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Das jüdische Echo · 1924-10-17 · 42 (17.10.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
42 (17.10.1924)
Date
1924-10-17
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 42 17. Oktober 1924 11. Jahrgang Regierungswechsel in England Man hat der englischen Arbeiterregierung bei ihrer Konstituierung eine kurze Lebensdauer vorhergesagt. Diese Prophezeiung ist, das kann heute gerade mit Bezug auf die erfolgte Auflösung des Parlamentes und den Sturz der Regierung Macdonalds gesagt werden, nicht eingetroffen. Die Arbeiterregierung, die, etwa zu Beginn des Jahres 1924, die Führung des britischen Staatswesens übernommen hat, hat die durchschnittliche Lebensdauer eines Parlaments erreicht. Schon kurz nach den Neuwahlen im Januar 1924 hat die Zionistische Exekutive, haben die verantwortlichen zionistischen Presseorgane betont, daß es durchaus verfehlt wäre, von der Arbeiterregierung eine grundlegende Revolutionierung des Verhältnisses der englischen Regierung zur Verwaltung in Palästina zu erwarten. Die „Jüdische Rundschau“ z. B. schrieb in ihrer Nummer vom 25. I. 24: „Die Tatsache, daß zum ersten Male eine Regierung in England eine prozionistische Haltung auch programmatisch einnimmt, was bis jetzt bei keiner früheren Regierung der Fall war, darf nicht dazu verführen, von ihr jetzt alles Heil zu erwarten oder uns überhaupt Illusionen über ihre Wirkungsmöglichkeiten zu machen.Entscheidend sind die traditionellen Methoden der englischen Politik, die nur sehr selten eine wirkliche Unterbrechung der politischen Kontinuität des englischen Reiches zulassen. Auch die Arbeiterregierung wird diese in der öffentlichen Meinung des Landes stark verwurzelte Tradition nicht verletzen. Immerhin war es natürlich für die Zionisten von wesentlicher Bedeutung, Gewißheit darüber zu haben, daß die verantwortlichen Träger der englischen Außenpolitik, insbesondere auch der Ministerpräsident und der Kolonialminister Thomas warme Freunde der Palästinasache sind und daher jedenfalls eine Verschlechterung der zioni-. stisch-politischen Situation während der Dauer ihrer Amtsführung nicht zulassen würden. Dieses Gefühl der Sicherheit war in einer Zeit, wo gerade in den Spitzen der Organisation starke Meinungsverschiedenheiten, wo eine ausgesprochene Krisenstimmung bestand, von außerordentlichem Werte. Wenn wir heute rückblickend den Zeitabschnitt betrachten, der durch Beginn und Ende der Regierung Macdonalds begrenzt wird, ein Zeitraum also von etwa 10 Monaten, so müssen wir feststellen, daß die leichte Skepsis, mit der wir der Dinge, die da kommen sollten, harrten, nicht unbegründet war. Die Arbeiterregierung hat gerade in Bezug auf ihre Palästinapolitik niemals die Richtlinien verlassen, die ihr von ihrer Vorgängerin, der liberalen Regierung Lloyd Georges vorgezeichnet waren, weder zum Guten noch zum Bösen. Wir haben von ihr nicht mehr erwartet und müssen uns, wenn wir ehrlich genug sind, sagen, daß wir von ihr auch gar nicht mehr —1 von einigen kleinen Ausnahmen abgesehen — verlangen durften. Es kann nicht Sache der englischen Regierung sein, die von dem jüdischen Volke zu leistende Kraftanstrengung zu ersetzen, uns die Kraftprobe zu ersparen, die der ganzen Welt beweisen soll, daß das jüdische Volk lebt und einen Lebenswillen hat, der dem anderer Völker mindestens ebenbürtig ist. Wir können nur fordern, daß man uns keine unnötigen Hindernisse in den Weg setzt, daß man uns, wie Lloyd Georges es einmal schön ausgedrückt hat, den Start gibt, von dem aus dann der Lauf nach dem Ziel frei erfolgen kann. Wir danken es der Arbeiterregierung, daß auch sie uns diesen Start offen gelassen hat und verkennen keineswegs, daß auch hierin schon eine bedeutende Dankesschuld begründet wurde, die wir diesen Männern gegenüber aufgenommen haben. Wir wissen ja, daß in vieler Beziehung notwendigerweise die Zeit gegen uns arbeiten muß, daß jede Regierung, die die Einhaltung der in der Balfour-Deklaration gegebenen Richtlinien garantiert, vor neue innen- und außenpolitische Schwierigkeiten gestellt ist, die im Laufe der Jahre keineswegs geringer, vielmehr immer komplizierter geworden sind. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die politische Situation in Palästina gerade in den letzten Monaten sich erheblich gebessert hat. Dazu hat zweifellos in erheblichem Maße beigetragen der Umstand, daß wirtschaftlich ein bedeutender Aufschwung im Lande sich geltend1 gemacht hat. Es gibt heute in Palästina keine Arbeitslosigk e i t — ein sonst wohl kaum irgendwo in der Welt erreichter Zustand — und unmittelbar im Zusammenhänge damit konnten wir in den letzten Monaten Rekordziffern der Einwanderung feststellen, die sich natürlich auch in politischer Hinsicht günstig ausgewirkt haben. Das Verhältnis zwischen Juden und Arabern läßt sich eben doch letzten Endes als ein Problem erkennen, dessen Lösung davon abhängig ist, daß zahlenmäßig eine gewisse Gleichstellung beider Völker erreicht wird. Dabei ist natürlich nicht notwendig, daß der jüdische Bevölkerungsteil schon in der nächsten Zeit eine absolute Majorität im Lande erreicht. Die niedrige Zivilisationsstufe, auf der der größte Teil der arabischen Einwohner Palästinas, der Fellachen, steht, bringt es mit sich, daß auch ein zahlenmäßig geringeres jüdisches Einwanderungselement durch seine Qualität den erforderlichen Ausgleich herstellen kann. Aber auch hier ist immerhin eine gewisse Mindestzahl von im Lande ansässigen Juden unbedingt erforderlich und mit Recht begrüßt daher die Arbeiterschaft Palästinas in jedem neuen Chaluz eine wesentliche Stärkung unserer Position im Lande. Es ist aber auch gar nicht zu bezweifeln, daß die Politik der britischen Mandatsverwaltung, nicht zuletzt des Highcommissionar Sir Herbert Samuels sich neuerdings wesentlich positiver zu den zionistischen Forderungen eingestellt hat. Es war eine Handlung von nicht zu unterschätzender Tragweite, als sich Samuel gelegentlich seiner Anwesenheit in London zu einer offiziellen Be-

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