Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 31 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 203 [201] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 Das Jüdische Echo 203 frischten sich in den Wellen der Ostsee, die Badehlose dies Juhnke geschmückt mit einem großen Hakenkreuz. — Plötzlich hörte man Hilferufe! Herr Kunze war mit seiner Begleitung in eine Untiefe geraten und alle wären zweiffellos ertrunken, wenn nicht rechtzeitig Hilfe zur Stelle gewesen wäre. Herr Juhnke nebst Frau wurden von dem Bademeister herausgeholt. Den ständig „Helft mir doch, helft mir doch!“ rufenden Herrn Kunze zog aber dler jüdische Badearzt Lebas. Herr Dr. Posner, aus dem Wasser und hüllte ihn in sein Badetuch, da Herr Kunze in seiner Todesangst die Badehose verloren hatte und splitternackt ans Land gezogen wurde. Während Herr Juhnke und Frau sich bei Herrn Dr. Posner bedankten, erkundigte sich- Herr Kunze nur nachträglich, ob Herr Dr. Posner wirklich Jude sei — und verschwand dann ohne «ein Wort des Dankes aus Leba“. Frankreich Eine jüdische Weltvereinigung für soziale Hilfe Paris (J.T.A.). Die zwischen 21. und 26. Aug. in Karlsbad stattfindiende zweite jüdische Welthilfskonferenz wird bekanntlich neben anderen wichtigen Fragen; über die Gründung einer ständigen jüdischen Weltunion für soziale Hilfe beraten. Es soll eine Vereinigung sämtlicher Wohlfahrts- und Hilfsorganisationen der Welt angebahnt werden, damit eine gegenseitige Konkurrenz endgültig ausgeschaltet wird. Die jüdische Wohltätigkeit in den verschiedenen Ländern soll nach einem sorgfältig geprüften System neu organisiert werden. Die Weltvereinigung für soziale Hilfe soll sich aus Vertretern der jüdischen Gemeinden, der wichtigsten philantropischen Gesellschaften, der Institutionen für gemeinsame Hilfe, sowie der Freundschaftsbünde zusammensetzen. Die exekutiven Organe der Union sollen von den von Zeit zu Zeit einzuberufenden Kongressen gewählt werden. Die Jüdische Welt-Union für soziale Hilfe wird als humanitäre Organisation versuchen, mit den internationalen Körperschaften, wie Rotes Kreuz usw. in eine enge Verbindung zu kommen. Man hofft, daß sie allmählich als die jüdische Abteilung des 'Roten Kreuzes Anerkennung finden tvird. Sobald «die Mehrheit der jüdischen Gemeinden und Wohltätügkeitsinstitutionen der Welt sich der Union anschließen, wird ein gewisser Prozentsatz ihres Einkommens zugunsten des Zentralfonds geleistet werden. Dieser Zentralfonds soll in Aktion treten,, sobald in irgendeinem Teile der Welt die Judenschaft in Not gerät. Österreich Professor Chajes soll nach Palästina übersiedeln Wien (J.T.A.). Wie es heißt, wird der Oberrabbiner von Wien, Prof. Ghajes, der Vorsitzende des Zionistischen Aktions-Komitees, nach Palästina gehen, um die Stellung eines Dekans der judaiStischen Fakultät an der hebräischen Universität in Jerusalem anzutreten. Wie der J.T.A.-Vertreter erfährt, hat Prof. Chajes vorläufig um einen einjährigen Urlaub bei der Israelitischen Kultusgemeinde angesucht. Das schließt aber nicht aus, daß Prof. Chajes dauernd in Jerusalem bleibt und daß die Wiener Israelitische Gemeinde sich wird genötigt sehen müssen, einen neuen Oberrabbiner zu wählen. Tschechoslowakei 243 Organisationen haben ihre Teilnahme an der zweiten jüdischen Welthilfskonferenz zugesagt Paris (J.T.A.). Wie die J.T.A. erfährt, haben bis jetzt 43 Organisationen der Exekutive der Weithilfskonferenz ihre Teilnahme an der vom 21. bis 27. August in Karlsbad stattfindenden 2. Jüdischen Welthilfskonferenz angekündigt. Diese Organisationen verteilen sich auf die folgenden 16 Länder: Italien, Amerika. Argentinien, Palästina, Deutschland, Dänemark. Holland, Tscechoslowakei, Litauen, England, Estland. Österreich, Polen, Frankreich, Kanada und Rumänien. Außer diesen Organisationen werden an der Konferenz teilnehmen: Der jüdisch-amerikanische Kongreß, die Bnei Briith-Logen der verschiedenen Länder, die jüdischen Nationalräte in Palästina, der Tschechoslowakei. Litauen und Polen, endlich verschiedene jüdische Gemeinden und Gemeindeverbände. Rußland Die Zionistenverhaftungen in Rußland hören nicht auf Riga (J.T.A.). Nach den letzten aus Rußland eingetroffenen Nachrichten haben vor kurzem in verschiedenen Städten neue Verhaftungen von Zionisten stattgefunden. In Odessa sind einige Mitglieder der Zeire Zion (Hitachdut) festgenommen worden. Sie befinden sich zur Zeit noch im Gefängnis. In besonders ausgedehntem Maße fanden die Verhaftungen im Podolier Gebiet statt. Dort sind 20 Mitglieder der Hitachdut verhaftet worden. Eine furchtbare jüdische Tragödie auf einem russischen Dampfer Riga (J.T.A.). Der Rigaer J.T.A.-Vertreter erfährt aus zuverlässiger Quelle: Auf einem Dampfer des sehr lebhaften sogen. „Diesna-Magistral“, der auf «der Strecke zwischen Makaschin und Nowgorod-Siewersk verkehrt, überfiel eine Bande, die offenbar schon früher zu diesem Zwecke den Dampfer bestiegen hatte, die jüdichen Passagiere, tötete mehrere von ihnen in grauenvoller Weise und warf die Leichen in den Strom. Es spielten sich nicht wiedierzugebende Szenen ab. Die inichtjiidischen Passagiere wurden von den Banditen unbehelligt gelassen. Die Sowjet-Presse, auch die jüdische, hat bis jetzt über den Fall nicht berichtet. Jugoslavien Der jugoslavische König wünscht mehr Juden in seinem Lande Belgrad (J.T.A.). Der König von Jugoslavien empfing dieser Tage den Oberrabbiner von Jugoslavien Dr. Alcalay in einer längeren Audienz. Der König erkundigte sich bei dem Oberrabbiner u. a„ wieviele Juden in Jugoslavien wohnen. Als der Oberrabbiner dem König sagte, daß im Lande ungefähr 140 000 Juden leben, rief der König verwundert aus: „Nur so wenig!“ Die jugoslavische Presse bemerkt dazu, es sei dies der erste Fall, daß ein König den Wunsch nach einer größeren jüdischen Bevölkerung in seinem Lande ausdrückt. Türkei Das jüdische Waisenhaus in Konstantinopel abgebrannt. — 200 Kinder obdachlos Konstantin opel (J.T.A.). Das jüdische Waisenhaus ist durch einen Brand zerstört worden. 200 Waisenkinder, die in einem Institut Unterkunft gefunden hatten, sind obdachlos. Glücklicherweise sind keine Menschenleben zum Opfer gefallen. Die Lage der Kinder ist verzweifelt, da die Gemeinde gegenwärtig nicht das nötige Kapital besitzt, das Waisenhaus wieder aufzubauen. China Der weltbekannte indische Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore, der schon häu-