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Das jüdische Echo · 1925-03-13 · 11 (13.3.1925) · p. Seite 177

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
11 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
Seite 177 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 177 und mehr schwindenden Inquisition und der mächtig sich ankündigenden Aufklärung liegt. Man hätte diesen Roman vielleicht auch „Die Geburt der Vernunft“ überschreiben können; denn im Mittelpunkt des Geschehens steht der ganz junge Spinoza, der dazu bestimmt sein sollte, jeder Art geistiger Betätigung: den Künsten, der Philosophie, den Naturwissenschaften — neue Wege zu weisen. Er wächst unter den Augen großer Männer auf, wie Menasse ben Israel und Rembrandt. Beide beeinflussen den jungen Gelehrten entschieden: Ben Israel festigt in ihm das Wissen, die Ehrfurcht vor dem Überlieferten — Rembrandt, der große Heide, wirft das Gefestigte um und öffnet den Blick für den neuen großen Weg, der Spinozas Glück und Verhängnis werden sollte. Spinoza ist eine Hoffnung der Amsterdamer Juden, die noch ganz unter den grauenhaften Eindrücken der Vertreibung aus Spanien stehen. Er soll ihr großer Rabbi werden, ihr Wortfiührer, ihr Verherrlichen denn der Zeitstrom hat sich mit der anhebenden Aufklärung zugunsten der Juden gewandt, die toleranten Niederlande ließen ihren Fähigkeiten weiten Spielraum: Jüdischer Ärzte Ruhm dringt von Fürstenhof zu Fürstenhof, Juden sind Ratgeber gekrönter Häupter, aus den einstigen Händlern sind Kaufherren geworden, deren Schiffe ferne Kontinente mit Europa verbinden. Amsterdam wird der Mittelpunkt einer neuen jüdischen Wissenschaft, Bücher voll neuer Weisheiten, aus Judenköpfen geboren, nehmen ihren Weg in die Zeiten. Das ist der Rahmen, welcher die Jugend Spinozas umgibt. Welche Anregung, welch eine Befruchtung kann sein Geist hier erhalten! Er weitet sich, doch zugleich mit dieser Weite wächst sein kritischer Sinn. Wohl vorbereitet zwängt er sich in das Maß der Lehre, nimmt es auf sich, bereitet sich vor, itir Künder zu werden; doch nur zu bald verlangt sein Geist nach Klärung aus den Mystifikationen der Kabbaba, er sehnt sich nach Ausblick, er geht auf die Suche nach Wahrheit, er will die Strenge — nicht die blinde religiöse Glut —. Die Begegnung mit Rembrandt fördert die Zweifel: Spinoza beginnt Unrichtigkeiten, Widersprüche in den ewigen Schriften zu ahnen; es dämmert ihm die Erkenntnis, daß dies von Menschenhand Geschriebene nicht das Letzte sein kann. Er forscht nach Gott und findet ihn als die einzige Wahrheit in der Vernunft. Lediglich sie, die Gott gegeben, dürfe bei allem, was man tue, leitend sein, schreibt er in seinem ergreifenden Abschiedsbrief an Menasse ben Israel. So ist es nicht verwunderlich, daß die Kunde von der Ankunft des Messias, des sagenumwobenen Sabatai ben Zwi, ihn gar nicht berührt. Er verachtet den Rausch der Ekstase, den die Heilsbotschaft auslöst, er übersieht die heiße Leidenschaft des Mädchens Sarah, die ihn für die Messiasidee zu gewinnen sucht und ihn, den Skeptiker schließlich selbst als den Heilsbringer verehrt. „Ich habe es geahnt, daß Du die Menschheit erlösen wirst.“ ruft sie ihm zu, und später, da er hartnäckig ihrer nicht achten will: „Ich habe dich im Traum als Messias gesehen, und ich weiß, du bist es.“ Und wie ist das Schicksal Spinozas? Seine Erkenntnis dünkt die Umwelt unmenschlicher Frevel, man schließt ihn als einen Verräter aus der Gemeinschaft des Judentums, man ächtet, verfolgt, bespeit ihn, und der Große muß enden im entsetzlichen Elend, einsam und verarmt — wie Rembrandt, der Meister der Farbe, im Dunkel endet. Es wäre noch unendlich viel mehr über dieses Buch zu berichten von all den vielen Einzelschilderungen und Details, die mit großer Liebe aufgezeichnet sind. Das Buch ist farbenreich, seine Psychologie verdient aufrichtige Bewunderung —. doch etwas vermißt man bei der Lektüre: Dieses Buch ist amusisch, ist keine Dichtung von wirklicher Geschlossenheit, ist eine überaus kluge und genaue Geschichtsstudie, ist eine Historie — wenn ich so sagen darf'—■ ins Belletristische übertragen. Das ist der Einwand, den man gegen den Untertitel, „chiliastischer Roman“ zu machen versucht ist. Man legt aber das Buch nicht unbefriedigt aus der Hand, man beschäftigt sich mit ihm noch lange nachher, wie mit einem Liede, das dem Gedächtnis nicht enteilen will. Und damit möge seine Wertung ausgesprochen sein. Noch größer wäre der Genuß der Lektüre allerdings, wenn der Verlag ein wenig mehr Sorgfalt auf die äußere Gestaltung des Buches verwandt hätte. Manfred Sturmann. Schalits Kompositionsabend. Der von Heinrich S c h a 1 i t am 7. März veranstaltete Kompositionsabend vermittelte der den Museumssaal füllenden Zuhörerschaft mehr oder weniger einprägsame, immer aber fesselnde Eindrücke, die es vermochten, lebhaftes Interesse an des Künstlers Schaffen zu erwecken und von Anfang bis zu Ende der musikalischen Darbietungen wach zu erhalten. Schon das den Abend einleitende, von ernster religiöser Stimmung erfüllte Choralvorspiel. zeigt den Komponisten von seiner stärksten, der lyrischen Seite. Ohne die modernen harmonischen Errungenschaften außer acht zu lassen, greift er zurück auf diatonische Motivbildungen und Kadenzierungen, die teilweise denen ähneln, welche den frühchristlichen Kirchengesängen und ihrem Vorbilde, dem ältesten Synagogengesange, eigen sind. Mit diesem von Sehnsuchtsgefühlen durchzogenen Melos gelang es Schalit, die nicht unerheblichen Schwierigkeiten zu überwinden, die sich einer Vertonung der religiösen Gesänge und der Seelenlieder nach Gedichten von Jehuda ha-Levi entgegenstellen. Sie fanden an der Konzertsängerin Else Busch hoff und an dem Kammersänger Julius Gieß vortreffliche Interpreten, sowohl im Hinblick auf die Bewältigung nicht geringer stimmtechnischer Anforderungen, als auch im Hinblick auf die Einfühlung in den geistigen Gehalt und seine künstlerische Wiedergabe. Auch die Frühlingslieder brachte Frau Buschhoff zu guter Wirkung. In ihnen zeigt sich der; Komponist in Melodik und Rhythmik als Roman-' tiker, der mit Erfolg bemüht war, die Naturlaute in den Dichtungen von Dauthendey musikalisch zu illustrieren. Ebenso lieh Frau Buschhoff ihre Vortragskunst den so ungemein gemütvollen, miU unter schalkhaften jüdischen Volksliedern, denen allerdings durch die. wenn auch gelungene Übertragung ins Hochdeutsche jene sprachlich-charakteristische Eigenart genommen ist, in der VERSICHERN SIE LEBEN UNO E'GENtUM Versicherung eschäft Dr. Et'inger. Agwesstr. 4’, Tel*ffon 31 7 92

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