Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- 15 (11.4.1924)
- Date
- 1924-04-11
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 ' Das Jüdische Echo 23 die Koalition bilden? Oder wird sie, — so weh es tut, — lieber den Marxisten die Hand ziun Bund reichen. Und, — gesetzt der Fall, das letztere tritt ein, — wird der Ehestand von Dauer sein? Wird nach einem halben Jahr nicht vielleicht doch wieder eine Trennung von Tisch und Bett eintreten müssen, weil die Geistesverwandtschaft mit der anderen Seite möglicherweise doch die größere ist? Wir Juden tappen über unser Schicksal im Dunkeln. Nur eines wissen wir: es wird nicht viel besser werden können: selbst wenn die Mitte zusammen mit Links die Koalition bilden sollte, wird eine Änderung des Kurses in der Judenpolitik nicht einsetzen; denn der durch Förderung des Antisemitismus gewonnenen Volkssympathien wird die Bayer. Volkspartei nicht verlustig gehen wollen. Ja, damals — in Persien löste sich dieses Problem sehe einfach: die oberste Würde wurde vom König einem Juden eingeräumt. Aber die Purimgeschichte in Persien ist eben anders verlaufen als in Bayern. Hier hat das Volk gegen Mordechei entschieden. Und für Haman. Freilich, die Regierungsbildung wäre leichter, wenn es umgekehrt entschieden hätte. Dieser Wahlausfall im Sinne des Antisemitismus wird dem bayrischen Volk und der Bayerischen Volkspartei noch manches Kopfzerbrechen bereiten. * * * In Persien hatten die Juden gegenüber ihren Feinden an der Gestaltung ihrer Geschicke erheblichen Anteil. Sie setzten sich zur Wehr. Und erschlugen, wer sie erschlagen wollte. „Und viele der Völker des Landes wurden von einer Furcht vor den Juden befallen.“ Das ist vielleicht das Traurigste an dieser bayrischen Hamangeschichte. daß die Juden von heute an der Gestaltung ihrer Geschicke keinen Anteil nehmen, vielleicht auöh nicht nehmen können. Daß das, was wir heute vom Juden sehen, ein verschüchtertes, verängstigtes Etwas ist, das sein Judentum in sich hineinkriechen möchte, um vor Haman seine Ruhe zu haben. Daß seine Kraft zu zerbrochen ist, um sich mit gesunder Geste seiner Angreifer zu erwehren. Und daß sein Wille zum Handeln diktiert ist von dem Glauben an das, was die „andern“ sagen. * * * Purimgesehichte in Bayern? Wenn ein Chronist die Ereignisse in Bayern zu einer neuen Megilla zusammenstellen würde, — an Purim dürfte die Rolle nicht verlesen werden; sie taugt nicht für Purim. Viel eher zu Tischo b’av. In den Kranz der Kinoth würde sie taugen. Und die dann Megillath Echo lesen, würden doppelt inbrünstig sagen den Satz: „Chadesch jomonu kekedem.“ W. Der Schekel als Symbol der Gleichheit Von Rev. J. K. G o 1 d b 1 o o m. London. Gleich nach der Befreiung aus unserem ersten Galuth wurde unserem großen Führer Moses, als er die Zahl der Juden wissen wollte, von Gott anbefohlenL, von jedem Juden die gleiche Münze, den halben Schekel zu erheben, ohne Unterschied, ob reich, ob arm. Durch diesen halben Schekel wurde das Prinzip der Gleichheit für alle festgelegt: der Reiche sollte nicht mehr geben und der Arme nicht weniger. Es ist wahr, für die Errichtung des Tempels mußte man von jedem Juden viel, so viel als möglich nehmen, Gold, Silber, Kupfer — aber als es sich darum handelte, die Zahl der Juden kennen zu lernen, da wurde eine unabgestufte Volkssteuer eingeführt, tun zu zeigen, daß alle Juden die gleichen Pflichten und die gleichen Rechte haben. Diese unabgestufte Volkssteuer erfreute sich beim Volke einer solchen Beliebtheit, daß dieser Schekel der „heilige Schekel“ genannt wurde und den Charakter einer historischen Münze annahm. Vor 26 Jahren haben wir Zionisten gleich auf dem ersten Kongreß diese historische Münze wieder neubelebt und die jährliche Zahlung eines Schekels eingeführt. Auch wir erleben den Beginn einer dritten Befreiung aus dem Galuth, und wenn wir den Moment erlebt haben, wo alle Völker endlich unseren historischen Anspruch auf Erez Israel anerkannt haben, so ist dies hauptsächlich dem Schekelzahler zu verdanken, weil dieser es war, der es uns ermöglichte, unsere Kongresse einzuberufen, die zu unserer Volkstribüne geworden sind, von der aus wir stets wieder und wieder vor der Welt unsere Forderungen auf das Land unserer Vorfahren proklamiert haben, die Kongresse, die uns stets die Direktiven gegeben haben für unsere große Volksarbeit, iür die Rückkehr nach Zion. Und wiederum ist es der Schekel, der jedem Juden das gleiche Recht zur Meinungsäußerung und Bestimmung über die Arbeit des Aufbaus Erez Israels gibt, und es ist auch der Schekel, der jedem Juden die Möglichkeit gibt zu zeigen, daß er durch die Zahlung dieser Volkssteuer zu jenen Juden gehört, die unser Land wieder aufbauen wollen auf der Grundlage von Gleichheit und Brüderlichkeit. Indem wir jetzt vor der großen und schweren Aufgabe stehen, der Schaffung der nötigen Mittel für den Aufbau des Landes, muß es unsere heiligste Pflicht sein, genau so wie unsere Vorfahren bei der Schaffung der Mittel für den Aufbau des Tempels, in der Zeit, wenn der Schekelaufruf erklingt, beim Volke den Schekel einzumahnen und die Zahl der Schekelzahler zu vergrößern. Die Zahler wie auch die Mahner müssen stets eingedenk sein, daß die erste Volkssteuer laut der Überlieferung eine feierliche gewesen ist. Laut dieser Überlieferung zeigte Gott Moses eine feurige Münze und sagte: „So wie diese sollt ihr geben!“ Das heißt: Gebt mit feuriger Begeisterung und Liebe, weil dies eine Sühne für die Seele sein wird; ihr werdet damit zeigen, daß ihr zur jüdischen Gemeinschaft, zum Klal Israel gehört! Genau so muß auch jetzt die Schekelaktion vor sich gehen. Beide, der Zahler und der Mahner müssen mit feuriger Begeisterung und Liebe ihre Pflicht erfüllen, denn je mehr Schekelzahler, desto stärker wird unser Kongreß sein, bis endlich die Zeit kommen wird, wo er in Erez Israel, in unserer Hauptstadt Jerusalem, abgehalten wird. (Ziko) * * * Palästina-Nachrichten Bialiks Ankunft in Palästina. Bialik ist in Begleitung seiner Frau und Dr. Schmarjah Lewins am 26. März in Palästina eingetroffen, wo ihm ein grandioser Empfang bereitet wurde. Die Tel Awiwer Stadtgemeinde hat beschlossen, eine Straße nach Bialik zu benennen. Auf demselben Dampfer sind auch die Herren Dr. Klatzkin und Dr. Goldmann nach Palästina gereist. (Ziko) Polnische Palästinatouristen. Der diesjährige Touristenstrom in Palästina ist ein ungemein reger. Speziell für die Osterfeiertage sind Tausende von jüdischen Besuchern in Palästina angekündigt. So ist aus Warschau durch Vermittlung des dortigen Palästinaamtes am