Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 46 (14.11.1924)
- Date
- 1924-11-14
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 46_ 14. November 1924 11. Jahrgang Was tun? Es sei hiermit zugestanden: es ist schwer, ein Zionist zu sein. Hat man sich einmal in die Liste der Aufbauarmee eingetragen, so hat man die Zahl der verpflichtenden Mizwoth vergrößert. Man hat für das neu erwachende Leben in Palästina Verantwortung übernommen. Man ist nicht mehr ein Jude, der zwischendurch — neben Geschäften und persönlichen Vergnügungen — einige Augenblicke öffentlichen Angelegenheiten widmet, sondern man hat sich die Frage gestellt, die man dauernd beantworten muß. Man hat eine harte Verpflichtung übernommen. Hat man dazu beigetragen, das neue Leben anzufachen, so darf man nicht aufhören, bis dieses neue Leben gesichert ist. Es ist unmöglich, die Verantwortlichkeit von sich abzuschütteln. * Worin besteht die Aufgabe? Es ist eine zionistische Gewohnheit geworden, zu fragen, was eigentlich getan werden soll. Zunächst muß man klar zwischen den Pflichten gegenüber sich selbst und den zionistischen Pflichten unterscheiden. Diese Unterscheidung muß gemacht und festgehalten werden, wenn man richtig beurteilen will, was alles geschehen muß, um dej Gesamtheit des jüdischep Volkes ein normales nationales Leben bauen zu helfen. Was unterscheidet unsere Bewegung von allen vorangegängenen Versuchen, Zion mit der jüdischen Zukunft zu verknüpfen? Folgendes: wir erstreben die Schaffung einer Lebensform, die das Gefäß für unsere nationalen Eigenschaften und Fähigkeiten darstellen soll. Wir sind damit beschäftigt, die Trümmer des jüdischen Lebens zu vereinigen, sie mit schöpferischer Kraft zu erfüllen und Möglichkeiten für die Vererbung unserer nationalen Werte nachkommenden Geschlechtern zu schaffen. In Palästina ist die Arche errichtet. Gestützt auf Brief und Siegel des Völkerbundes werden unsere mannigfachen nationalen Aufgaben fortgeführt. Die Voraussetzungen zur Wahrung der Gesamtinteressen des jüdischen Volkes im Lande sind gegeben. Die Grundlagen sind gelegt. Nur wer zur Stärkung dieser Grundlagen beiträgt, kann als ein Helfer beim Aufbau des nationalen Heimes betrachtet werden. Einzelne, die ihr Leben besonderen Umständen anpassen müssen, können möglicherweise gezwungen sein, auf den persönlichen Anteil beim Aufbau des Heimlandes zu verzichten. Ihre unmittelbare persönliche Teilnahme mag unmöglich sein. Das ist tragisch, aber es gibt viele kompensierende Möglichkeiten. Andererseits mag mancher es für möglich finden, sein Leben mit dem strömenden jüdischen Leben, das in Palästina zu fluten beginnt, zu verbinden. Befindet er sich in dieser Situation, dann wird er sich in Verbindung mit Palästina bringen. Er kann Land kaufen, in der Hoffnung, demnächst sein persönliches Heim in Palästina zu bauen. Er kann nach Palästina gehen und Gelegenheit für seine persönlichen Unternehmungen suchen. Er kann in verschiedenen Formen vorerst sein Kapital hinschicken und es für die Tätigkeit der anderen zur Verfügung stellen. Ist er aber noch jung, ohne Bindungen, dann kann er als Chaluz Mitglied der großen Aufbauarmee werden und auf diese Weise das Problem seiner eigenen Zukunft vollständig lösen. Die zionistische Organisation will den Einfluß des Golus mindern, die wesentlichsten Elemente unserer nationalen Kräfte in Palästina sammeln und unsere Volkseigenschaften in Stand setzen, sich frei zu entfalten. Diese Anstrengungen erfolgen unter dem Schutze internationaler Verpflichtungen. Wenn nun eine zionistische Gruppe fragt, was man tun soll, dann muß die Antwort in einfacher, undramatischer und unsensationeller Form gegeben werden: arbeitet an der Zusammenfassung der nationalen Kräfte unseres Volkes mit und stellet sie in den Dienst des Heimatlandes! Das ist Anfang und Ende der zionistischen Pflicht. Der konkrete Ausdruck dieser Pflichten sind Keren Hajessod und Keren Kajemeth, die beiden Fonds, die das kollektive Kapital des jüdischen Volkes zwecks Schaffung von Fundamenten in Palästina vereinigen. Diese Fonds sind die Grundlagen des nationalen Gebäudes. Bei der Organisation des jüdischen Volkes für diese Fonds muß man das jüdische Gewissen in Bezug auf nationale Pflichten wecken. Die Mittel hierzu sind: jüdische Ideale, jüdische Ueberlieferungen. jüdische Religion, jüdische Einigkeit, hebräische Sprache, Kenntnis Palästinas, jüdische Organisation. Grundlage aller Arbeiten für diese Fonds ist zionistische Propaganda. Es ist klar, es genügt nicht, Ideale zu haben und Sympathien auszudrücken. Der Ausdruck für die Bekundung eines Glaubens und einer Sympathie ist das Opfer Diese zwei Fonds, von denen der eine den Landkauf, der andere auf dem gekauften Lande jüdisches Leben organisiert, schaffen die konkreten Grundlagen eines nationalen Lebens für das jüdische Volk, auf denen zweifellos die geistigen Eigenschaften der jüdischen Rasse zur Entfaltung gelangen werden. Von diesen beiden Fonds hänger nicht nur der Boden, die Kolonien, die Begründung Die Jüdische Schule Unsere Diskussion hat erfreuliches Interesse und Mitwirkung gefunden. Wir werden eine der nächsten Nummern ausschließlich diesem Thema widmen und damit vorläufig — die Aussprache schließen. - ■ —