Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 25 (20.6.1924)
- Date
- 1924-06-20
- Page
- Seite 131 [129] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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N r. 25 Das Jüdische Echo 131 ihm auf und dann, dann glaubte er zu fühlen, wie ein Schattenarm ihn zärtlich umschloß, sich fest an ihn klammerte, — er fühlte sich liebevoll an die Brust eines andern gedrückt --und wirklich, eine hohe Gestalt stand vor ihm! Vertrauensvoll richtete er das Auge auf diese Gestalt, dann zuckte er zusammen, ihm war, als habe er den Verstand verloren, eiskalter Schauder überrieselte ihn, der Schaum trat vor seine Lippen. — Entsetzen! Er lag in den Armen des Großinquisitors, des ehrwürdigen Pedro Arbuez d’Espila, der ihn liebevoll anblickte; große Tränen füllten sein Auge, er betrachtete den Rabbi mit der Miene des guten Hirten, der sein verlorenes Schäfchen wiedergefunden hat. Der finstere Priester drückte den unglückseligen Juden mit einer solchen Inbrunst an sein Herz, daß die härenen Spitzen des Büßergewandes, das er unter der Kutte trug, seine eigene Haut ritzten. Und während der Rabbi Äser Abarbarnell zuckend und mit verdrehten Augen schreckenschaudernd in den Armen des aszetischen Arbuez lag, wurde ihm klar, daß alles, was er an diesem verhängnisvollen Abend erlebt, eine ihm vorher bestimmte Folter war, die Folter der Hoffnung. Der Großinquisitor jedoch flüsterte ihm mit sanfter Miene und vorwurfsvollem milden Tone die Worte ins Ohr: „Was denn, mein Kind, am Vorabende des Heils wolltest du uns verlassen?“ — — literarisches Echo Rabbiner Mase gibt seine Memoiren heraus. Der Moskauer Oberrabbiner Mase hat seine Memoiren zum Druck vorbereitet. Die Memoiren Rabbiner Mases spiegeln ein weites Kapitel Geschichte des Judentums in Rußland wider. Rabbiner Mase berichtet in seinen Memoiren über seine persönlichen Begegnungen mit großen Persönlichkeiten und angesehenen Staatsmännern. Die Memoiren hat der erblindete Rabbiner Mase diktiert. Sie werden Hebräisch und Russisch erscheinen. ^^•RANZJCAFKA Am 3. Juni ist der Prager Dichter Franz Kafka, eine der bedeutendsten und liebenswertesten Begabungen der jungen deutschen Literatur, ein edler, reiner Mensch, ein großer Künstler, ein guter Jude und glühender Zionist, in einem Sanatorium bei Wien nach jahrelanger Krankheit gestorben. Er gehörte dem Kreise der Prager an, den Max Brod um sich geschart hatte. Ungefähr zugleich mit Werfels ersten Gedichten erschienen seine kurzen Erzählungen, in der Gesinnung ihnen verwandt, in der Form von einer merkwürdigen Prägnanz. Eine überstarke, zum Grotesken geneigte Phantasie verbindet ihn mit der Phantastik der Heimatstadt, ebenso wie die außerordentlich scharfe Beobachtung der alltäglichen Umgebung. Diese Verbindung trat am frappantesten in der „Verwandlung“ hervor, einer Novelle, die die Verzauberung eines Menschen in eine Wanze zum sonderbaren Inhalt hat. Hier aber schon und stärker noch in den späteren Erzählungen — „Der Heizer“, „Das Urteil“, „In der Strafkolonie“ — Ist der Grundgedanke: große, allerbarmende Liebe zum Menschen und seinem Leid. In einer Generation von Halbkönnern, Nichtskönnern und Dilletanten stand er rein und voller Stärke abseits und einsam. Er liebte das Wort, aber er gehörte zu jenen, die sich nicht erlaubten, damit ein billiges Feuerwerk zu machen. Immer blieb seine Sprache frei von Flitter, sie lief kristallklar, männlich und schön dahin, wer hören konnte, vernahm den starken Ruf eines Dichters. Er hat nicht viel geschrieben und noch weniger veröffentlicht. Franz Kafka ist einer der anerkanntesten Beherrscher der deutschen Sprache. (Erst vor wenigen Monaten rechnete Hermann Hesse in einem Feuilleton der „Voss. Ztg.“ Kafkas Dichtung zu weitaus der Bedeutendsten in der deutschen Literatur der letzten Jahre.) Die Seele aber, die in dieser Sprache schrieb, ist jüdisch durch und durch. Seine Not ist jüdisch, ebenso seine Problematik und seine Konsequenz... Es zog Kafka auch bewußt immer fester zum Judentum hin. Er war seit vielen Jahren Zionist, voll von Interesse für alles, was Palästina und den Aufbau des Landes betraf; er lernte seit Jahren hebräisch, viele Monate war dies seine ausschließliche Beschäftigung, und er dachte in den letzten Jahren immer konkreter an seine Übersiedlung nach Palästina. ' (J.P.Z.) Gemeinden-u.¥ereins-iche Zion. Ortsgruppe München. Am Montag, den 23. Juni abends SlU Uhr wird Herr Renkazischok aus: „Die Stadt mit hundert Toren“ von Arnold Ulitz sprechen. Klubzimmer Ottostraße 2. Zionistische Ortsgruppe München. Am Montag, den 30. Juni abends 8 Uhr pünktlich findet im Klubzimmer, Ottostraße 2/0, die diesjährige Ord. Generalversammlung statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Ressortleiter. Entlastung des Vorstandes und der Ressortleiter; Neuwahl. Kassenangelegenheiten. Wir bitten um vollzähliges Erscheinen der Gesinnungsgenossen. Bar Kochba München. Leichtathletik- Abteilung. Der Sportbetrieb ist wieder in vollem Umfange aufgenommen worden. Die Leitung des Trainings hat Herr Josef Orljansky übernommen. Die Trainingszeiten sind für Senioren und Junioren gemeinsam und und zwar regelmäßig Dienstag und Donnerstag abends 7.30 Uhr und Sonntag vorm. 10 Uhr auf dem Sportplatz an der Säbenerstraße (Linie 25 Haltestelle Krüppelheim). Um ein systematisches Training zu ermöglichen, ist vor allem ein pünktliches Erscheinen notwendig. Wir beabsichtigen, bereits in allernächster Zeit wieder an die Öffentlichkeit zu treten. So haben wir zu den Wettkämpfen des P.V. Augsburg eine 4X100 m-Staffel gemeldet, die in der altbewährten Aufstellung: Heumann I, Rosenbaum, Heumann II, Orljansky antreten wird. Sehr zahlreich beteiligen wir uns dann auch an den Jugend- und Juniorenwettkämpfen des T.V. München von 1860. Wir erwarten nunmehr von unseren Aktiven regstes Interesse und regelmäßiges und pünktliches Erscheinen. Die Sportleitung. Jüdischer Jugendverein München. Am Montag, den 23. Juni, findet in den Räumen des Restaurants „Prinzregententheater“ ein Sommerfest mit Tanz statt. Näheres siehe Anzeige in dieser Nr. J.S.V. Hagibor, München. Bei dem Schwimmfest des Arbeitersportkartells, das am 15. ds. im Volksbad unter großer Beteiligung vonstatten ging, konnte die I. Mannschaft der Schwimmabteilung J.S.V. Hagibor in der Jugend-(Knaben-) lagenstaffel unter 5 Mannschaften den 2. Platz belegen. Außerdem wurde J. Rosenfelder im Brust-