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Das jüdische Echo · 1925-01-09 · 2 (9.1.1925) · p. Seite 28

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
12 (1925)
Issue
2 (9.1.1925)
Date
1925-01-09
Page
Seite 28 (sequence 12)
Language
German
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28 Das Jüdische Echo Nr. 2 einigen „jiddischen Liedern“, deren klangreicher Vortrag den demnächst stattfindenden Liederabend der „Ewer-Buchhandlung“ mit Spannung erwarten läßt. Nach einer mit allerlei Näschereien für die vom Zusehen und Ruhig-Sitzen ermüdeten kleinen Zuhörer ausgefüllten Pause zeigte die Bar Kocliba- Jugendabteilung die „Erlebnisse Klein-Benjamins auf der Fahrt nach Palästina“. Es ging sehr bewegt zu, „die Wellen verschlangen den Schiffer mitsamt dem Kahn“, eine Lokomotive „steif und verspielt“ pustete, arabische Räuber und zum Schlüsse die „Hatikwah“, einfach alles war da. Die Idee war von J a c k i e R o s n e r und die technisch sehr beachtenswerte Aufführung rührte von Ing. G u s t a v M e v e r s t e i n her, der auch die farblich gut zusammengestellten Dekorationen entworfen hat. Nach einem festlichen Umzug der in biblischen Kostümen erschienenen Kinder konnten sich schließlich alle Kinder selber betätigen, indem sie „trenderln“ durften und von den mit zahllosen Geschenken bedeckten Tischen schöne 'Gewinste, die zum Teile von den fleißigen Händen der „Frauengemeinschaft“ selbst hergestellt waren und irgendwie einen Hinweis auf Jüdisches hatten, heimtragen. So schloß das frohe Fest der Kinder. Die „Makkabäer-Feier“ der „Zionistischen Ortsgruppe“ vereinigte am Abend eine stattliche Anzahl von Anhängern und Freunden des zionistischen Gedankens, dem Herr Jakob R e i c h in seiner Festrede zündenden Ausdruck verlieh. Nach dem mit gewohnter Meisterschaft von Herrn Heinrich S c h a 1 i t auf dem Flügel zum Vortrag gebrachten Marsch aus Händels „Judas Makkabäus“ erfreute Herr Ludwig Donath von den Kammerspielen durch treffliche Rezitationen aus Werken ostjüdischer Schriftsteller. Im ernsten wie im heiteren Teil bewies Herr Donath seine innere Verbundenheit mit dem Stoffe. Starker Beifall lohnte dem Künstler. Herr S c h a 1 i t übermittelte dann zusammen mit einem neuerlich bekannt werdenden jungen Künstler, Herrn Erwin Pal m, Schumannsche Kompositionen, die wie die sich anschließenden „Jüdischen Volkslieder“, die Frl. Sonja Fleischer zu Gehör brachte, das Publikum gefangen nahmen. Die nun folgenden Darbietungen von Damen und Herren des „Bar Kochba“ boten in ihrer Eigenartigkeit in gewisser Hinsicht den Höhepunkt des Festes. Eine Damengruppe zeigte nach Entwurf und unter Leitung des Hin. A. S r h i n d 1 - heck eine tadellos zum Ausdruck gebrachte rhythmische Folge, deren leichtbeschwingte Zierlichkeit von dem Gegensatz prächtig gestellter Bronzefiguren der Herren abgelöst wurde. Schließlich zeigten Damen und Herren elegante und kraftvolle Barrenübungen. Die Zuschauer waren von der Schönheit und Gediegenheit aller Darbietungen so gepackt, daß sie sogar die Hinausschiebung des Tanzbeginns ruhig in Kauf nahmen. Da die Polizeistunde verlängert war, konnte auch dieser Seite des festlichen Beisammenseins gebührend Rechnung getragen werden, während ein von Frau Orljanski trefflich geleitetes Büfett für Gaumen und Kehle sorgte und die ersten Palästina-Zigaretten, die vom Wirtschaftsamt des „Blau-Weiß“ vertrieben wurden, ihre Abnehmer fanden. Der glückliche Gewinner des Haupttreffers der Tombola darf umsonst nach Palästina fahren und heißt .... doch nein, sonst beneiden ihn zu viele und bedauern noch mehr, nicht dabei gewesen zu sein. Z’bi. Aus dem F ii rtbe r G emeindelebe n. Vor einem zahlreichen Auditorium sprach jüngst Dr. Behrens im Berolzheimer-Haus über „Probleme jüdischer Geschichte“: Das kleine israelitische Volk gab der Welt die Bibel, ein unvergängliches Denkmal religiöser Art. Die Hochhaltung wahrhaft religiösen Geistes gab ihm die Kraft, über alle Enttäuschungen der Jahrtausende hinwegzukommen. Redner gab ein Bild des vielverkannten und geschmähten Talmuds, den so wenig Juden unserer Zeit kennen und den man nur verstehen kann, wenn man sich in die Kulturepochen zurückdenkt, in denen er entstanden ist. Von Palästina und Babylon verschiebt sich der Schwerpunkt jüdischer Geisteskultur hinüber zu den geistes- und sprachverwandten Mauren in Spanien und zwar hier in inniger Gemeinschaft beider Völker. Und wieder wandert der Schwerpunkt weiter nach Holland und Italien, von da nach Deutschland. Heute haben Millionen von Glaubensgenossen in Amerika eine neue Heimat gefunden. Maimonides bei den Mauren, Spinoza in Holland, Mendelssohn und Cohen in Deutschland bezeichnen Höhepunkte jüdischer Wissenschaft. Überall wo der Jude wohnt, nimmt er sich der großen nationalen Gemeinschaftsaufgaben an und sucht sie in treuer Gemeinschaft mit der nichtjüdischen Bevölkerung zu lösen. In sozialen und humanitären Fragen arbeitet der Jude mit und zwar in vorbildlicher Weise, ohne hier konfessionelle Schranken zu kennen. Das Judentum wirkt nicht zersetzend, sondern es will den Frieden und die Kultur fördern. Der Redner erntete reichen Beifall für seine interessanten Darlegungen. Es wäre nur noch zu wünschen, daß nach solchen Referaten auch eine Aussprache erfolgen würde. Am 2. Chanukah-Abend hatte Rabbiner Dr. Behrens zu einer Feier der jüdischen Schuljugend Fürths eingeladen. Eine vielhundertköpfige Besucherschar aus allen Kreisen der Stadt war dem Rufe gefolgt. Nach langen Jahren des Verstummtseins war es das erstemal wieder, daß fast die gesamte Jugend ohne Unterschied der religiösen Richtung gemeinsam Chanukah feierte. Gar mancher lauschte verwundert den Klängen des Moaus Zur und träumte sich zurück in die Jugendzeit, wo Vater und Mutier die alten Bräuche noch gewissenhaft befolgten. Die Leiterin des Kinderhortes, Frl. Selling, hatte prächtige Reigentänze eingeübt, von denen insbesondere der Tanz der Chanukah-Trenderchen ein entzückendes Bild bot. Lehrer Oppenheimer vom Waisenhaus hatte mit Schülern ein Geißbubenlied eingeübt, dessen humorvoller Text — teilweise von dem allzufrüh verstorbenen Hauptlehrer Oppenheimer-Neumarkt stammend — viel belacht wurde. Realschüler brachten das sorgfältig einstudierte: „Die kluge Liese“, welch letztere von Frl. Kunreuther natürlich und lebensvoll dargestellt wurde. Und nahezu 50 Mädchen aus allen Schulen wußten in einem großen Märchenspiel die Zuhörer so zu fesseln, daß die Stunden allzuschnell entschwanden. Diese beiden großen Stücke, von Lehrer Straus (Vorschule Heckmann) mühevoll einstudiert und geleitet, glichen farbenprächtigen Gemälden. Die Jugend war mit seltener Begeisterung beim Spiel. Ein kleines Orchester (HH. Apotheker Nußbaum, Lübeck und Schreins) erntete für seine künstlerisch vollendeten Darbietungen stürmischen Beifall. Es wurde allgemein bedauert, daß infolge der vorgeschrittenen Zeit der als geistvoller Musiker bekannte Apotheker Nußbaum seine Lieder zur Laute nicht mehr zum Vortrag brachte. Das übereiche Programm des Abends mußte denn auch unter flotter Regie des Lehrers Straus ohne Pause gespielt werden. Eine Kürzung hätte den Eindruck des Abends bedeutend verstärkt. Die Leistungen aller Mitwirkenden wurden auch in der nichljiidischen Tagespresse sehr lobend anerkannt. Möge der neue Geist, von dem Dr. Behrens in seiner glänzenden Weiherede sprach, sich auch weiterhin auswirken.

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