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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1924-08-01 · 12 (1.8.1924) · p. Seite 201

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1924
Issue
12 (1.8.1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 201 (sequence 1)
Language
German
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MITTEILUNGEN des Israelitischen Lehrervereins für Bayern _ S chriltleitung: M. Rosenfeld, München Nr. 12 München, 1. August 1924 Mitgliederversammlung des Israelit. Lehrervereins für Bayern am 15. und 14. Juli zu Würzburg (Stimmungsbericht.) Durch die gesegneten Gefilde Frankens führt der Weg. In sattem Gelb leuchtet das reife Getreide, grüne Herbstfrüchte bieten einen anschmiegenden Farbenwechsel, auf den Hügeln des Steigerwaldes dunkeln Wälder unter einem lasierenden Dunstschleier, trauliche Dörfer winken aus breiten Wiesengründen entgegen. Über all dem Frieden ein blauglänzender Himmel, der Licht in verschwenderischer Fülle ausstreut! Immer wieder entzückt das schon so oft durchfahrene Stück Heimaterde den Reisenden. Heute trübt ein Schatten die Freude an der Heimat — ein Schatten, der wie jeder andere sich wieder verziehen wird: Die Wolke von Mißdeutung, Verkennung und Haß, die sich auf Bayern niedergelassen hat, wo es nicht mehr wie vordem Nachbarn, Freunde und Mitbürger schlechtweg gibt, sondern nur noch Parteizugehörige! Wie dies gekommen ist und kommen hat können — das Nachdenken über dieses traurige Problem füllt den Rest der Reise aus. Würzburg ist erreicht. Nicht durch die breiten Hauptstraßen, die eine fröhliche Menge der Volksfestbesucher erfüllt, sondern durch winklige Gassen nehme ich den Weg. Die heitere Linienführung des heimischen Barocks sieht das Auge zu gerne! — Nach dem bescheidenen, aber befriedigenden Kunstgenuß lenke ich unwillkürlich in die stille Straße ein, in der sich das Seminar befindet. Drei Jahre sehnender, glücklicher Jugendzeit wurden hinter diesem grauen Gebäude verbracht. Es ist schon lange her! Einige Schritte weiter; das Rabbinatsgebäude steht hier. Ich gedenke des grundgütigen Mannes mit dem goldenen Kinderherzen, der seinerzeit Rabbiner war. Die Ideenverbindung läßt auch des Vorfahrs gedenken, dessen Wirken von reichem Segen für die bayerische Judenheit war. Der Geist der Milde und Friedfertigkeit, der von dem Rabbinatshause zu Würzburg ausgegangen ist und als ein breites Band die bayerische Judenheit umschlossen hat, ist auch heute noch nicht versiegt. „Der Edle lebt auch nach dem Tode fort Und ist so wirksam, als er lebte." Nach dem kurzen Meditieren geht es an die Arbeit ins gastliche Hotel Goldschmidt. Unterwegs trifft man bereits eine Reihe Gäste, meist ältere Kollegen, darunter auch jenen Graubart, der das pensionsfähige Alter schon lange erreicht hat, aber mit Rüstigkeit seinem Berufe nachgeht und ein treuer Besucher der Lehrerversammlungen geblieben ist. Ist es nur Einbildung — oder ist es Wirklichkeit? Auf dem zerfurchten Gesicht liegt ein Schimmer innerer Zufriedenheit — ein Widerschein des Gefühls des Geborgenseins, das durch die segensreiche Wirksamkeit „des Verbandes" allmählich in die Gemüter der jüdischen Lehrer einzieht.-- Für die vorbereitende Sitzung der Vereinsverwaltung war schon immer strenge, disziplinierte Sachlichkeit Vorbedingung. Heute erhielt diese nüchterne Arbeitszeit eine wohltuende Einleitung; die zwei Delegierten des „Verbandspräsidiums", die Herren Rabbiner Dr. Stein und J. R. Dr. Homrnel-Schweinfurt, geben in warmen Worten ihr Interesse und das des Präsidiums an einem segensreichen Verlaufe unserer Versammlung kund. Vorsitzender Dingfelder verlas das Begrüßungsschreiben des Präsidenten, des Herrn O.L.G.R. Dr. Neumeyer, des edlen Menschenfreundes und Juden. Es enthielt die erfreuliche Mitteilung, daß der Verband zehn ältere Lehrer als Verbandsbeamte aufstellen und somit deren sonst gefährdete Altersversorgung sicherstellen wird. — Mit diesem Beschluß ist eine wichtige Etappe in der Erreichung unseres Zieles in der Versorgungsfrage beschritten. Die Verwaltung beschloß, auf telegraphischem Wege dem verehrten Herrn Präsidenten Dank und Hochachtung auszudrücken. — Die geschäftlichen Arbeiten wickelten sich rasch ab, ohne Abschweifung oder gar Entgleisung. Hervorgehoben sei die Überweisung von vier Fünftel aller seit der Stabilisierung eingegangenen Gelder an solche Pensionisten, Witwen und Waisen, die keine sonstigen Versorgungsbezüge genießen. Kann mit diesen Gaben auch die Not der Empfänger noch nicht abgewendet werden, so möge ihnen doch damit gesagt sein, daß wir ihrer nicht vergessen haben, wenn auch unser Stiftungsstock ein Opfer der unseligen Zeit wurde. Gegen 6 Uhr war die Verwaltungssitzung beendet. Der Abend war der geselligen Unterhaltung gewidmet. Außer den bereits anwesenden Kollegen hatten sich auch Freunde unserer Sache aus der Würzburger Gemeinde eingefunden; darunter die Verwaltung, bestehend aus den Herren J. R. Dr. Haas, K. R. Braunschweiger und D. Engel. Erschienen war auch Herr Distrikts- Rabbiner Dr. Hanover. Dr. Haas entbot einen freudigst aufgenommenen Willkommgruß. Der Kontakt zwischen den Lehrern und der Gemeinde, welche ihre Ausbildungsstätte beherbergt, ist ein besonders inniger. Namens der Frankenloge des U.O.B.B. begrüßte uns Herr Prof. Freudenberger, der auch aus dem Lehrerstande hervorgegangen und der Sohn eines Lehrers ist. — Dingfelder, der unermüdliche, berichtete über die Eindrücke, die er gelegentlich eines viermonatlichen Aufenthaltes bei seinen Angehörigen in verschiedenen Städten Nordamerikas gesammelt hat, über das jüdische Leben in den großen Zentren, die Ausübung von Wohltätigkeit, wie sie „drüben" in echt amerikanischer, großzügiger Weise betätigt wird. Es ist hier nicht der Platz, ausführlicher zu werden; vielleicht würd an anderer Stelle die allgemein interessierende Arbeit Aufnahme finden. Mit besonderer Ergriffenheit wurde von allen Anwesenden der Schluß aufgenommen, daß weder die Bitten des einzigen Kindes, das sich in

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