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Das jüdische Echo · 1924-11-28 · 48 (28.11.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
48 (28.11.1924)
Date
1924-11-28
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo ■■■ Nummer 48 28. November 1924 11 Jahrgang Ein Memento Die Mandatskommission des Völkerbundsrates hat auf Grund der Berichte der palästinensischen Regierung und der zionistischen Organisation, sowie nach Entgegennahme des Memorandums der palästinensisch-arabischen Exekutive ihren Bericht an den Völkerbundsrat abgefaßt. Der authentische Text dieses für uns Zionisten wichtigen Dokumentes liegt noch nicht vor, aber die bisher veröffentlichten Auszüge genügen, um zu erkennen, von welchem Geiste das Urteil der Mandatskommission über das Palästina-Mandat ifm allgemeinen und über ,die in den letzten fjahren in Erez Jsrael \ geleistete Arbeit im beisonderen getragen war. Zwischen den Zeilen des Elaborates der Mandatskommisision ist zu lesen, (daß (die ^Mitglieder dieser wichtigen Körperschaft weit davon entfernt sind, das richtige Verständnis für die Bedeutung des Palästina- Mandates und für das jüdische Nationalheim aufzubringen. Die Beurteilung der ganzen Frage erfolgt sozusagen von einem isolierten Standpunkte: die großen Zusammenhänge, die dazu geführt haben, der Weltjudenheit die Möglichkeit zur Schaffung eines nationalen Heimes zu gewähren, werden in dem Berichte der Mandatskommission in keiner Weise sichtbar. Die Kommission hat die Frage des Palästina-Mann dates staatisch behandelt. Sie beurteilte die Verhältnisse im Lande, wie sie heute liegen, ohne das Moment der Entwicklung gebührend in Rechnung zu steilem. Sie zog lediglich die Tatsachen in Betracht, die vsich dem Beurteiler des gegenwärtigen Palästina in die Augen drängen : eine ^große arabische Majorität, eine kleine j!ü|dische Minorität. Der (Umstand, daß Palästina eine vielfache Zahl der gegenwärtig im Lande lebenden Menschen aufzunehmen vermag, die Überlegung, daß Palästina gegenwärtig brach liegt, daß die Araber nicht imstande sind, das Land zu neuer Blüte zu bringen, die Tatsache, daß Hunderttausende Juden vor der Notwendigkeit stehen, auszuwandern, und nicht wissen wohin, (scheint bei den Beratungen der Mandatskommission keine Rolle gespielt zu haben. Ebenso läßt der Bericht der Mandatskommission die Einsicht vermissen, daß hinsichtlich des Majoritätsprinzipes und der Souveränität von Gebieten, die in der Entwicklung zurückgeblieben sind, unbedingt Grenzen gezogen werden müssen. Der tiefste Sinn des Völkerbundes ist doch der, daß alle Völker der Erde miteinander verbunden und aufeinander angewiesen sind, und darum gemeinsame Verantwortung für Fragen haben, die die gesamte Menschheit betreffen. Eine derartige Frage ist. zweifellos das Problem des jüdischen Volkes, das Problem des jüdischen Nationalheims. Die Staatsmänner, vor allem Balfour. die bei der Schaffung des Palästina-Mandates mitgewirkt haben, waren sich stark der Aufklärungsarbeit von zionistischer Seite über den Sinn des Judenproblemes klar. Jedoch ist das Verständnis, das damals in einem Momente des geistigen und moralischen Aufschwunges zutage trat, leider noch nicht Gemeingut aller Faktoren geworden, die sich in der Folge mift dem Probleme des jüdischen Nationalheimes zu befassen hatten. Die Tatsache, daß die Ansprüche des jüdischen Volkes an die Kulturwelt und an seinen vornehmsten Ausdruck, den Völkerbund, noch nicht allgemein begriffen und als Selbstverständlichkeit betrachtet werden, sollte uns Zionisten zu denken geben. Es wäre ein falscher Schluß, wollte man als alleinige Ursache dieses Tatbestandes das Unverständnis der Welt annehmen. Vielmehr haben (die Zionisten und das gesamte jüdische Volk Schuld daran, daß das Verständnis für( die Fragen des jüdischen Nationalheims und die Unterstützung der Kulturwelt für unsere Aufgaben bis heute so dürftig geblieben sind. Nach zwei Richtungen hat das jüdische Volk und seine Avantgarde beim Aufbau Palästinas es *an Leisfungnen fehlen lassen, die imstande waren, das Urteil der Welt zu beeinflussen. In politischer Hinsicht ist nämlich seit dem großen Erfolge der Balfour-Deklaratian und ihrer Bestätigung durch den Völkerbund eine Stagnation eingetreten. Wir können nicht von der Welt verlangen, daß sie auf Grund einer einmaligen Aufklärungsaktion, die in einem günstigen Zeitpunkt aufgenommen und durchgeführt wurde, die gewonnene Erkenntnis als dauerndes Besitztum bewahre. Es ist vielmehr notwendig, in allen Zentren der Welt, wo das Weltenschicksal mitbesfimmt wird, ununterbrochen aufklärend zu wirken, Beziehungen anzuknüpfen, Verständnis zu suchen und die sich ablösenden politischen Parteien und Parteiführer auf dem Laufenden zu’ halten. Zu dem Zwecke ist eine zielbewußte, ununterbrochene politische Arbeit notwendig. Von großer Bedeutung ist ferner die Beeinflussung der gesamten öffentlichen Meinung auf dem Wege der Presse und regelmäßiger Publikationen. Vor allem aber ist «s notwendig, die Trage des Jüdischen Nationalheims zur verstandenen und allgemeinen Forderung der Gesamtjudenheit zu machen. Die neu inaugurierte Politik der Verbreiterung der Jewish-Agency ist in dieser Hinsicht ein Anfang. Wenn dieser Anfang dazu führen wird, daß die Frage des jüdischen Nationalheims für die Juden der ganzen Welt nicht mehr diskutabel (ist, dann ist zu hoffen, daß sie auch für die gesamte Kulturmenschheit eine Selbstverständlichkeit werden wird. Wichtiger noch als die politische Aufklärungs*- arbeit sind die ökonomischen Leistungen. Tatsachen sind stärker als alle Argumente morali-i scher Natur. Leistungen sprechen eine beredtere Sprache als die schönsten theoretischen Ausführungen. Wenn das jüdische Volk in Palästina durch seine Arbeit und seine Opfer die Zahl der dort wohnenden Juden vervielfachen, den Wohlstand des Landes erhöhen (und die Wohlfahrt aller dort lebenden Einwohner, der Araber und Juden, gesteigert haben wird, dann werden diese Argumente in viel höherem Maße ins Gewicht fallen als die Überlegung, daß die Kulturmenschheit dem zweitausend Jahre lang

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