Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 23 (6.6.1924)
- Date
- 1924-06-06
- Page
- Seite 109 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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IN r* 23 Das Jüdische Echo 109 \ „im „Schlagobers“ schildert der Tanzdichter eine Revolution der Gebäcke des Arbeiterviertels gegen die feinen Zuckerbäckereien der aristokratischen Wohnbezirke. In der Ausführung, in der die Partitur gedruckt ist, werden die Arbeiter- Bäckereien, die ihre Tänze vor einem Hintergrund von Fabrikschloten aufführen, durch fünf als Mazzos kostümierte Juden, sowie durch einen als Wutkiflasche dargestellten Russen, einen als Sliwowitz personifizierten anderen Slawen und eine aus einer Chartreuseflasche entsteigende Französin gegen die aristokratischen Leckereien aufgewiegelt. Diesen politisch-satyrischen Einfall hat Strauß bis zur Generalprobe insoweit verändert, als die Mazzosfiguren in „orientalische Magier“ verwandelt wurden, die aber immerhin noch durch ihre spitzen Bärte, durch ihre alttestamentarische hohe Kopfbedeckung deutlich genug als Juden gekennzeichnet waren. Später aber hat sich Richard Strauß veranlaßt gesehen, die fünf Judenfiguren abermals zu verändern.“ Personalia Nürnberg. Am 26. Mai verschied im Krankenhause, unser Gesinnungsgenosse Herr Diplom-Ingenieur Isaac L i p p e r im 47. Lebensjahre. In Westfalen gebürtig, begründete er in Nürnberg sein zweites Heim, indem er vor etwa 12 Jahren die Handelsschule Grobe als Leiter und Lehrer übernahm. Es war nach dem Vortrage von Arnold Zweig Ende Februar, als Herr Lipper auf dem Wege nach Hause zusammenbrach, so daß er nur mit Mühe in seine Wohnung gelangen konnte. Die eingetretene Besserung sollte nur von kurzer Dauer sein. Seine rastlose Tätigkeit, sein Pflichtgefühl, die Freude an seinem Beruf und die Sorge um seine Familie gestatteten nicht, daß er sich Schonung auferlegte und Ruhe, deren er so dringend bedurft hätte, Um ihn trauern seine Frau und drei Kinder. — Wenn wir unserem Freunde Lipper unter dem frischen Eindruck seines frühen Todes einige Worte des Gedenkens widmen, so müssen wir als Grundzug seines Charakters vor allem seinen Pflichteifer und seine Treue rühmen. Das Bewußtsein der Pflicht gegenüber seiner Familie, der er mit inniger Liebe zugetan war, galt ihm als etwas Selbstverständliches; desgleichen hat er seinem Beruf und seiner Schule sein ganzes Sinnen und Streben gewidmet. Und Treue bewahrte er von jeher dem Judentum und dem jüdischen Volke. Der Verstorbene hat schon in früher Zeit durch Beschäftigung mit jüdischen Fragen und getragen von dem Schwung der zionistischen Idee den Weg zum Zionismus gefunden; er gehörte bereits vor dem Kriege der Vorstand- Schaft der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg- Fürth an und war bis zum vergangenen Jahre deren Schriftführer und Bibliothekar. Besondere Verdienste hat er sich um die Bereicherung der Bücherei erworben und ist stets dafür eingetreten, daß die Bibliothek Zionisten wie Außenstehenden zugänglich gemacht werde. Wir danken es Herrn Lipper noch, daß er während der Inflationszeit sein Wissen und Können in den Dienst der Finanzen der Ortsgruppe gestellt hat. Hilfsbereit und opferwillig stellte er jederzeit die Einrichtungen und Räume seiner Schule jüdischen und zionistischen Zwecken, wie der Unterhaltung des Nationalfondsbüros und der Abhaltung von hebräischen Sprachkursen zur Verfügung. Wichtiger aber noch war uns sein Rat, den wir jederzeit gerne hörten und annahmen. Nun hat ihn das Geschick von uns gerissen, und wir werden seinen Rat schwer entbehren. Wir werden ihm ein dauerndes ehrendes Andenken bewahren. Dr. S. Sprechsaal München, 28. Mai 1914. Jüdisches Echo Zu Ihrem Begrüßungsartikel für die jüdische Volksschule gestatte ich mir als Mitbegründer der Schule einige Worte über die Aufgaben, welche die Schule nach meinen Absichten zu erfüllen hat. Lassen sie mich dabei' von einem kleinen Vorfälle ausgehen, welcher sich dieser Tage zugetragen hat. Eine Mutter gibt ihrer Verwunderung darüber Ausdruck, daß ihr Kind in unserer jüdischen Schule keinen Religionsunterricht erhalte. Nun beginnt täglich der Unterricht bei uns mit einer kleinen Morgenandacht und die Religion nimmt naturgemäß einen breiten Raum im Unterrichte ein. Kann es einen schlagenderen Beweis für das Taktgefühl und die Befähigung unserer Lehrer geben, als daß das Kind gar nicht gemerkt hat, daß es dauernd Unterricht in jüdischer Religion erhält? Die Kinder stehen eben schon jetzt so mitten im Judentum, haben so rasch ihre Einfühlung ins jüdische Milieu gefunden, daß ihnen der Fortfall religiösen Schuldrills auffällt. Mögen Eltern, welche dem gläubigen Judentum fernstehen, uns deshalb unbesorgt ihre Kinder anvertrauen. Wer überhaupt noch jüdische Einstellung besitzt, wird an unserer Erziehung seine Freude haben. Freilich, die Religion steht im Mittelpunkte „unseres“ Judentums und unsere Schüler sollen sie in ihrer ganzen Tiefe, in allen Gedankengängen, in allen Betätigungsformen, kennen und erfassen lernen. Damit ist kein Zwiespalt zwischen Schule und Haus in jenen Familien, welche sich den äußeren Formen der jüdischen Religion entfremdet haben, geschaffen. Haben doch dieselben Eltern — lehawdil — bisher ihre Kinder an einem Unterrichte teilnehmen lassen, dessen Gegenstände das Christkind, das Osterlamm, die Beichte waren. Dort hat man die Infektion nicht gefürchtet. Ist denn unsere Religion gefährlicher? Ja, vielleicht weil sie im jüdischen Herzen des Kindes leichter Boden findet, als fremde Gedanken. Gönnen Sie doch Ihrem religiös veranlagten Kinde das Fünkchen Glauben, das vielleicht in seinem Herzen ein Licht entzündet. Wollen Sie dem aber Vorbeugen, so werden Sie selbst taktvoll und zart Möglichkeiten genug finden, das, was nach Ihrer Auffassung ein Zuviel an religiöser Erziehung bedeutet, im Hause auszugleichen. Die jüdische Einstellung wird Ihr Kind sicher als Gewinn für sein Judentum — mögen Sie darunter verstehen, was Sie wollen - mit nach Hause bringen. Der „Ohel Jakob“ hat nie behauptet, ein Patent auf das gläubige Judentum innerhalb der Gemeinde zu besitzen. Er betrachtet es als eine seiner Aufgaben, innerhalb der Gesamtgemeinde für Festigung und Vertiefung jüdischen Glaubens und jüdischen Wissens zu wirken. Dazu soll die jüdische Volksschule ein kräftiges Mittel werden. Felix Feuchtwange r. Gemeindenu. Vereins-Echo Bar-Kochba, Damenturnen. Das Damen- und Mädchenturnen am Dienstag, den 10. Juni fällt wegen den Pfingstferien aus. Die Vorstandschaft. Zionistische Ortsgruppe München. Nächsten Montag, den 9. Juni fällt der Klubabend wegen Feiertages aus. Spendenausweis Jüdischer Nationalfonds Spendeneingänge v. 2 0. — 2 8. Mai 192 4. Allgemeine Spenden: E. Goldstern 5.—, Theodor u. Benno Friedmann grat. Herrn Dr. Gutmann u. Herrn Dr. Schäler zur Geburt des Sohnes 2.—, Heinrich u. Hilda Schalit danken herzlichst