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Das jüdische Echo · 1924-08-22 · 34 (22.8.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
34 (22.8.1924)
Date
1924-08-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 54_ 22. Hugust 1924 11. Jahrgang Die Lage der deutschen Judenheit Von Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf. Die deutschen Juden haben den Weltkrieg zwiefach verloren. Als Deutsche und als Juden. Dafür bezahlen sie die Zeche für ihre jüdischen und deutschen „Belange“. Es ist eine Ironie, aber eine traurige des Schicksals, daß die an der Entstehung des Krieges und an dem kläglichen Ende unschuldigen Juden dafür leiden müssen. Dafür sorgt bekanntlich unter anderem Herr Ludendorff. Ludendorff verspürt bekanntlich noch heute in sich das Zeug zum Führer und wird von so vielen armseligen Oberlehrerhirnen als der geniale gefeiert. Wo aber in aller Welt wurde in Deutschland eine jüdische Politik gemacht resp. wie hat sie ausgesehen? Die Juden leiden mit den Deutschen. Und man kann sich kaum jemand denken, der mit einem gesunden Menschenverstand den Versailler Frieden für ein Glück für die Juden Deutschlands ansehen könnte. Das deutsche Volk ist aber politisch so unreif, daß jede dumme und dreiste Lüge geglaubt wird. In der Atmosphäre dieser Verhetzung, im Zeichen des Hakenkreuzes, ist das Judenmorden groß geworden. Heil und Sieg! In einem kultivierten, christlichen, das heißt die Nächstenliebe predigenden Volke, wurden die Juden Rathenau, Landauer, Eisner, die Rosa Luxemburg und andere ermordet. Die Einsteins, Warburgs mußten auf Wunsch der Polizei, die sie nicht schützen konnte, ins Ausland fliehen und die Harden, Magnus Hirschfeld und andere sind nur halbtot geschlagen. Die Mörder und ihr Anhang, die vielen Pogromhetzer und Pogromhelden, die Richter, die einen Wadler und Fechenbach ins Zuchthaus schickten, mögen vereinzelt sein, aber die Masse des Volkes bleibt zu allem stumm. Die Külturschande, als die ein wirklicher Kaiser einmal den Antisemitismus anprangerte, wird dem deutschen Volke nicht klar. Nicht einmal der •Berliner Pogrom und die Münchener Ausweisungen haben die Öffentlichkeit beeinflußt. Polen — — ausgerechnet Polen --mußte dann das große Deutschland aufmerksam machen, daß die Welt keine weiteren Judenverfolgungen mehr dulde, sondern Repressalien an deutschen Staatsbürgern nehmen werde. In diesem balkanisierten Deutschland, dessen Generäle vielleicht doch noch einmal nach Mexiko abwandern, wo ihre Desperadopolitik eher Platz hat, Jst die Judenheit auch so atomisiert, daß sie sogar den Schimpf und Schande auf sich sitzen läßt. Das jüdische Volk in der Welt hatte das Glück, im Krieg und in der Nachkriegszeit hervorragende Führer zu finden, die auf dem Instrument der Politik nicht nur den Mund spitzten, sondern auch so bliesen, daß die Männer der großen Zunft des Völkerlenkens aufmerksame Zuhörer wurden. In den Friedensakten, in den Bestimmungen des Völkerbundes, in den Gesetzen der neuen Staaten sind die Juden mit vielen Rechten und Sicherheiten ausgestattet. Niemails ist die Achtung vor dem jüdischen Volke größer und selbstverständlicher gewesen als in allen. Maßnahmen, Entwürfen, Regulierungen, welche von England und Amerika aus für Mittel- und Osteuropa getroffen wurden. Auch die Anerkennung der jüdischen Rechte auf Palästina ist nur aus dieser gerechten und freundlichen Einstellung den Juden gegenüber erklärlich. Während also ein jüdisches Forum für die Juden in der Welt Politik trieb und mit Weizmann an der Spitze den Juden Sicherheiten und Anerkennung erwarb, blieb die Arbeit der deutschen Juden in der öffentlichen Beeinflussung in Form und Stoßkraft, an Ausmaß und Wirkung, um erhebliches zurück. Die offizielle Vertretung versagte. Der Zusammenschluß der Gemeinden, der allein großzügige Arbeit für die Erhaltung der schwachen Organisationen für die allgemeine Erstarkung und für die jüdische Kultur leisten könnte, im Abwehrkampf ein wirksames Instrument hätte dargestellt, blieb irgendwo auf der Strecke stecken. Und religiöse Sonderbündler erhoben ein indianisches Freudengeschrei, daß sie diesen Zug zur Entgleisung gebracht haben. Und wie Eigenbrötler lieber auf einem kleinen Feuer ihr eigenes Süppchen kochen, als an der reinigenden und befreienden Flamme, die allen Licht und Wärme abgeben kann, so graben die ganz Orthodoxen in steter Maulwurfsarbeit ihre eigenen Gänge allein und blind in die Erde. So verbleibt die deutsche Judenheit in ihrer Atomisierung. Sie stellt die Judenheit auf dem Standpunkt dar, den Deutschland etwa ums Jähr 1648 bot. Nur der Haß, der als der berühmte rote Faden durch die letzten tausend Jahre jüdischen Geschehens in Deutschland zieht, Hakenkreuzler und Stahlhelmritter haben die fruchtbare Arbeit des Zentralvereins vor immer neue Aufgaben gestellt. Der Zentralverein versucht gerichtlich nachzuweisen, daß die Juden nicht die ganze Welt beherrschen wollen (vielen und den besten genügt schon das wirklich kleine Palästina), daß sie kein Komplott schmiedeten, die großen Städte in die Luft zu sprengen, daß siekein Christenblut trinken und auch vom Talmud'! nicht dazu angehalten werden, Meineide zu leisten. Aber trotz aller fleißigen Arbeit fehlen dem' Zentralverein die letzten großen Perspektiven,' die bedeutsamsten Möglichkeiten, die aktivsten Führer. Die nätiönaljüdische Bewegung in Deutschland führt eine Art Innere Geschlossenheit, sie verfügt über eine langsam sich vergrößernde Anhängerschär, die in ehrlicher Hingabe für alte jüdisch wissenschaftlichen, humanitären und politischen Interessen das Hauptaugenmerk dem grandiosen Siedten.gsgedanken, dem Lande der Väter, widmen. Da die Erneuerung des jüdischen Volkes in Etez Israel mehr Kräfte absorbiert, als die Ziomsten in Deutschland, zur Verfügung haben, ist 'die Golusarbeit /in den Hintergrund gedrängt. Abgesehen von den in jüdischen Organisationen festgelegten Intelligenzen, sind noch viele andere Optimisten In den Bannkreis der Demokratie, des

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