Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- Seite 392 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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392 Das Jüdische Echo Auf ein Zeichen des Großinquisitors werden einzeln die 34 „Bekehrten“ in die Mitte des Theaters geführt und auf einem erhöhten Ort zur Schau gestellt. Josef del Olmo ruft die Opfer auf. Dominikanermönche geleiten jeden bis an den Pranger, wo die Urteile — meistens lebenslänglicher Kerker — verlesen werden. Stundenlang dauert diese heilige Prozedur. Eine drückende Hitze quält gleichsam Peiniger und Opfer. Dieser Handlung folgt die Verurteilung der in effigio, in Bildern, Verbrannten. Auch den kleinen Särgen mit schaurigen Resten menschlicher Lebewesen wird Urteil und Fluch gesprochen. . . . Fahl und eingefallen ist das Gesicht Carls. Während sich der Menge eine tierische Ungeduld und letzte Gespanntheit bemächtigt hat, sitzt die Majestät in sich eingesunken und folgt mit hektischem Blick aufmerksam dem Geschehenen. Schon sinkt die Sonne. Der Tag geht zur Neige. Fackeln werden angesteckt. Bald sollen die Juden, die so fest an ihrem Glauben halten, von ihren Leiden erlöst werden.Priester und Mönche stimmen die Hymne „Veni creator Spiritus“ an. Abendmesse wird gelesen. Absolution erteilt. Jetzt nähert sich gemessenen Schrittes der Großinquisitor dem König. Carl verläßt seinen Platz, geht ihm entgegen und .... er selbst, der König von Spanien, zündet mit eigener Hand am 30. Juni 1680 den Scheiterhaufen an! 46 Lichterloh schlagen die Flammen auf. Wildes Geheul und Freudengeschrei der Menge. ..... Einzeln besteigen die Opfer das Feuergerüst. Männer und Frauen mit bewunderungswürdiger Entschlossenheit. Sie sind nicht geknebelt. Ihr Bekenntnis — das Sch’mah — bleibt der Menge unverständlich. . . . Als der letzte Jude, Isaac Moses de Leon, auch Pedro Vizento genannt, reisender Kaufmann, 27 Jahre alt, den Scheiterhaufen besteigt, hat es Mitternacht geschlagen. . . . * Carl ließ einen Scheiterhaufen dem andern folgen. Am 12. Februar 1689 starb Maria Louise plötzlich. Man sprach durch Gift. Vier Wochen später heiratete Carl zum zweitenmal. In einem Monat ließ er 4 „Feiertage“ veranstalten. Ob sie alle seine zweite Heirat verherrlichen sollten? Juden bestiegen auch diese vier Scheiterhaufen. * Die königliche Hand, die die Scheiterhaufen in Brand setzte, konnte im 35. Lebensjahre kaum die Nahrung zum Mund führen. Fünf Jahre rang Carl mit dem Tod. Er konnte nicht sterben. . . . „Sein Herz war nicht größer als ein Taubenei und weicft wie naß gewordene Kreide; seine Leber war faul und ein Stein von der Größe einer* >Bohne darin. Alles in ihm war schwarz wie gebrannter Kaffee.“ (Spain under Charles the Second; Göln 1701.) Personalia München. Im hohen Alter von 74 Jahren entschlief letzte Woche Frau Rosa Aufhäuser, Witwe des Begründers der bekannten hiesigen Bankfirma H. Aufhäuser. Die Verlebte, welche einer alten angesehenen Münchener Familie entstammte, erfreute sich in weiten Kreisen durch ihre Wohltätigkeit größter Wertschätzung. Gemeindenu. Vereins-! cho Vortrag Dr. Nahum Goldmann Heute Samstag Abend 8 Uhr spricht Dr. Nahum Goldmann im Museumssaal, Promenadestr. 12, über „Palästina und das jüdische Lebensproblem“. Wir zweifeln nicht daran, daß alle jüdisch Interessierten gerne die Gelegenheit benützen werden, aus so berufenem Munde eine Abhandlung der Fragen unserer Zeit zu hören. Palästina-Amt. Tägliche Sprechzeit nur von %2—343 Uhr Rothmundstr. 6, welche ich pünktlich einzuhalten bitte. Paul Grünbaum. Bar Kochba München. Die Generalversammlung wählte folgende Vorstandschaft: 1. Vors. Dr. Kretschmer, 2. Vors. Josef Ochansky, 1. Schriftführer Frau Spielmann, Königinstr. 4, 2. Schriftführer Leo Fleischer, Jugendleiter Gustav Meyerstein, Leiterin der Frauenabteilung Frl. Hohenberger, Leiterin der weiblichen Jugendabteilung Frau Henny Reich, Beisitzer Michael Mahler. Die Vorstandschaft wurde ermächtigt, den Kassier, den Turnwart und noch einen Beisitzer selbst zu bestimmen. Bemerkenswert ist die Gründung einer Ski-Abteilung, deren Organisation Herr Siegfried Spielmann und Herr Fritz Funkei übernommen haben. Die Turnzeiten sind nun endgültig, festgesetzt. Es turnen die Herren Mittwoch abend von 7—9 Uhr, die ©amen Dienstag von 3-48—9 Uhr, die Knaben Dienstag von 6—£48 Uhr, die Mädchen Mittwoch von 5—7 Uhr jeweils in der Schule an der Herrnstr. 28. Neuanmeldungen nehmen die Abteilungsleiter dortselbst entgegen. m"<* Die Vorstandschaft. Bar Kochba München, Leichtathletik-Abteilung. Die Generalversammlung wurde vertagt. Zur Organisaffon der Abteilung wurden die Herren Josef Ochansky und David Masur bestellt. Spörtwart ist Herr Julius Gerstle. Unter Leitung des letzteren findet das Wintertraining regelmäßig Mittwoch von 7—9 Uhr in der Herrnschule statt. Wir fordern unsere Aktiven auf, pünktlich und regelmäßig zu erscheinen. DieLeitung. Zentralwohlfahrtsstelfe der deutschen Juden, Herzog Maxstraße 7. Von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden wird jms mitgeteilt: „Die Deutsche N o t h i 1 f e veranstaltet wie im letzten auch in diesem Jahre eine Opferwoche, um neue Mittel zur Linderung der leiblichen Notstände zu beschaffen. Die Opferwoche findet im ganzen Reichsgebiete im Laufe des Monats Dezember und Januar statt. Um die Einheitlichkeit der Aktion zum Ausdruck zu bringen, wird unter Förderung aller Kreise aus Handel und Industrie und der charitativen Verbände ein Verkauf der Wohlfahrtsbriefmarken der Reichspost stattfinden, von deren Erlös 50 % den vertreibenden Stellen für örtliche und regionale Wohlfahrtspflege verbleiben. Die Zentralwohlfährtsstelle hat aus den bisherigen Sammelergebnissen Zuschüsse aus dem JReichsausgleichsfonds für überlokale Zwecke regelmäßig er-