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Das jüdische Echo · 1924-10-24 · 43 (24.10.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
43 (24.10.1924)
Date
1924-10-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 43 24. Oktober 1924 11, Jahrgang Die Schulfrage Als Beiträge zu der von uns angeregten Diskussion bringen wir heute an uns eingesandte Zuschriften. Wir betonen nochmals, daß die Veröffentlichung völlig unparteiisch von uns erfolgt und daß wir eine Stellungnahme zu allen in dieser Sache eingehenden Aufsätzen uns Vorbehalten. Die Redaktion des Jüdischen Echo. München, den 19. Oktober 1924 An die Redaktion des «Jüdischen Echo“ Sie übermittelten uns Nr. 40 Ihrer Zeitschrift mit der Aufforderung um Stellungnahme zu dem Artikel „Die Jüdische Schule“. Am Ende Ihrer Ausführungen bemerken Sie: Es ist insbesondere Zeit, daß die jüdischen Lehrer sich in eindeutiger Weise vor der Oeffentlichkeit und für die Oeffentlichkeit aussprechen. Als Vertreter der im Israelitischen Lehrerverein für Bayern organisierten Lehrer antworten wir Ihnen darauf, daß der jüdische Lehrerverein seit seiner Begründung im Jahre 1880 zu seinen Hauptaufgaben die Förderung jüdischer Volksschulen zählte. In unablässiger Arbeit war unser Verein bemüht, in Wort und Schrift für Erhaltung und Neuerrichtung jüdischer Schulen einzutreten. Eine kurze Zusammenfassung der Gründe, welche für die jüdische Schule sprechen, finden Sie in der „Denkschrift über die soziale Lage der israelitischen Lehrer in Bayern“, Seite 23 und 24, welche im Jahre 1908 in dem gleichen Verlage erschienen ist wie das „Jüdische Echo“. Ferner verweisen wir Sie auf drei Propagandaschriften, in denen der mitunterzeichnete Vorsitzende unseres Vereins mit anderen Mitgliedern diese Frage auf breitester Grundlage behandelte. Es sind dies die Broschüren: Adler-Dingfelder, Für und wider die jüdische Volksschule, Frankfurt a. M. 1913; Das Eine, das nottut, Beiträge zur Aufklärung über die Grundschule von Dr. Bamberger, Dingfelder, Uhlfelder und Rosenwand, Rockenhausen 1921; Vierzig Jahre israelitischer Lehrerverein für Bayern, Seite 10 u. f., von Dingfelder, Rockenhausen 1921. Neben diesen Bemühungen in der Oeffentlichkeit haben wir vor der Staatsregierung und dem Landtag jederzeit die Rechte der jüdischen Schule vertreten und hier meist mehr Verständnis und Entgegenkommen gefunden wie in den Kreisen jüdischer Gemeindevertreter ohne Unterschied der Richtung. In diesen Kreisen wurde allgemein die Simultanschule überschätzt, weil man von ihr die Ausgleichung der Gegensätze und damit ein friedliches Zusammenleben der Konfessionen erhoffte, die jüdische Konfessionsschule dagegen abgelehnt, weil man sie als „Ghettoschule“ verkannte. So kam es zu der Katastrophe, welche wir in Nr. 9 der „Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern“ vom 30. Mai 1924 als den Untergang der jüdischen Volksschule dargestellt haben. München Trotzdem heute noch die ideellen, pädagogischen und schulrechtlichen Gründe für die jüdische Volksschule wie früher bestehen, so ist doch nach der materiellen Seite ein vollständiger Umschwung der Verhältnisse eingetreten. In den Klein- und den meisten Mittelgemeinden ist der jüdische Nachwuchs so gering, daß fast nirgends die vom Gesetz verlangte Mindestzahl von 10 volksschulpflichtigen Schülern vorhanden ist. Bestehende Schulen konnten nur bei größter Opferwilligkeit der Gemeinden und des Lehrers als Privatschulen fortgeführt werden. Auch in der Großstadt trifft die Abnahme der Geburtenziffer in gleicher Weise zu und bildet sogar in den größten Gemeinden Bayerns, die im Vergleich zu den großen jüdischen Zentren Preußens ohnehin gering bevölkert sind, ein Hemmnis für den Ausbau der in den letzten Jahren erstandenen Volksschulen. Diese wurden, zudem nur von besonderen Organisationen innerhalb der Gemeinden gegründet und erhalten. Erst eine Uebernahme von der Gesamtgemeinde könnte die Grundlagen dieser Schulen tragfähiger machen. Die eigenartige soziale Schichtung der jüdischen Bevölkerung bringt es mit sich, daß Knaben und Mädchen nach dem 4. Schuljahr in höhere Schulen übertreten. Die Eltern müssen ihre Kinder zu einer Zeit, zu der die erzieherischen Grundsätze für die Belassung in der Volksschule noch geltend sind, aus derselben nehmen und; sie den Mittelschulen zuführen. Eine jüdische Schule ohne Oberbau ist eine organisatorische Halbheit. Soll die Schule die ihr zukommenden Aufgaben lösen, so mußte auf die vierklassige Grundschule eine höhere Schule (Realschule, Gymnasium) aufgebaut werden. Ob in unseren bayerischen Großgemeinden die Voraussetzungen für eine genügende Frequenz zutreffen, kann nur durch Befragung der Erziehungsberechtigten geklärt werden. Wir weisen nochmals auf die beiliegenden Broschüren hin und stellen Ihnen anheim, das Material entsprechend zu verwerten. Mit vorzüglicher Hochachtung! Die Verwaltung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern. S. Dingfelder, H. Rosenfeld, 1. Vorsitzender. Schriftführer.

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