Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 32 (8.8.1924)
- Date
- 1924-08-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 32_ 8. Hugust 1924 11, Jahrgang 2X2 nt/trn Wohl zu keiner Zeit war ein reichlicherer Stoff zu einer Betrachtung dieses Tages geboten, als es in unserer Zeit ist. Wohin wir auch unser Auge in der Diaspora richten, überall sind es trübe Momente, düstere Ausblicke für das jüdische Volk. Im Osten Pogrome im größeren oder kleineren Stil, im Westen teils offener, teils verschleierter Antisemitismus und dabei in unseren Reihen eine Zerklüftung, welche die Abwehrbestrebungen nicht leichter macht. Da wollen wir uns nun des neunten Ab als eines ernsten Gedenktages erinnern und zwar für alle Juden, auch für diejenigen, welche für unsere nationale Wiedergeburt weder die Hoffnung, noch den Wunsch hegen. Ob wir die Auflösung des jüdischen Reiches, die Zerstörung Jerusalems und unsrer nationalen Selbständigkeit und alles Unheil, das damit im Zusammenhang war, als eine über unsere Ahnen wegen ihrer großen Sünden von Gott verhängte Strafe oder als ,eine natürliche Folge der heftigen Parteikämpfe und innerer Zerrissenheit betrachten: der Tag ist und bleibt immer ein solcher, der in der Geschichte unseres Volkes, mit Tränen und Blut eingezeichnet ist und wir können ihn nicht spurlos an uns vorübergehen lassen. „Würde ich dein Jerusalem vergessen, so vergesse meine Rechte“, ist immer noch das alte heilige Gelöbnis, das auch in unseren Tagen noch in unseren Herzen widerhallt und alle Juden verpflichtet an den Tag zu denken, der unserem Volkstum so schwere Wunden beibrachte und den Ausgangspunkt für so viel Jammer und Unglück bildete. Über die ganze Erde zerstreut, überall, wo unser Volk einen Ruhepunkt zu finden hoffte, verspottet und verachtet, hat Israel, als ob es zum Leiden und Dulden prädestiniert wäre, der Welt die Worte des Propheten Jesaia zugerufen: „Meinen Rücken bot ich den Schlagenden, meine Wangen den Raufenden, mein Angesicht barg ich nicht vor Schmähung und Verachtung. Gott steht mir bei, darum werde ich nicht zur Schmach, darum machte ich mein Angesicht Schluß der Londoner Tagung des London (J.T.A.). Am Mittwoch, den 30. Juli, 3 Uhr morgens wurde die Tagung des zionistischen Aktions-Komitees geschlossen. Über den Verlauf der beiden letzten Sitzungstage ist noch zu berichten: Kein Kongreß im Winter. Die Frage der Abhaltung des nächsten Zionistenkongresses wurde in der Nachtsitzung vom 28. zum 29. Juli erörtert. Nach einer längeren Debatte wurden zwei Generalredner gewählt und zwar Herr Gruenbaum pro und Herr Ussischkin kontra. Gruenbaum erklärte, das A. C. habe kein Recht, in der Frage der Jewish Agency über die Beschlüsse des XIII. Kongresses hinauszugehen. Andererseits sei es nicht möglich, die Entscheidung so lange zu verschieben, da dies nur ein Zerrinnen der ganzen Sache zur Folge hätte und da gleich dem Kiesel und wußte, daß ich nicht untergehen werde.“ Nur müssen wir nicht außer acht lassen, daß ohne die lebendige Erinnerung an Zion und Jerusalem im Herzen, ohne das Gefühl, daß die Lehre, die „von Zion ausgeht“ uns als schützender Engel auch in die Diaspora gefolgt ist, wir an den vielen Wunden, die uns das Galuth geschlagen, schon längst verblutet und nie auf den Gedanken gekommen wären, vor der trostlosen Gegenwart Schutz und Zuflucht suchend, in eine weite, nebelhafte Zukunft zu flüchten. Die Erinnerung an Zion und Jerusalem mit allen Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen, die sich in diesen Namen verkörpern, entrissen unser Volk dem unabwendbaren Geschick anderer ihres Landes und Staatslebens verlustig gegangenen Völker, indem seine Blicke auf jenes ideale Zukunftsreich gerichtet wurden, aus dem kein Feind es verdrängen, das keine irdische Macht ihm mehr zerstören könne. Aus den Ruinen der zerstörten Stadt und des eingeäscherten Heiligtums auf Zion erblühten für das Volk neues Leben, neue Hoffnungen: der aufrichtende Glaube, daß die Zerstreutheit unter den Völkern Israel neue Kraft verleihen und verjüngt einer glänzenden Zukunft entgegengehen läßt. Diese Zukunft sehen wir in erster Reihe in unserem Nachwuchs, in unseren Kindern; deren Erziehung ist ein Gebot der Notwendigkeit zur Erhaltung unseres Volkes. Diese Erziehung, welche als jüdisch-religiös ein Gebot der Stunde ist, fordert, daß wir unsere Nachkommen mit dem Worte und besonders mit dem Geiste unserer Schriften vertraut machen, damit sie wissen, was „Zion“ einst bedeutet hat und was es in Zukunft bedeuten soll. „Zion soll vom Staube auferstehen“, diese Worte zur Wahrheit zu machen, soll das Bestreben von Alt und Jung, von jedem in seiner Weise sein. Jvri zionistischen Hktions « Komitees. auch die Organisation den gegenwärtigen Zustand nicht mehr ertragen kann. Redner befürchtet keine Beeinträchtigung der Sammlungen durch die Kongreßwahl. Ussischkin erklärt, er werde sich in der Frage der Jewish Agency der Abstimmung enthalten, denn obwohl er gegen die Sache sei, erkenne er doch, daß es jetzt keinen anderen Weg gibt als in der eingeschlagenen Richtung fortzufahren. Ein Kongreß im Winter würde die ganze Arbeit für Keren Hajessod und Keren Kajemeth in Frage stellen. Dieses Risiko dürfen wir nicht auf uns nehmen. Es muß Weizmann genügen, daß 80 Prozent des A. C. für seine Vorschläge sind. Damit übernimmt das A. C. die moralische Verantwortung für die Vorschläge, auch wenn der Kongreß im Sommer ist.