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Das jüdische Echo · 1925-02-20 · 8 (20.2.1925) · p. Seite 116

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
8 (20.2.1925)
Date
1925-02-20
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 Das Jüdische Echo Nr. 8 Die rückständigste Gemeindeverwaltung in Bayern Am Montag, den 16. Februar fand in Fürth eine von einem vorbereitenden Komitee der Jüdischen V o 1 k s p a r t e i einberufene Versammlung statt, die sich mit dem angesichts der in kurzer Zeit ablaufenden Amtsperiode der augenblicklichen Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Fürth aktuellen Thema: „Unsere Forderungen an die jüdische Gemeinde“ beschäftigte. Von den Referenten, Herrn Hermann Messinge r und Dr. J. B a m b e r g e r wurde die traurige Fest- ,Stellung gemacht, daß trotz vielfacher Anstrengungen und Bemühungen von wahrhaft demokratischen Juden die Fürther jüdische Gemeinde als die einzige in Bayern es gelegentlich der letzten Wahlen fertig gebracht habe, den in Fürth ansässigen nichtreichsdeutschen Juden, obwohl diese sämtlich seit mindestens 10—15 Jahren in Fürth wohnen, arbeiten und Steuern zahlen, nicht nur das passive, sondern sogar das aktive Wahlrecht zu verweigern. Diese undemokratische und wahrhaft unjüdische Haltung der Gemeindevertretung habe sich auch in den letzten Jahren nicht geändert, trotzdem man doch habe sehen müssen, daß sich niemand in ganz Deutschland heute der Erkenntnis verschlossen habe, daß in jüdischen Angelegenheiten die Frage der Staatsangehörigkeit keine Rolle zu spielen hat. Auf der anderen Seite habe man sich nicht gescheut, z. B. die im Kriege gefallenen Ostjuden für sich zu reklamieren, wie man auch den Steuerzahlungen für die Kultusgemeinde durch diese im öffentlichen Rechte der jüdischen Gemeinde völlig Entrechteten durchaus nicht ablehnend gegenübersteht. Die Versammlung war sich völlig einig darüber, daß derartige, nur durch die Passivität eines Teiles der jüdischen Bevölkerung in Fürth erklärlichen Zustände für die Zukunft nicht mehr geduldet werden sollen. Für die Zionisten gaben die Referenten, für die Agudah Herr Landau bindende Erklärungen darüber ab, daß sofort an die Konstituierung einer jüdischen Volkspartei in Fürth geschritten werden solle, die nach Maßgabe einer von der Versammlung einstimmig angenommenen Resolution sofort die Arbeiten aufzunehmen habe. Die von Herrn Dr. Lieb Städte r eingebrachte Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die am 16. Februar 1925 in Fürth Versammelten beauftragen eine Kommission, die aus den Vertretern der Ostjuden, Zionisten und Agudisten zusammenzusetzen ist, mit der Vertretung der jüdischen Gemeinde in Fürth über die Frage der Gewährung des Wahlrechts für die in Fürth lang jährig ansässigen nichtreichsdeutschen Juden zu verhandeln und zu versuchen, diese Minimalforderung auf dem Wege friedlichen Übereinkommens zu erreichen. Sollte dieser letzte Versuch gütlicher Einigung mißlingen, so erklärt die Versammlung ihren entschiedenen Willen, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, insbesondere durch die Aufnahme des Wahlkampfes die Durchsetzung ihrer gerechten Wünsche zu erzwingen.“ Es wurde dann auch sofort eine Iv o m m i s s i o n gewählt, die unmittelbar ihre Arbeiten auf nehmen wird. Wir hoffen, daß es ihr gelingen wird, auf dem Wege der Verhandlungen ihr von Gerechtigkeit und Selbstverständlichkeit diktiertes Ziel zu erreichen, damit es möglich wird, um den sonst allerdings unvermeidlichen Wahlkampf herumzukommen. Es wird diesmal nicht möglich sein, unter Ausschluß der Öffentlichkeit eine große Anzahl jüdischer Menschen um ihr jüdisches Bürgerrecht zu bringen. Wir vertrauen darauf, daß es auch in Fürth Wähler genug geben wird, die unbeschadet ihrer sonstigen politischen Einstellung es nicht über sich bringen werden, eine derartige, nur an antisemitischen Maßstäben meßbare Politik mitzumachen. Li-r. Das Echo der Woche ln unserer letzten Nummer haben wir uns gründlich mit der Haltung des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ während der Wahlkampagne zum preußischen Gemeindeverband auseinandergesetzt. Wir haben unserer — wie uns scheint — berechtigten Entrüstung darüber Ausdruck gegeben, daß dieser Verein entgegen dem Sinne seiner zentralen Aufgabe die Neutralität gegenüber den jüdischen Parteien verlassen hat und in diesem Kampf selbst Partei geworden ist. Wir empfinden es als schmerzliche Wunde am Körper des gesamten deutschen Judentums, daß der Zentralverein sich an dem Kampf der Parteien in dieser Weise beteiligte und daß er es ist, der die Verhetzung der jüdischen Parteilager untereinander fördert. Ganz anders ist unsere Einstellung bei der Betrachtung der Rolle, die Naumann und sein Verband der national-deutschen Juden in diesem Wahlkampf gespielt haben. Das Gefühl ernster Entrüstung macht hier der Satyre eines Beobachters Platz, der den Taten dieses neuesten jüdischen Don Quichottes und seines Anhanges mit der sicheren Empfindung zusieht, daß sein Ende sich nicht wesentlich von dem jenes „Ritters von der traurigen Gestalt“ unterscheiden wird. Während man von allen übrigen Parteien, die sich am Wahlkampf beteiligt haben, keineswegs behaupten kann, daß sie eine entscheidende oder überhaupt eine Niederlage erlitten hätten — selbst bei der konservativen Partei, die infolge gewisser Widrigkeiten in Berlin eine freilich empfindliche Schlappe erlitten hat, kann man doch angesichts der 22 Sitze, die sie voraussichtlich zusammen mit der Milteipartei einnehmen wird, höchstens von einer zahlenmäßigen, keineswegs aber von einer moralischen Einbuße der Partei sprechen —, hat allerdings die Partei der national-deutschen Juden eine Niederlage erlitten, wie sie kaum größer gedacht werden kann. Sie zieht mit eine m Kandidaten in den preuß. Landesverband! Und auch diesen Sitz hätte die Naumanngruppe nicht erhalten, hätte die Berliner liberale Liste sich nicht eines ihrer Vertreter an 26. Stelle angenommen. Daß die Liberalen selbst das Unzweckmäßige und Peinliche* dieser Liaison deutlich empfunden haben, geht aus der wohlbeobachteten Tatsache hervor, daß, während in den Veröffentlichungen der liberalen Flugblätter und der liberalen Zeitungen in der Liste der aufgestellten Kandidaten stets hinzugefügt wurde, welcher jüdischen Organisation die Betreffenden angehören — Zentralverein, Frauenbund der Loge, Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten usw. — unter Nr. 26 der Berliner liberalen Liste ganz schlicht und schamhaft steht: „Dr. Alfred Peyser, Sanitätsrat“, wobei also absichtlich verschwiegen wird, daß dieser Dr. Peyser mit dem Vorstandsmitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden identisch ist! Für das Vefsteckspiel, das die Liberalen mit dieser „heimlichen Liebe“ zu spielen gezwungen waren, und für die Verlegenheit, in die sie bei Erwähnung dieser Mesalliance gerieten, charakteristisch ist die Antwort, die einer der Hauptwortführer des Zentralvereins in einer Berliner Wählerversammlung gab, als man nach seiner Stellung zu der Naumanngruppe fragte: „Bitte, fragen Sie mich heule nicht, wie ich zu Naumann stehe. Nach de r Wahl

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