Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1924
- Issue
- 8 (9.5.1924)
- Date
- 1924-05-09
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 8 Mitteilungen des Israel. Lehrervereins für Bayern 25 3. Apologetik. Wenn diese in der Hauptsache nicht selbständig, sondern nur im Anschluß an geschichtliche und religiöse Lehrfächer behandelt wird, so soll die heranwachsende Jugend besonders in den höheren Klassen in den Kenntnissen bestärkt werden, die sie zur Abwehr von religions- und judenfeindlichen Angriffen befähigen. 4. Bei der Behandlung der nachbiblischen Geschichte und Literatur soll die Belastung des Gedächtnisses durch Einzelnamen und Zahlen möglichst gering sein, die Einfügung in die allgemeine Geschichte» stark betont, die neueste Zeit mit ihren Problemen eingehend behandelt werden. Auf diese Weise soll das geschichtliche Gefühl vertieft, Liebe und Verständnis für die Glaubenstreue unserer Ahnen sowie der Stolz auf die Zugehörigkeit zum Judentum und tatkräftiges Interesse für das jüdische Leben der Gegenwart erweckt werden. 5. Unter den aufgestellten Lehrzielen ist im wesentlichen nur das Hebräische umstritten gewesen. Ein Teil der Eltern hat teils aus religiösen Gründen, insbesondere aber um ihre Kinder nicht mit einer angeblich schwierigen Sprache belastet zu sehen, die Befreiung vom hebräischen Unterricht erstrebt. Anderen Teilen der Gemeinde hat dagegen der hebräische Unterricht nicht Genügendes geboten. Die Wichtigkeit des Hebräischen dürfte außer in den angeführten Lehr- und Erziehungszielen in folgendem beruhen: a) Ohne Kenntnis des Hebräischen würde die Jugend mehr noch als bisher dem Gottesdienst entfremdet werden und ihm fernbleiben. b) Hebräische Kenntnisse, wenn auch im beschränkten Umfang, sind von größter Bedeutung für das Verständnis der Religionsquellen und des religiösen Lebens sowie c) für die innere religiöse Bildung des Juden, die durch das Hebräische ihre eigene durch nichts zu ersetzende Note erhält. d) Sie sind auch für die formal sprachliche, kulturhistorische und allgemeine Bildung in vielen Punkten von größter Bedeutung. Der Unterricht im Hebräischen soll kein Sprachunterricht sein, sondern in erster Linie die Jugend zur verständnisvollen Teilnahme am Gottesdienst befähigen, das religiöse Gefühl und die Treue zur Religion mit Hilfe der Gebete stärken. Zur Erreichung dieses Zieles kann auch eine Reihe von Gebeten, deren Behandlung in der Ursprache in qualitativer und quantitativer Beziehung Schwierigkeiten bietet, in deutscher Sprache behandelt werden. Alte Klagen richten sich gegen den rein mechanischen Unterrichtsbetrieb mit seiner Übersetzung von Wort zu Wort und den entsprechenden veralteten Hilfsmitteln. Aber auch einem rein grammatischen Unterricht kann nicht zugestimmt werden, schon wegen des frühen Beginnes des Unterrichts im Hebräischen auf einer Altersstufe, die dieser Art des Unterrichts noch nicht gewachsen ist und wegen der sehr kurzen zur Verfügung stehenden Zeit. Eine in der Mitte liegende Methode, die auf der Selbstarbeit des Schülers fußt, soll an der Hand eines neuen Lehrbüchleins (Herzberg, Vorstufe zum Übersetzungsunterricht, Verbindung zwischen Fibel und Gebetbuch oder Tefilla kezara) etwa in der 3. Volksschulklasse begonnen und mit Abrahams Wörterbuch zur Tefilla, bezw. seinen hebräischen Bibelausgaben mit Wörterbuch und kurzer Grammatik fortgesetzt werden. Auf diese Weise wird der Unterricht im Hebräischen anregender, leichter und zugleich fruchtbringender gestaltet. Die Auswahl der zu übersetzenden Stücke wird sich — ohne wesentliche Änderungen zu erfahren — an die neuen Lehrbücher anlehnen. In der Mittelstufe, besonders der Mittelschulen, ist eine grammatikalische Vertiefung der hebräischen Sprache im Anschluß an die genannten Lehrbücher anzustreben. „Der Gedächtnisstoff ist auf allen Stufen zu beschränken, eine Anzahl von Bibelstellen, Sprüchen und Psalmen soll aber fester Besitz der Schüler werden." Vor allen Fest- und Gedenktagen sollen die Schüler auf diese hingewiesen werden in der Weise, daß die Darbietung vom religiösen Anschauungsunterricht (Unterstufe) zur historischen Bedeutung und kulturellen Feier (Kenntnis der Gebete und religiösen Pflichten (Mittelstufe) und endlich zur Erfassung der ethischen und sozialen Wertung fortschreitet. Zur Belebung des Unterrichts dienen künstlerische und poetische Darbietungen aus dem Festzyklus. Die vorstehenden Richtlinien sind keine endgültige Festlegung. Sie bedürfen wie jedes pädagogische Programm steter Nachprüfung, die am besten in ständiger Wechselwirkung zwischen den Beteiligten (Lehrer einerseits, Eltern und Gemeindebehörden andererseits) gefördert werden muß. Personalien. Lehrer Weichselbaum in Adelsberg bei Gemünden feierte sein 40jähriges Dienstjubiläum unter reger Teilnahme der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Bamberger (Bad Kissingen) beglückwünschte den Jubilar, der auf entbehrungsreichem Posten seit vielen Jahren in treuer Pflichterfüllung ausharrt, in einem Festgottesdienst. Anläßlich seines 75. Geburtstages wurde Kollege Heinrich Friedmann, München, mit dem Titel Oberlehrei ausgezeichnet. An die neuerrichtete Bekenntnisschule der Religionsgesellschaft Ohel Jakob in München wurden als Lehrer Brückheimer, Marktbreit, und Kissinger, früher in Hainsfarth, berufen. Neustätter, Maßbach, kam als Beamter nach Bad Kissingen. Im Alter von 82 Jahren starb das Ehrenmitglied unseres Vereins, Herr Michael Nußbaum in München. Mit ihm verlieren wir einen warmherzigen Freund und Förderer unserer Wohlfahrtseinrichtungen!. Vereinsnachrichten. Da wegen örtlicher Verhältnisse unsere Mitgliederversammlung in Kitzingen nicht abgehalten werden kann, soll dieselbe wieder in Würzburg stattfinden. Termin entweder Beginn der Ferien (14. Juli) oder Ende der Ferien (25. August). Wir erbitten nochmalige Abstimmung der Verwaltung. Die Antragsteller in Für th haben zu dem Thema: „Ideale und wirtschaftliche Ziele des israelitischen Lehrerstandes'4 bis heute keinen Referenten benannt; wir werden daher über Referat und Berichterstatter selbst bestimmen. Kollege Kissinger, München, ist wieder in den Verein eingetreten, Reinhold, Demmelsdorf, infolge Berufsaufgabe ausgeschieden. Neu aufgenommen als ordentliches Mitglied wurde Kantor Lachmann in München.