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Das jüdische Echo · 1924-09-19 · 38 (19.9.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
38 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 38 19. September 1924 11. Jahrgang Chaluzim Das jüdische Volk in der ganzen Welt und auch die Judenheit in Deutschland — zu ihrer Ehre sei’s gesagt — bringt seit einigen Jahren einen Menschentyp hervor, der in seiner jugendlichen Kraft und Energie so vital, in seiner Umwertung aller Werte so revolutionär und für das verkalkte jüdische Allgemeinempfinden so betäubend ist, daß sich die guten jüdischen Philister, die behäbigen Baalhabattim verwundert die verschlafenen Augen reiben und fragen: „Träum’ oder wach ich?“ Was geht vor? Nur dies: Jungens und Mädels aus „guten jüdischen Häusern“ — guten, d. h. wohlhabenden und entjudeten, sonst aber nichts — wenden sich degoutiert von den traditionellen Berufen der Vergangenheit ab, verzichten darauf, wieder einmal Rechtsanwalt und Justizrat, wieder einmal praktischer oder Facharzt, wieder einmal Tuchgrossist oder Kleiderhändler zu werden, verzichten auf die sichere Aussicht, reich und dick Gelidl Tiitel und hohe Ehren zu erwerben, und gehen in einfache, produktive Berufe. Abiturienten und höhere Töchter bilden sich in der Landwirtschaft aus, melken Kühe und bauen Kornfrucht und Gemüse, fahren Mist und Holz, tragen, statt der Lackschuhe und seidenen Taschentücher ihrer „vernünftig“ gebliebenen Gefährten, Arbeitshosen und Wasserstiefel und — sind fröhlich in ihrem Herzen. Denn dies alles tun sie nicht in eigenem Interesse, aus persönlicher Liebhaberei, aus modischem Geschmack, sondern weil sie, halb noch Kinder, halb schon im tätigen Leben sich verwurzelnd, eine große, heiligende Aufgabe erkannt haben und in sich brennen fühlen: Palästina. Klüger als die sogenannten „klugen Alten“, deren beschränkter Gesichtskreis nicht über den Tag des Geldverdienens und den Ort der Krippe hinausgeht, besser als die sogenannten ,prachtvollen Menschen“, die jeden Groschen zehnmal herumdrehen, ehe sie ihn dem armen Krüppel dort geben, jüdischer als die sogenannten „guten Juden“, die nur noch an höchstens drei Tagen im Jahre heucheln, sich Jüdischem irgendwie verbunden fühlen — tief beseelt und getrieben von der Idee, auch zu ihrem bescheidenen Teil am Aufbau Palästinas einst mitzuwirken, verlassen unsere Chaluzim Vater und Mutter, Bequemlichkeit und sichere Existenz, um sich einzugliedern in das täglich wachsende Heer der Diener am Werk, endlich, endlich das ekle Tachlistum der Väter überwindend. Bei allen Völkern, in allen Ländern würden nationale Chaluzim, Pioniere der Arbeit und des Volkes, hochgeehrt sein. Mit Stolz und Rührung würde man in diesen utopischen Idealisten — die bei uns wohl die nüchternsten Praktiker sind, die die jüdische Geschichte kennt — die Elite der Gesellschaft sehen. Würde? Nicht nur die eigene Jugend, die sich zur Vorbereitung für die Arbeit an der Gesamtheit zusammenfindet, ehren die Völker als ihrer Zukunft Gewähr, sondern auch unsere jüdischen Chaluzim finden bei den wahrhaft geistigen Menschen, gleichviel welcher Nation, Richtung und Betätigung, Anerkennung und begeisterte Zustimmung. Man lese nur, was der englische Premierminister Macdonald au$ eigenem Erleben über die Chaluzim in Palästina gesagt h'at: „Es ist notwendig, daß der englische Arbeiter es weiß, daß, wer die Lösung der Frage der Lohnarbeit sucht, nach Palästina gehen soll, daß, wer verstehen will, wie man den Boden nationalisiert, Eure Genossenschaften sehen muß; daß, wer sich für die Gildenbewegung interessiert, di'e Chaussee Tiberias —■ Semek aufsuchen soll. Der englische Arbeiter muß Eure Schöpfungen kennenlernen, dann \yird er Euch verstehen.“ Und dies: „Als die zweite russische Revolution ausbrach, stand ich ihr skeptisch gegenüber. Nicht etwa aus Mangel an Sympathie, sondern aus der klaren Erkenntnis heraus, daß sie nicht zum Ziele führen kann. Ich glaubte nicht an diesen Weg zur Verwirklichung des Sozialismus. Nachdem ich hier an Ort und Stelle über Eure Arbeitsmethoden gehört habe, bin ich tief überzeugt, daß Euer Weg der richtige ist und daß Ihr Euer Ziel erreichen werdet. Ihr habet von Grund auf begonnen, Ihr habet Eure Arbeit nicht nach einer bestimmten Theorie eingerichtet, Ihr arbeitet nach einer wissenschaftlichen Methode, indem Ihr verschiedene Versuche anstellt, so daß beim Mißlingen des einen nicht der ganze Bau mitgerissen wird. Ihr stützt Euch auf die natürliche Basis der landwirtschaftlichen Arbeit und dringt in die verschiedenen anderen Arbeitszweige ein, Ihr erobert die öffentlichen Arbeiten und verschiedene Mustriem Aut diesem Wege werdet Ihr gewiß zum Ziele gelangen.“ Im neuen Jahr — neues Land! Tausende von Juden warten auf Änsiedlungsmöglichkeit in Palästina. "Spendet für den jüdischen Nationalfond, damit er Siedlungsland erwerben kann. Kein Jude versäume zu Rosch-Haschono den Nationalfond zu bedenken. Glückwunschablösung durch eine Nationalfond-Spende.

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