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Das jüdische Echo · 1924-11-21 · 47 (21.11.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
47 (21.11.1924)
Date
1924-11-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 47 21. November 1924 11. Jahrgang; Das „Orchester“ Der Zentralverein marschiert I Aus dem großen Hauptquartier (der großen Hauptvorstandsitzung in Berlin). Zu der diesjährigen Herbstsitzung des Hauptvorstandes des Zentralvereins in Berlin bringt das offizielle Organ des Zentralvereins einen begeisterten und begeisternden Nachruf, aus dem wir vor allen Dingen einmal entnehmen, daß „alle, alle kamen“, daß „im Hintergrund ein Zentralvereinler von der Wasserkante in leidenschaftsloser Unterhaltung mit einem Kollegen, den man ob seiner unentwegt eisernen Ruhe sofort als ein Kind der roten Erde Westfalens erkennen mußte, Probleme partikularistischer Naur erörterte und daß die Hauptvorstandssitzung eine große innere Berechtigung und Bedeutung hätte. Kein Wunder, daß der Marsch des Zentralvereins gut vorwärts geht. Hatte man doch die alten, wenn auch von Kugeln und Motten schon a,rg mitgenommenen Fahnen wieder hervorgesucht und ihnen auf dieser Sitzung neue Weihe verliehen. „Mit 67 gegen 6 Stimmen wird, nachdem R.-A. Geiger (Frankfurt), Henry Rothschild (Frankfurt), J.-R. Sonnenfeld (Berlin) gesprochen haben, die folgende Entschließung des Herrn Rechtsanwalt Kronbach (Essen) angenommen: „ESL^hesteht keine Veranlassung, die *öile llung des Zentralvereins zu den Zionisten, wie sie in der Resolution der Hauptversammlung 1913! niedergelegt ist, einer Nachprüfung zu unterziehen. Diese Resolution ist in unveränderter Geltung.“ Dieser Beschluß ist wieder einmal ein Beweis dafür, in welch unendlich geringem Zusammenhänge Leitung und Masse, Führer und Ge-,, führte im Zentralverein mit einander stehen. Dre& Generäle, an der Spitze der große Generalstab, sie ziehen noch unentwegt nach den Klängen der gleichen Militärmusik wie im Jahre 1913, nach der alten Landsknechtsweise gegen den Zionismus ins Feld, während weiter hinten die Nachhut und —. ach, auch schon nicht unbeträchtliche Teile des Gros eingesehen haben, daß es sich hier weiß Gott nicht um einen Kampf um die heiligsten Güter der Nation handelt, daß die Zionisten Menschen sind, mit denen man, wen man sie etwas mehr aus der Nähe und nicht nur mit dem Feldmarschallteleskop betrachtet, ganz gut auskommen kann, daß wirklich kein, aber auch gar kein vernünftiger Grund dafür besteht, warum ein Verein zur Abwehr des Antisemitismus gleichzeitig auch die Abwehr des Zionismus zu besorgen haben soll. Der Zentralverein marschiert, aber fragt nur nicht wohin. Seine Spitze ist schon auf dem besten Wege, sich mit den „Heerscharen“ Naumanns zu vereinigen. Ob die Soldaten mitmachen werden? denn auch Naumann marschiert. Während der Zentralverein doch immer noch über eine gediegene Kapelle mit allen möglichen Blasinstrumenten verfügte (so wurden auf der oben erwähnten Hauptvorstandssitzung zweifellos sehr interessante Referate über Siegfried Wagner und über die freie, frische Luft der Berge gehalten, in die nunmehr bedauerlicherweise der Pestbazillus des Judenhasses eingedrungen ist), steht der Naumannschen Partei nationaldeutscher Juden im wesentlichen scheinbar doch nur ein Notorchester aus Piccoloflöten zur Verfügung, wobei allerdings immerhin erwähnt werden muß, daß Herr Naumann es gut versteht, dazu die große Trommel zu rühren. Hauptkonzertstück ist und bleibt die Ostjudenfrage. In der Nummer 4 seines Mitteilungsblattes bringt Naumann einen Aufsatz des Sozialdemokraten Erich Köhrer, der sich gegen jede Einwanderung und somit auch gegen die Einwanderung der Ostjuden ausspricht, während Naumann In einem Zusatz zu diesem Artikel den Ostjuden als Zionisten und den Zionisten als Feind „Teutscher Belange“ betrachtet. So ganz deutsch scheint ja nun nach den neuesten Pressenachrichten auch Herr Köhrer nicht zu sein, der der getaufte Sohn jüdischer Eltern ist und in seiner Jugend einmal ga^z .anders als Köhrer hieß; aber es macht sidTÜpch immerhin ganz gut, wenn man auf diese Wgisfe -seinen Lesern die Meinung des „deutschen Volkes“ klar legen kann. Und — wie gesagt, die große Trommel funktioniert ausgezeichnet. Der Musikante möge sich nur davor hüten, daß ihm nicht gelegentlich einmal das Kalbfell platzt. * Doch horch, was rückt denn dort heran? — schwer auch nur dem geübten Auge erkennbar, trefflich gedeckt hinter Büschen und Hecken? Jetzt vermögen wir die Fahne zu erkennen. Sie besteht aus Papier und ist prima Frankfurter Fabrikat. „Neue Erez Israel-Probleme“ heißt der letzte Leitartikel im „Israelit“, der seine Explosivgeschoss© aus dem Hintergrund mit ungeheurer Wucht gegen unsere Stellung abfeuert. Glücklicherweise sind es nur Blindgänger. Dr. Weizmann und mit ihm viele verantwortungsbewußte Zionisten sahen und sehen eine nicht unbeträchtliche Gefahr für die Entwicklung der jüdischen Heimstätte in Palästina darin, daß das Einwanderungselement der letzten Monate in Palästina sich zu einem größeren Bruchteil aus Juden zusammensetzt, die ihrem Alter und ihren Berufen nach nicht als Chaluzim, nicht als Pioniere betrachtet werden können. Es handelt sich hierbei um Einwanderer, die, an sich genommen, durchaus von Wert für das Land sein können, Kaufleute, Rentner etc., die durch ihre Ansiedlung dem Lande wertvolle Kraft bringen, aber doch nicht um jenes Einwanderungselement, das allein den Bestand und das Aufblühen der jüdischen Kolonisation zu gewährleisten vermag, nicht um Bauern und um ausgebildete Handwerker, die nun einmal der ganzen Natur der Dinge nach

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