Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1924
- Issue
- 12 (1.8.1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 202 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9539926-9543103-9153707--047-9078834- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 12 Mitteilungen des Israel. Lehrervereiiis für Bayern 33 Amerika eine Zukunft aufzubauen bemüht ist, noch die der Geschwister, die sämtlich „drüben'; ihre Heimat gefunden haben, imstande waren, die Sehnsucht nach der Heimat, dem Berufe und der freiwillig aufgenommenen Lebensarbeit, den Beruf sgenossen Freund und Helfer zu sein, zu stillen! Eine Oase in der Wüste des Materialismus, der heute fast alles beherrscht. Die kleine Ehrung, die für den nächsten Tag vorgesehen ist, wie reichlich ist sie verdient! — Die Generalversammlung, die am 14. um 9 Uhr begann, war sehr zahlreich besucht; der überaus größte Teil der bayerischen Lehrer war wohl anwesend. Was mit einer gewissen Betrübnis empfunden wurde, war die Tatsache, daß der Nachwuchs nur sehr spärlich vorhanden ist. Es erübrigt, hier nochmals auf die allgemein bekannte Erscheinung und ihre Ursache einzugehen. Der Vorsitzende begrüßte zunächst die erschienenen Mitglieder und Gäste; im Namen der letzteren und des Verbandes erwiderten die Herren Dr. Stein und Dr. Hanover. In dem Jahresberichte wurde zunächst die vorausgesehene, unabwendbare Tatsache bedauert, daß mit dem vorgenommenen Beamtenabbau die jüdischen Landvolksschulen so gut wie verschwunden sind. Ob den Gemeinden zum Bewußtsein kommt, was sie mit diesen Schulen verloren haben, die ein Jahrhundert lang das äußere Zeichen der Gleichberechtigung waren, nach innen aber so vielen Segen gestiftet haben? Die betroffenen Lehrer genießen die gesetzlichen Bezüge; der Mehrzahl nach versehen sie die Kultusämter weiter. Hiebei darf nicht unterlassen werden, den Behörden, denen die jüdische Volksschule unterstand, für das verständnisvolle Eingehen - auf berechtigte Wünsche und das den Lehrern jederzeit entgegengebrachte Wohlwollen herzlichst zu danken. — Den Hauptteil des Jahresberichtes nahm das Referat über die gemeinsame Arbeit mit dem Verbände ein, das Los der Religionslehrer während des verflossenen Jahres mit seinen unheimlichen Währungsverhältnissen erträglich zu gestalten. Man darf es, ohne sich einer Übertreibung schuldig zu machen, ruhig behaupten: ohne den Verband besäße heute keine Landgemeinde mehr einen Religionslehrer. Die Lehrer werden daher nur eine Dankesschuld abtragen, wenn sie die Gemeinden an diese Tatsache erinnern und ihnen zum Bewußtsein bringen, daß der Verband das stärkende Rückgrat der bayerischen Judenheit im allgemeinen und der Landgemeinden im besonderen bildet. In dem Verbände bildet die bayerische Judenheit nach außen hin eine geschlossene Masse, ohne ihn zerfiele sie in mehr oder minder einflußlose Gemeinden und Gemeindchen. — Es war aus dem Jahresberichte zu erkennen, daß der Verband alle gangbaren Wege beschreitet, um das jüdische Leben in den Gemeinden, insbesondere in den Landgemeinden, zu fördern. — Die von der Verwaltung vorgeschlagenen wenigen Anträge wurden nach kurzen Debatten einstimmig angenommen; hervorgehoben sei die Erhöhung des Jahresbeitrages von 10 auf 15 Mk. für die ordentlichen Mitglieder. — Bevor dem Referenten das Wort erteilt wurde, erbat sich das Verwaltungsmitglied Strauß-Uffenheim einige Minuten Zeit, um einer Herzensangelegenheit aller Mitglieder Ausdruck zu verleihen. Nachdem es mit diesem Jahre ein Vierteljahrhundert her ist, daß Vorsitzender Dingfelder in der Verwaltung tätig ist und eine mit seltener Aufopferung, Umsicht und Tatkraft begleitete Wirksamkeit bewies, wollte man diese Tagung nicht vorübergehen lassen, ohne ein Zeichen der Anerkennung zu bieten. In der Stille war von Freunden eine Summe gesammelt worden, die Herrn Dingf elder übergeben wurde für eineseiner* und den seiner Gattin Namen tragende Stiftung. Herr Strauß, selbst ein langjähriges Mitglied der Verwaltung, dankte in bewegten, warmen Worten für die treue, segensreiche Arbeit während dieses Zeitraumes. — Seminaroberlehrer Stoll sprach nun über: „Notwendigkeit und Aufgaben des Wiederaufbaues im deutschen Judentum." — Der innere Gehalt des Vortrages, sowie der Eindruck, den er hinterließ, können nur ermessen und nachgefühlt werden, wenn die Arbeit ungekürzt gelesen wird. Daher sei hi'er von einer auszugsweisem Wiedergabe abgesehen. Da die verlangten Aufgaben von der gesamten deutschen Judenheit zu leisten sind, ohne Teilung nach Schichten oder nach dem Domizil, möge Sorge getragen werden, daß das weite Publikum von dem Vortrage Kenntnis erhält! — Nach Anhören des Referates erfolgte die Mittagspause mit gemeinsamem Mahle im Hotel Goldschmidt, das seine Gäste wie stets aufmerksam bediente. — Um Va3 Uhr wurde in der Arbeit fortgefahren. Es ist einleuchtend, daß eine Leistung, die nur in ihrer Totalität erfaßt und gewürdigt werden kann, kein Zerpflücken verträgt und so ergab es sich von selbst, daß die Debatteredner, die Herren Dr. Bamberger, Dr. Hanover und Dr. Stein, ihr volles Einverständnis mit dem Hauptredner kundgaben, dafür aber wichtige Grenzfragen berührten, die das Judentum heute bewegen» Die Debatte war noch1 im Gange, als der Berichterstatter nachmittags 5 Uhr infolge notwendig gewordener Abreise das Lokal verließ. Die Heimreise gibt Gelegenheit zum Nachdenken; die Frage des Wiederaufbaues beschäftigt den Geist. Auf allen Gebieten soll wieder aufgebaut werden, was die letzten zehn Jahre zerstört haben. Allerdings, die Schäden, die wir Juden zu heilen haben, sind nicht erst Folgen der gewaltsamen Ereignisse des letzten Jahrzehnts; ihr Entstehen und immer stärkeres Anwachsen reichen weiter zurück; ihre Heilung ist daher um so schwieriger. Was an der bayerischen Lehrerschaft liegt, wird sie redlich mitschaffen; die Tagung hat aufs neue von ihrem alten Optimismus, der alten Berufsfreude und der alten Bereitschaft Zeugnis abgelegt, im Dienste des Guten und zum Wohl des Ganzen zu wirken. -er. Neujahrswunsch-Enthebung Ein großer Teil der Besucher unserer Würzburger Tagung hat bereits Anlaß genommen, sich in die Enthebungsliste einzutragen. Diejenigen Mitglieder, welche noch in die Liste aufgenommen werden wollen, werden ersucht, möglichst umgehend unter Einsendung ihres Ablösungsbeitrages (Postscheckkonto des Vereins: 6479 beim Postscheckamt Nürnberg) dem Vereinskassier Mitteilung zu machen. : Die i Israelit. Volksschule München; (offen!!. Bekenntnis-Sonderschule) sucht für 1. September 1924 einen Volksschullehrer, welcher den an einen bayerischen Volksschullehrer zu stellenden Anforderungen entspricht und in pädagogischer und reli- giöser Beziehung vorzüglich qualifiziert ist. Gehalt nach staatlichen Sätzen. Bewerbungen sind erbeten an Herrn S Felix Feuchtwanger, München, Schönfeldstr.32 « m