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Das jüdische Echo · 1925-01-16 · 3 (16.1.1925) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
3 (16.1.1925)
Date
1925-01-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 3 16. Januar 12 Jahrgang Der Hbonnemen tsbetrag für das „Jüdische Echo“ beträgt 8 Mark für das Jahr. Wir bitten unsere Bezieher den Betrag für 1925 auf unser Postscheckkonto München 3987 (B. Heller, Herzog Maxstr. 4 einzuzahlen! C. In wenigen Wochen finden in Preußen die Wahlen zum jüdischen Gemeindeverband statt. Wir hätten hier in Bayern keinen Anlaß, uns mit diesen Wahlen allzu eingehend zu befassen, wenn nicht die Wahltaktik des C.-V. dazu nötigte. Der C.-V. hat jedoch überraschenderweise in dem Wahlkampf eine Haltung angenommen, die zeigt, daß er nichts gelernt und alles vergessen hat. Von Einheitsfront und jüdischer Solidarität weiß man nicht mehr. Weil die Pogromrufe nicht mehr so laut und roh klingen wie vor wenigen Monaten, glaubt man nach schönem Vorkriegsbrauch die Zionisten als schlechte deutsche Staatsbürger verdächtigen zu dürfen, um das eigene patriotische Licht auf diesem dunklen Hintergrund um so heller erstrahlen lassen zu können. ‘ Da diese unwürdige Hetzpropaganda sich nicht innerhalb der preußischen Grenzen hält, sondern durch die C.-V.- Blätter über ganz Deutschland auch nach Bayern verbreitet wird, sehen wir uns gegen unseren Wunsch genötigt, einmal mit dem C.-V. abzurechnen. Wenn wir sagen, gegen unseren Wunsch, so meinen wir damit nicht etwa, daß wir eine geistige Auseinandersetzung fürchten. Im Gegenteil, die Zionisten haben den geistigen Kampf, die Auseinandersetzung mit anderen Richtungen immer gesucht, weil sie überzeugt waren, die siegreiche Idee der Zukunft zu verkörpern; überall, wo der Zionismus mit anderen Gruppen des Judentums zusammengestoßen ist, hat er diese in entschiedenster Weise beeinflußt. Für den C.-V. handelt es sich aber nicht um eine geistige Auseinandersetzung; er führt einen Kampf, der auf die niedrigen Gefühle, auf die Feigheit und Unwissenheit der Massen berechnet ist. Man sucht den deutschen Juden einzureden, daß die zionistische Idee, die jüdische Schule, die Pflege der hebräischen Sprache, die Stellung der deutschen Juden gefährdet und sie ins Ghetto zurückwirft. Man malt ihnen das Schreckbild einer von den Zionisten angeblich geplanten nationalen Autonomie, der jüdischen Volksgemeinde, an die Wand. Glücklicherweise ist das deutsche Judentum keine urteilslose Masse. Es ist in seiner überwiegenden Mehrheit einsichtig genug, als daß ein derartiger Kinderschreck Eindruck machen könnte. Die nationale Autonomie ist von zionistischer Seite niemals für das deutsche Judentum gefordert worden. Der Zionismus hat in Übereinstimmung mit dem verstorbenen Führer des C.-V., Herrn Geheimrat Eugen Fuchs — unter dessen Leitung der Wahlkampf wohl sicher nicht in einer derartigen Form geführt worden wäre — die nationale Autonomie für die Juden in den Ländern der jüdischen Massensiedlung gefordert; die Zionisten haben ferner den Grundsatz aufgestellt, daß den Juden die nationale Autonomie in den Ländern gewährt werden müsse, in denen sie Anspruch V. darauf hätten. Für Deutschland kommt auch nach zionistischer Auffassung der Anspruch auf nationale Autonomie für Juden nicht in Betracht. Die Juden sind in Deutschland viel zu zersplittert, ihre Zahl ist viel zu gering, als daß die deutschen Juden hier in einer geschlossenen nationalen Kultur mit hebräischer Umgangssprache leben könnten. Infolgedessen wäre die Forderung der nationalen Autonomie, die für Länder mit jüdischer Massensiedlung wie Polen, Litauen das Einzigmögliche ist, für Deutschland ein Unsinn. Unter dem auf zionistischer Seite vor einigen Jahren öfters gebrauchten Begriff der Volksgemeinde, der beinahe in Vergessenheit geraten war, bis er vom C.-V. zu Wahlzwecken wieder hervorgeholt wurde, hat die maßgebende Instanz des Zionismus und die jüdische Volkspärtei nicht das verstanden, was heute in diesen Begriff vom C.-V. hineingelegt wird. Der Begriff der Volksgemeinde wurde vielmehr geprägt im Gegensatz zur „Kultusgemeinde“ und zwar aus guten Gründen. Bis zur Nachkriegszeit beschränkten die großen liberalen Gemeinden ihren Aufgabenkreis auf das Gebiet des jüdischen Kultus unter Berufung darauf, daß sie reine Kultusgemeinden seien, lohnten also die Erfüllung wichtiger sozialer Aufgaben sowie die Wahrung sonstiger wichtiger jüdischer Interessen ab. Demgegenüber stellte die Jüdische Volkspartei den Satz auf, daß die jüdische Gemeinde berufen sei, alle jüdischen Interessen, einerlei ob Kultusangelegenheit oder nicht, wahrzunehmen. Da dank der Aufklärungsarbeit des Zionismus die Verpflichtung der jüdischen Gemeinde zur Wahrung aller jüdischen Interessen allgemeine Anerkennung und praktische Geltung gefunden hat, ist es nur ein Versuch mit leeren Worten zu schrecken, wenn heute der C.-V. mit Zitaten aus verstaubten Broschüren über die jüdische Volksgemeinde operiert. Die Erkenntnis von der Notwendigkeit jüdischer Schulen und die Pflege der lebendigen hebräischen Sprache ist heute kein Reservat der Zionisten, sondern Gemeingut aller ernstlich interessierten jüdischen Kreise, es erübrigt sich deswegen in dieser Hinsicht, auf die Angriffe 'des C.-V. einzugehen. Wie vollkommen grundlos die Zionistenhetze des C.-V. ist, zeigt der bayerische Landesverband. Hier leisten Mitglieder der Volkspartei zusammen mit den liberalen Mitgliedern erfolgreiche Arbeit, ohne daß sich dabei ernstliche Reibungen ergeben. Das liegt nicht etwa nur an den persönlichen Eigenschaften der Mitglieder der Volkspartei, sondern vor allem daran, daß die von der Volkspartei vertretenen Forderungen bestimmt und geeignet wären, neues jüdisches Leben in den Verband und die ihm unterstellten Gemeinden zu bringen, dabei aber stets der finanziellen und politischen Lage der jüdischen Gemeinschaft Rech-

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