der einstimmig angenommenen Beschlüsse lauten: Die amerikanischen Juden, vertreten auf der heutigen Konferenz der Unparteiischen unter dem Vorsitz des Herrn Louis Marshall, Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Komitees, beschließen, in die Jewish Agency einzutreten, die laut Artikel 4 des Palästinamandates die Bestimmung hat, als eine öffentliche Körperschaft der Palästina-Verwaltung in wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten, die mit der Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina in Zusammenhang stehen, beratend und mitarbeitend zur Seite zu stehen. Die Konferenz ernennt ein Organisationskomitee, bestehend aus 12 der Zionistischen Organisation nicht angehörenden Mitgliedern, welches nach folgenden Direktiven zu handeln haben wird: Das Komitee wird an der Schaffung und Anerkennung einer Jewish Agency laut Mandat mitwirken. Die Jewish Agency wird aus einem Rat von 150 und aus einem Exekutiv-Komitee von 18 Mitgliedern bestehen. 50% des Rats in der Exekutive werden sich aus Nichtzionisten zusammensetzen. Von diesen Nichtzionisten werden 4 0 % die unparteiische amerikanische Jude n h e i t vertreten. Das von der Konferenz eingesetzte Organisationskomitee der Jewish Agency wird eine Versammlung einberufen, die über die amerikanischen Mitglieder des Rates der Jewish Agency zu entscheiden haben wird. Diese Versammlung soll auch die Frage in Betracht ziehen, ob der Keren Hajessod als das finanzielle Instrument der Jewish Agency zu gestalten sei, ferner die Frage des Zusammenschlusses der verschiedenen öffentlichen wirtschaftlichen Unternehmungen, die den Aufbau Palästinas zum Ziele haben. Dr. Weizmann berichtete über seine Arbeit in Angelegenheit der Erweiterung der Jewish Agency in den verschiedenen Ländern. Er erklärte, er habe bereits Zusicherungen seitens der nichtzionistischen Organisationen in Groß-Britannien und in anderen europäischen Ländern; diese Organisationen sind bereit, sich der Jewish Agency anzuschließen. Bezüglich der britischen Domi nions, sagte Dr. Weizmann, bestehe nur eine Schwierigkeit darin, daß dort keine Nichtzionisten vorhanden sind. Die jüdischen Gemeinden Italiens und der T schechoslowakei haben ihre Bereitschaft zum Anschluß erklärt. In Frankreich hat die Alliance Israelite Universelle noch keine Entscheidung getroffen, jedoch sind die Verhandlungen im Gange, und eine endgültige Zustimmung wird wohl erreicht werden. In Polen sind in lokalen Verhältnissen bedingte Schwierigkeiten enthalten, man hofft aber, auf einer jüdischen Konferenz eine Plattform zu finden, auf die sich die gesamte polnische Judenheit, einschließlich die Agudas Jisroel, einigen wird. Es sind ferner Schritte unternommen worden, um die sephardischen J uden in Ägypten, Persien, Arabien, Marokko und in anderen Ländern heranzuziehen. Diese Länder werden