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Das jüdische Echo · 1924-08-15 · 33 (15.8.1924) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
11 (1924)
Issue
33 (15.8.1924)
Date
1924-08-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das jüdische Echo Nummer 33 15. Hugust 1924 11. Jahrgang Die Eroberung Amerikas Uber die „Macht der Persönlichkeit“ ist schon viel geschrieben worden, die Lebensbeschreibungen großer Männer sind ja im Grunde nichts als Häufungen von Beweisen für die Erfolge, die einzelne, begnadete Menschen durch den eigenartigen Reiz, der von ihrem Wesen ausgeht, zu erringen vermögen — und doch steht man immer wieder staunend und bewundernd vor neuen Ergebnissen, vor neuen Tatsachen, deren Erzwingung man für absolut unmöglich gehalten hätte, und die doch, einzig und allein durch den Zauber, der von einem jener ganz Großen ausgeht, zustande gebracht wurden. Die „Entdeckung und Eroberung“ Amerikas durch Chaim Weizmann ist eines dieser Wunder, das in seiner Tragweite selten ganz erkannt und auch nicht entfernt in dem Maße gewürdigt wird, den diese für die gesamte Zukunft des jüdischen Lebens überaus wichtige, vielleicht sogar entscheidende Tatsache verdient. Auf den ersten Blick allerdings wird es vielleicht manchem als übertrieben erscheinen, wenn wir den Geschehnissen, die in den letzten Jahren dem jüdischen Leben in Amerika ihre Prägung gegeben haben, eine derartig hohe Bedeutung beimessen. Aber, wie gesagt, nur auf den ersten Blick. Es ist allgemein bekannt, daß die Juden Amerikas besonders in der Zeit der allgemeinen europäischen Währungszerrüttung, aber auch heute noch den weitaus wesentlichsten Teil der zur Deckung der Bedürfnisse der Aufbauarbeit in Palästina notwendigen Gelder hergegeben haben und noch hergeben, daß sie sich nicht allein darauf beschränken, für die rein wirtschaftlichen Bedürfnisse des Landes zu sorgen, sondern daß sie auch große Mittel für rein kulturelle Zwecke zur Verfügung gestellt haben. Es sei in diesem Zusammenhänge nur an die letzte Spende von Felix W a r b u r g erinnert, der nach der Rückkehr von seiner Palästina-Reise für den Ausbau der hebräischen Universität in Jerusalem 100 000 Dollars gab. Kein Wunder, so hören wir viele sagen! Die Amerikaner haben ja das Geld und außerdem ist bekanntlich Geld eine ganz materielle, prosaische Sache, ganz unwesentlich, wenn es sich um die Beurteilung eines wirklich tief greifenden, inneren Erfolges handeln soll! Ganz abgesehen davon, daß diejenigen, die so sprechen, meistens die sind, die niemals einen Pfennig selbst geben, wenn man mit einer derartig prosaischen Forderung an sie herantritt, stimmt eine derartige Argumentation auch nicht im geringsten. Es mag zweifellos nicht schwierig sein, einen reichen Amerikaner dazu zu veranlassen, daß er irgendeinen kleinen Betrag auch für Palästina gibt. Aber so liegt ja die Sache gar nicht. Nicht mit einer Schnorrerei ist man, ist Weizmann an die Judenheit in Amerika herangetreten, nicht um Almosen hat man' in Amerika gebettelt, sondern als Fordernder, als Gläubiger einer verfallenen 'Schuld trat Weizmann vor die jüdischen Massen und vor die jüdischen Notabein in Dutzenden von amerikanischen Städten mit einem Ergebnis, das allein zahlenmäßig eine Höchstleistung darstellt. Solche Erfolge werden nur dann erzielt, wenn es gelingt, eine Idee Menschen derartig nahe zu bringen, daß sie von ihr in ihrem Tiefsten aufgerüttelt werden, daß die Gleichgültigkeit und Gedankenträgheit des Alltags, und sei es auch nur auf kurze Zeit, von ihnen abfällt und ihnen bewußt wird, daß es etwas Höheres gibt als nur Geld verdienen, daß es Schöneres gibt als nur sich und den Seinen zu leben, daß eine Verpflichtung der Gemeinschaft, der Volksgemeinschaft gegenüber besteht, in deren Erfüllung die Wahrheit des Wortes, daß Geben seliger denn Nehmen sei, im wahren Sinne des Wortes einleuchtend wird. So stellt, schon allein von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, die Arbeit Weizmanns eine Leistung dar, die Respekt zumindestens verlangen kann. Aber mehr noch als das. Einer unermüdlichen, zähen Arbeit am Verhandlungstisch, in Volksversammlungen und einer fast alle Kraft verschlingenden mühe- und dornenvollen Vorbereitung in der zionistischen Öffentlichkeit und auf dem Kongresse, ist es Weizmann und ihm allein gelungen, in den breitesten Schichten des amerikanischen Judentums Wunsch und Willen zu erwecken, nicht nur mit dem Geldbeutel, nicht nur finanziell, sondern auch mit Rat und Tat unter Übernahme von bedeutenden Rechten und schwerer Verantwortung an dem Schicksal des Aufbaues der jüdischen Heimstätte in Erez Israel teilzunehmen. Der Gedanke der Jewish Agency, der allgemein-jüdischen Körperschaft, die die offizielle und tatsächliche Vertretung jüdischer Rechte im Hinblick auf den Aufbau von Palästina dem Völkerbunde gegenüber bedeuten soll, ist heute von allen Ländern der Erde zuerst in Amerika ein- und durchgedrungen. Die amerikanischen Juden, sonst streng geschieden nach den, wie auch in manchen Ländern Europas mißachteten Ost- und den auf ihre „vornehme“ Abkunft stolzen Westjuden, stellt heute unter dem Gesichtspunkte des Gedankens der Jewish Agency betrachtet, ein einheitliches Ganzes dar. (Daß natürlich auch heute noch einzelne Kreise, insbesondere extrem orthodoxer Art, nicht für den Palästina-Kongreß und die Palästina-Vertretung gewonnen werden konnten, soll und braucht hier nicht verschwiegen werden.) Louis Marshall und wie die anderen jüdischen Notabein heißen mögen, sie sind bereit, sich mit den Vertretern der ostjüdischen Jeschiwot zusammenzusetzen, um eine auf Grund demokratischer Wahlen zu bildende Gesamtkörperschaft der am Aufbau Palästinas interessierten Judenheit der ganzen Welt bilden zu helfen. Die Bedeutung, die dieser grundlegenden Tatsache für den Aufbau Palästinas zukommen wird, ist so selbstverständlich und klar, daß sie keiner ausführlichen Schilderung bedarf. Vor allen Dingen wird sie natürlich den gesicherten Zufluß von Geldmitteln ermöglichen und gewährleisten. Wesentlicher aber erscheint es fast noch, daß die1 Autorität der jüdischen Sache und ihrer Vertreter dem Völkerbund gegenüber hierdurch eine außerordentlich beträchtliche Stärkung erfahren wird. Das schon von Herzl zur Grundlage seiner Ver-

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