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Das jüdische Echo · 1925-02-06 · 6 (6.2.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
6 (6.2.1925)
Date
1925-02-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 6 6. Februar 12 Jahrgang Der ftlpenvereins-Skandal Die Vorgänge im Deutsch-Österreichischen Alpenverein haben nicht in allen jüdischen Kreisen die Aufmerksamkeit gefunden, die ihnen gebührt. Be handelt sich hier nicht nur darum, daß eine Organisation, die ihrer Art und Größe nach besondere Aufmerksamkeit verdient, unverblümt gegen Juden vorgeht, sondern um Vorgänge, die in ihrer ganzen Art und Entwicklung für die — trotz dem Schein des Gegenteils — sich ausbreitende und an Kraft gewinnende Judenfeindschaft außerordentlich aufschlußreich sind. Andererseits ist das Verhalten der Juden in und zu dieser Organisation symptomatisch. Infolgedessen geht diese Sache alle Juden an und das Interesse darf sich keineswegs nur auf Alpinisten beschränken. Es erscheint daher angebracht, daß diese Blätter nunmehr, da die Entwicklung zu einem gewissen Abschluß gelangt ist und der Sieg der Judenhetzer nicht mehr angezweifelt werden kann, einer zusammenfassenden Darstellung Raum geben. I. Der Deutsch-Österreichische Alpenverein, der seit etwa 50 Jahren besteht und annähernd 250 000 Mitglieder zählt, hat bekanntlich zur Entwicklung des Alpinismus Entscheidendes geleistet. Er besteht aus Einzelvereinen, Sektionen genannt, in denen stets Juden — ebenso wie alle mehr oder minder aktive — Mitglieder gewesen sind. In den letzten Jahren hat die völkische Hetze im Alpenverein in ständigem Maße Einfluß gewonnen und die Sektion „Austria“ in Wien hat durch ihren völkisch gerichteten Vorstand systematisch Juden von der Aufnahme ferngehalten (so wie das seit mehr als einem Jahre in der Sektion München nunmehr geschieht). Im Jahre 1921 trat daraufhin eine große Zahl jüdischer ud nichtjüdischer Mitglieder aus der Sektion „Austria“ aus, gründeten die Sektion „Donauland“, die als solche dem Alpenverein beitrat. (Es kann auch die beschämende Tatsache nicht verschwiegen werden, daß es leider noch Juden gibt, die Mitglieder der Sektion „Austria“ geblieben sind. Auch hierfür gibt es jetzt leider in München eine beschämende Parallele.) Die Sektion „Donauland“ wuchs sehr schnell und leistete alpinistisch ausgezeichnete Arbeit. Seitdem die Sektion „Donauland“ dem Alpenverein angehört, entwickelte sich eine ununterbrochene Hetze, besonders der österreichischen Sektionen, gegen sie und auf jeder Hauptversammlung des Alpenvereins wurde erneut der Versuch gemacht, die Sektion „Donauland“ hinauszudrängen. Auch in die Berge wurde diese Hetze getragen und österreichische Sektionen schmückten ihre Hütten mit großen Hakenkreuzen und Anschlägen, wonach Juden und Mitglieder der Sektion „Donauland“ unerwünscht seien. Es kam sogar zur direkten Unterkunftsverweigerung gegen jüdisch aussehende Touristen und es werden Fälle berichtet, in denen solche körperlich mißhandelt wurden. In den Hauptversammlungen 1922 und 1923 stellte sich die Leitung des Gesamtvereins auf den selbstverständlichen Standpunkt, daß die Zugehörigkeit der Sektion „Donauland“ in Ordnung geht und der Vorsitzende des Hauptvereins, Exz. v. Sydow erklärte noch im Jahre 1923, lieber auf sein Amt verzichten zu wollen, als das Unrecht, das mit dem geforderten Ausschluß der Sektion „Donauland“ begangen werden sollte, mitzumachen. Im Jahre 1924 war die Entwicklung schon weiter gediehen und der gleiche Vorstand beantragte selbst Ausscheiden der Sektion „Donauland“, mit der Begründung, nur dadurch könne Ruhe im Alpenverein geschaffen werden. (Die Begründung ist wirklich besonders reizvoll; man wird nach dieser Methode künftighin überall die anständigen Leute hinausschmeißen, damit Radaubrüder Ruhe geben.) Die Sektion „Donauland“ hat der freundlichen Aufforderung, sozusagen sich selbst umzubringen, nicht entsprochen und eine speziell zu diesem Zwecke einberufene Hauptversammlung des Gesamtvereins, der man geschwind konstruierte „Verfehlungen“ der Sektion „Donauland“ vorlegte, hat den Ausschluß derselben ausgesprochen. Es liegt hier ein so eklatanter Rechtsbruch, lediglich judenfeindlichen Tendenzen zuliebe, vor, daß man in der Tat am Rechtsempfinden weiter Kreise und am Rechtsempfinden führender Männer verzweifeln muß. II. Seit Anfang Juli 1923 ist es der Redaktion dieses Blattes bekannt geworden, daß — wie es sich nachher herausstellte — schon geraume Zeit die Sektion München, die an ihre Mitglieder keinerlei spezielle Anforderungen alpinistischer Art stellt, keine Juden mehr aufnimmt. Die Sektion München zählt etwa 10 000 Mitglieder und darunter eine ganze Anzahl Juden. Wieviel Juden zur Sektion gehören, wird auch nicht annähernd zu ermitteln sein, da der Sektionsvorstand offensiehllich tendenziös entstellte Zahlen bekanntgegeben hat. Er sprach in der Generalversammlung der Sektion von etwa 1000 jüdischen Mitgliedern, während Umfragen verschiedener Art so kleine Ziffern ergeben haben, daß man unter Berücksichtigung aller Fehlerquellen und sonstiger Faktoren kaum 500 jüdische Mitglieder der Sektion München annehmen kann. Versuche seitens einiger jüdischer Mitglieder, auf die Aufnahmepraxis des Sektionsvorstandes einzuwirken, gingen bei der klaren Tendenz des Vorstandes fehl und in der Generalversammlung der Sektion ließ der Vorstand sich ausdrücklich die Vollmacht geben, auch weiterhin die Aufnahme jüdischer Mitglieder abzulehnen, wobei vollkommen klargestellt wurde, daß diese Vollmacht vorläufig dazu benützt werden soll, nicht nur in der Regel, sondern durchwegs Juden als Mitglieder abzulehnen. Die gleichzeitig vorgebrachten Versicherungen, daß diejenigen Juden, die schon Mitglieder der Sektion sind, als solche gerne gesehen würden, daß man sie nicht kränken wolle, keineswegs das Ausscheiden der jüdischen Mitglieder wünsche, muß nach der ganzen Art und Weise, wie der Sektionsvorstand aufgetreten ist und in der Mitgliederversammlung sein Vorgehen begründet hat (er entblödete sich nicht, von Machtgelüsten der Juden zu sprechen, die offenbar die Sektion in ihre Hände bekommen will), als eine Heuchelei schlimmster Art bezeichnet werden. Dieser gegenüber muß wahrhaftig ein klarer Antisemitismus noch als anständig empfunden werden.

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