Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 22 (30.5.1924)
- Date
- 1924-05-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9072829-9103074-9148131--06016-9078712- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Das Jüdische Echo Nummer 22 30. Mai 1924 11. Jahrgang Erklärung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung ifir Deutschland Der Hammer-Verlag in Leipzig hat kürzlich ein Buch herausgegeben, betitelt „Die Zionistischen Protokolle. Das Programm der internationalen Geheimregierung“, einen Neudruck des bekannten Pamphlets „Die Weisen von Zion“ unter verändertem Namen. In dem Vorwort, das, ebenso wie das Nachwort, von Herrn Theodor Fritsch verfaßt ist, behauptet dieser, daß „allem Anschein nach der Inhalt der Protokolle auf dem 1. Zionisten-Kongreß vorgetragen sei“ und weiter, daß „die Gedanken des Buches durchaus im Rahmen der zionistischen Bestrebungen liegen.“ Der Unterzeichnete Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland nimmt nur mit Widerstreben zu dieser Fälschung Stellung, die, auf die Urteilslosigkeit verhetzter und ungebildeter Menschen spekulierend, jedem objektiven Leser den geistigen und moralischen Tiefstand ihrer Verfasser beweist. Das gemeingefährliche Anschwellen der antisemitischen Hetzpropaganda und die bedauerliche Leichtgläubigkeit weiter Kreise gegenüber Vorwürfen, die sich gegen Juden richten, zwingen uns dennoch, gegen diese gemeinen Verdächtigungen schärfsten Protest zu erheben. Sowohl „Die Weisen von Zion“ wie „Die Zionistischen Protokolle“ sind Verleumdungen niedrigster Art. Es gibt keine jüdischen Organisationen, die sich mit Plänen, wie sie in den „Zionistischen Protokollen“ niedergelegt sind, befassen. Insbesondere muß der Unterzeichnete Landesvorstand als vertretungsberechtigtes Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und der Zionistischen Weltorganisation mit Nachdruck feststellen, daß die Zionistische Organisation eine von den Regierungen aller Kulturländer anerkannte legitime Organisation darstellt, die kein anderes Ziel als die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina verfolgt. Die kulturpolitischen, kolonisatorischen, sozialen und jüdisch-politischen Arbeiten der Zionistischen Organisation vollziehen sich vor den Augen der gesamten Kulturwelt. Die Kongresse finden in voller Öffentlichkeit und unter Anteilnahme der Presse aller zivilisierten Länder statt. Die stenographischen Protokolle der zionistischen Kongresse erscheinen regelmäßig im öffentlichen Buchhandel. Irgendwelche Geheimnisse sind nicht zu verbergen und werden nicht verborgen. Die Zionistische Organisation hat mit den in den „Zionistischen Protokollen“ ihr untergeschobenen verbrecherischen, gegen das Wohl anderer Völker gerichteten Bestrebungen nicht das geringste zu tun. Wir habengegen Herrn Fritsch sowie den Verleger und Verbreiter dieses Buches Strafanzeige erstattet. Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland R.-A. Dr. Alfred Landsberg, R.-A. Dr. Moritz Bileski, R.-A. Erich Cohn, Isaak Feuerring, Dr. Nahum Goldmann, R.-A. Sammy Gronemann, Max Kober, Dr. Siegmund Kaznelson, Dr. Georg Landauer, Dr. Arthur Rau, Dr. Egon Rosenberg, Dr. Aron Sandler, Moses Waldmann, Max Wolisteiner. Menschen und Geld Ein Interview mit Colonel H. F. Kisch. Die „Wiener Morgenzeitung“ veröffentlicht folgende Unterredung ihres M.R.- Mitarbeiters mit dem Mitgliede der palästinensischen Zionistischen Exekutive, Colonel Kisch. „Wie steht jetzt die Frage der palästinensischen Staatsbürgerschaft?“ „Die Zionistische Exekutive hat in der Frage der Erlangung der palästinensischen Staatsbürgerschaft alle Schritte unternommen, um dieselbe einer positiven Erledigung entgegenzuführen. Allein es waren Schwierigkeiten zu beheben, die weder in der Macht, noch im Kompetenzbereich der palästinensischen Regierung lagen. Der Lausanner Vertrag ist noch nicht in Kraft, da er von den beteiligten Mächten, England, Frankreich und Italien, noch nicht ratifiziert wurde. Heute liegen die Dinge so, daß Italien die Angelegenheit bereits erledigt hat, ebenso wurde dieser Vertrag vom englischen Unterhause soeben ratifiziert, und es steht bloß noch die Zustimmung der französischen Regierung aus, die in Kürze erfolgen dürfte. Sind diese Formalitäten einmal erledigt, dann steht der Erlangung der palästinensischen Staatsbürgerschaft nichts im Wege. Die Regierung arbeitet schon jetzt an einem Projekt, welches unserer Exekutive vorgelegt wurde, die ihrerseits wieder ein Gegenprojekt vorgeschlagen hat. Immerhin kann schon jetzt mit einer gewissen Bestimmtheit gesagt werden, daß man eine viel kürzere Zeit im Lande wird verbleiben müssen, als in allen anderen Staaten der Welt, um die palästinensische Staatsbürgerschaft zu erlangen.“ „Ist zu erwarten, daß der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) von der palästinensischen Regierung in Kürze anerkannt wird?“ „Bezüglich der Anerkennung des Waad Leumi sind wir seit dem Kongreß nicht weitergekommen. Die Regierung hat gegen uns eine gute Handhabe, die darin besteht, daß heute noch nicht alle Juden des Landes den Waad Leumi anerkennen wollen. Man ist unter anderem noch bezüglich des Frauenwahlrechtes nicht ganz einig, was die Regierung abhält, die absolute Autorität des Waad Leumi anzuerkennen. Man hofft, daß dieser ganze Fragenkomplex auf der bald stattfindenden Konferenz des Jüdischen Nationalrates seiner endgültigen Erledigung zugeführt werden wird. Wir werden dann mit einem ganz klaren Projekt zur Regierung kommen und hoffen, daß alle unsere Wünsche berücksichtigt werden.“ „Wie weit steht es mit der Hebräischen Universität?“ „Mit dem Bau der Universität wurde schon teilweise begonnen. Wir wollen keine zweitrangige Universität schaffen, und darum werden wir mit einzelnen Forschungsinstituten beginnen. In der nächsten Zeit sollen ein chemisches, ein mikrobiologisches und ein Institut für jüdische