Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 27 (4.7.1924)
- Date
- 1924-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 27 4. Juli 1924 11. Jahrgang Die direkten Bezieher unserer Zeitschrift machen wir wiederholt darauf aufmerksam, daß noch nicht bezahlte Abonnementsbeträge im Laufe der nächsten Zeit durch Boten eingehoben werden. Wir bitten alle Abonnenten, die mit den Bezugsgebühren im Rückstand sind, zu veranlassen, daß die vorgezeigten Quittungen eingelöst werden, damit keine unnötigen Kosten entstehen. Verlag des „Jüdischen Echo“. „Konfessioneller Friede“ „Die Gleichberechtigung der Christ- 1 i c h e n Konfessionen im Staate steht fest, an ihr darf nicht gerüttelt werden. Der konfessionelle Friede muß unter allen Umständen als eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die innere Einigung und die Konsolidierung unserer innerpo'litiscben Verhältnisse erhalten bleiben. Wer ihn stört, vergeht sich am Staate und am Volkswohl. Ich bedauere, daß sich gerade in der jüngsten Zeit mehr und mehr Erscheinungen bemerkbar machen, die auf einen planmäßigen Versuch einer neuen vergiftenden Konfessionshetze schließen lassen müssen. Die Regierung wird unnachsichtlieh1 jeder Störung des konfessionellen Friedens entgegentreten.“ In diesen Worten erschöpfte der neue Ministerpräsident Held den wichtigen Programmpunkt „konfessioneller Friede“. Also nur die Gleichberechtigung der christlichen Konfessionen steht fest und nur die neue Konfessionshetze (also die zwischen Protestanten und Katholiken) wird bedauert. Geschriebenes und ungeschriebenes Staatsgrund'gesetz kennt nur gleiches R e c h t f ü r alle. Nun endlich die bayensene Volkspartei selbst durch ihr Partei Oberhaupt auch offiziell die Verantwortung für die Leitung des Staats übernommen hat, und die manchmal, so bequemen Kompetenzzweifel zwischen Ministerien und Generalstaatskommissar nicht mehr bestehen, soll Klarheit sein! Beim Kapitel „konfessioneller Friede“ konnte der Chef der bayerischen Volkspartei die niedrige infame, von Lüge und Schwindel lebende, mit Verleumdung arbeitende volksverdummende Judembetzie mit all ihren Exzessen und Folge-Erscheinungen (siehe Fall Willstädter) nicht übersehen. Soll sich also der konfessionelle Friede n u r auf die beiden christlichen Konfessionen beschränken? Will uns der Ministerpräsident mit seiner Erklärung ebenso außerhalb des Rechts steilen, wie dies Kahr bei; seinem Amtsantritt als Generalstaatskommissar tat? Ist die bayerische Volkspartei schon so sehr Gefangene ihrer deutschnationalen Mitregier er, die sich ihrerseits nach den Völkischen richten, daß die Gleichberechtigung der Juden schon geopfert ist? Glaubt die Katholikenpartei sich Ruhe verschaffen zu können, wenn sie die Judenhetze frei gibt? Hat sie schon vergessen, daß eine ganze Reihe der Hetzargumenfe gegen die Katholiken verflucht viel Ähnlichkeit haben mit den gegen die Juden gerichteten? Haben die mannhaften Worte des obersten Würdenträgers der katholischen Kirche in Bayern bei der bayer. Volkspartei1 keinen Widerhall gefunden? Es ist ein Wahn, wenn man glaubt, den „konfessionellen Frieden“ wahren und gleichzeitig die Judenhetze freigeben zu können. Man kann nur die Ruhe im Lande wahren, nach jeder Richtung, oder man wird sie gar nicht haben können. Man kann nur der völkischen Hetze in jeder Richtung entgegentreten oder man wird ihrer gar nicht Herr werden können. Es ist eine böse Unterlassung, daß diie neue Regierung in den „konfessionellen Frieden“ die Juden nicht eingeschlossen hat. Wir erheben dagegen; feierlich Verwahrung, auf nichts gestützt als auf unser Recht als Menschen und Bürger. Der Rücktritt Willstätters Geheimrat Professor Dr. Willstätter, Träger des Nobelpreises für Chemie, Inhaber des Ordens pour le merite, einer der bedeutendsten Chemiker der Welt, wenn nicht der bedeutendste, hat den Universitätsbehörden seine Rücktriftserklärung überreicht, weil er als Jude an derv Universität München, an der antisemitische Tendenzen, immer mehr vorherrschen und an denen vorbeizus eben ihm sein Ehrgefühl unmöglich macht, nicht länger wirken kann. Dieser Beschluß ist, wie wir von bestinformierter Seite erfahren (auf deren Angaben wir uns stützen) fest und endgültig. Um dies vorweg zu nehmen: Die mannigfaltigen Gerüchte, als ob Willstätter persönlich irgendwie angefeindet worden wäre, irgendeine Kränkung erlitten hätte, die gegen seine Person gerichtet war, sind absolut falsch. Der Vorschlag Professor Goldschlmidts stammt keineswegs von Willstätter — wie man nach den Berichten der Tagespresse anzunehmen geneigt ist —. ja Geheim rat Willstätter hat es sorgfältig vermieden, auf den Vorschlag irgendwelchen Einfluß zu nehmen, er hat nicht einmal an den Fakultätssitzungen teilgenommen, die darüber zu beschließen hatten. Deshalb meinen auch „maßgebende Kreise“ innerhalb und außerhalb der Universität, Willstätter habe gar keinen triftigen Grund für seinen Rücktritt, da der abgelehnte Vorschlag gar nicht