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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1924-11-07 · 15 (7.11.1924) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1924
Issue
15 (7.11.1924)
Date
1924-11-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MITTEILUNGEN des Israelitischen Lehrer Vereins für Bayern Schrütleitung: M. Rosenfeld, München Nr. 15 München, 7. November 1924 Zum 70. Geburtstag des Ehren vor* sitzenden unserer Verwaltung, H. Goldstein, Würzburg Am Vorabend des Neujahrsfestes 5685 feierte unser verehrter Goldstein seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse übermittelten wir ihm durch die Würzburger Verwaltungsmitglieder unsere herzlichsten Glückwünsche. Trotz des strengen Verbotes unseres Jubilars, der Öffentlichkeit von diesem Ereignis Kenntnis zu geben, verpflichtet uns der Dank, hier nochmals auszusprechen, was Goldstein den jüdischen Lehrern war, ist und so Gott will, noch lange sein möge. Goldstein gehört zu den Gründungsmitgliedern unseres Bundes. Zwei Jahrzehnte hat er in vorbildlicher Weise an dem Ausbau und den Einrichtungen unseres Vereins als Führer und Vorstand gewirkt. Wenn der Verein in aljen Wirren und Gefahren einig und treu zusammenstand, so ist das mit ein Hauptverdienst unseres Freundes. Besonders ein Werk der Menschenliebe hat er in unermüdlicher Tätigkeit in den Friedensjahren aufgebaut, die Unterstützungskasse für dienstunfähige Lehrer, Witwen und Waisen. Lange Jahre hat sie reichen Segen gestiftet: Als Hort und Stütze dienstunfähiger Kollegen, a,ls Tröster der Witwen, als Helfer der Waisen. Leider ist dieses Werk in der Not der letzten Jahre zusammengebrochen. Wenn uns Goldstein schreibt, daß es zu seinen sehnlichsten Wünschen gehört, „noch jenen Zeitpunkt zu erleben, in dem das Grundkapital wenigstens einigermaßen dem der Vorkriegszeit gleichkommt", so liegt in diesem Wunsche für uns die Verpflichtung, in Erinnerung an Goldsteins unermüdliche Tätigkeit mit aller Kraft an den Wiederaufbau unserer Hilfskasse heranzutreten. Das sei das Gelöbnis und Dankesopfer zum Ehrentage unseres lieben Goldstein. S. Dingfelder, M. Rosenfeld, 1. Vorsitzender. Schriftführer. Wiederaufbau der Hilfskasse Eine Umfrage bei unseren Pensionisten, bei Lehrerwitwen und Waisen ergab ein Bild traurigster Art. Nicht weniger als 7 Veteranen des Lehrerstandes und 3 Lehrerwitwen erhalten keinerlei Pensionsbezüge. Vier dienstunfähige Religionslehrer, die zum Teil mehr als 50 Jahre in ihren Gemeinden gewirkt haben, beziehen 13 bis 50 Mark im Monat als Ruhegehalt, acht Lehrerwitwen müssen mit monatlichen Bezügen von 14 bis 80 Mark ihr Leben fristen und haben dabei zum Teil noch unversorgte Kinder. Welches Elend liegt in diesen Zahlen! Auch einzelne ehemalige Volksschullehrer, namentlich Altpensionisten, bezw. Witwen und Waisen früh verstorbener Volksschullehrer beziehen nur ganz geringe Pensionen. Erschreckt über diese Verhältnisse, die uns bisher ganz unbekannt waren, haben wir uns sofort an den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden mit der dringenden Bitte gewandt, Mittel zur Linderung der Notlage zu gewähren. Wenn wir auch damit rechnen dürfen, daß der Verband in nie versagender Bereitwilligkeit helfend eingreifen wird, so bleibt doch für uns die Pflicht bestehen, selbst den notleidenden Amtsbrüdern, den Witwen und Waisen zu helfen. Wie in früheren Jahren sollten alle Kollegen durch Werbung außerordentlicher Mitglieder, durch Gewinnung von Spenden, durch Sammlungen bei Freud und Leid unserer Hilfskasse Mittel zuführen, damit diese wieder zu einer Quelle des Segens werde. Wir fordern die Mitglieder dringend auf, mit aller Kraft zum Wiederaufbau der Hilfskasse beizutragen. Geldsendungen an das Postscheckkonto des Israelitischen J^ehrervereins für Bayern in Würzburg, Postscheckamt Nürnberg 6479. Mit kollegialen Grüßen! S. Dingfelder, M. Rosenfeld, l. Vorsitzender. Schriftführer. Rechtlich-soziale Stellung des jüd. Lehrers und Gemeindeverband Von S. Brückheimer, Marktbreit, Mitgl. der Tagung. Als erster unter den bestehenden Gemeindeverbänden hat der bayerische es durchgeführt, daß die jüdischen Beamten in den für sie entsprechenden Klassen der B.B.O. voll eingruppiert worden sind. Wenn der Verband auch fürderhin diese Einreihung beibehalten will, so muß er nachdrücklichst darauf achten, daß die unterstützungsbedürftigen Gemeinden vor allem bis zu ihrer Höchstleistungsfähigkeit herangezogen werden. Die Tatsache, daß es eine 17 Familien zählende Gemeinde gibt, die zu dem 185 Mark betragenden Monatsgehalt des Lehrers nur 40 Mark leistet, rüttelt an den Grundfesten des Verbandes. Zudem gerät hierdurch der für die Bewertung der Arbeit und Persönlichkeit des Lehrers so wichtige Grundsatz in Vergessenheit, daß eine Gemeinde, die einen Beamten haben will, auch alle Anstrengungen machen muß, ihn möglichst aus eigenen Mitteln zu erhalten. Denn was einem ohne allzu große Anstrengung zufällt, wird nicht allzusehr geschätzt! Zudem entsprechen die Beziehungen der meisten Gemeinden zu ihren Lehrern — soweit sie die Besoldung und die soziale Stellung des Lehrers betreffen — weder dem Ansehen eines Lehrers noch den heute geltenden Rechten des Beamten überhaupt. Der in allem sonst neuzeitlich orientierte Jude hält gegenüber dem jüdischen Beamten an alten Zöpfen und ganz undemokratischen Einrichtungen mit aller Zähigkeit fest. Dieses Verhalten ist entweder mit der auch aus Bequemlichkeit geborenen Gleichgültigkeit zu erklären, oder aus der Absicht, den Lehrer in möglichster Abhängigkeit zu halten. Daß unsere Gemeinden sich hiebei endlich umstellen und — wenn sie dies nicht freiwillig aus sich heraus wollen — dazu erzogen werden müssen, das ist eine dringliche

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