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Das jüdische Echo · 1923-09-14 · 37 (14.9.1923) · p. Seite 445

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
37 (14.9.1923)
Date
1923-09-14
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 445 Dort stehen seine Vorväter! Seine Ahnen! Seine Ahnen! Sein Blut! Spürt er nicht den Rhythmus ihres Pulsschlages noch in seinen Adern wieder? Klingt nicht noch die Melodie in ihm nach, die einst ihr Blut gesungene Immer inbrünstiger wird das Murmeln, immer leidenschaftlicher klingt das Beten, und nun ertönen laut die Worte: Jisgadal! Jisgadal! Allmächtiger — der Kaddisch! Wie Drommetenschall klingt es an Josephs Ohr: Jisgadal! Jisgadal! Ihm wird der Kaddisch gesprochen, ihm, der sich loslösen will von den Sitten und Gebräuchen seiner Väter — ihm — ihm — Jisgadal! Jisgadal! Die Hände lassen ihn los, die ihn mit der Vergangenheit verbinden. Entwurzelt ist er, ein abgebrochener Zweig — abgebrochen, von dem starken Baum, dem er entsprossen. Haltlos steht er da — seine Hände greifen ins Leere — seine Füsse versinken im Bodenlosen. Jisgadal! Jisgadal! Der Rabbi sitzt noch immer unbeweglich. „Nun, mein Sohn, wann willst du heimwärts reisen?“ Joseph umschlingt seine Füße. „Rabbi, laß mich bei dir bleiben und führe mich zurück!“ Sport-Echo Aufsehenerregender Sieg des Wiener Fußball- Klubs „Hakoah“ in England. Die stärkste jüdische Fußballmannschaft, die Wiener „Hakoah‘ weilte dieser Tage in London, um mit einem der stärksten englischen Professional-Klubs, „Westham- United“, ein Wettspiel auszutragen. Da seit vielen Jahren keine einzige europäische Fußballmannschaft es gewagt hatte, in England selbst einer englischen Mannschaft gegenüberzutreten, war man in allen europäischen Sportkreisen auf diesen ersten Versuch der jüdischen Mannschaft überaus gespannt, um so mehr als „Westham-United“ bei seiner vor einigen Monaten stattgefundenen Fußball-Tournee durch Europa den besten Eindruck hinterlassen hatte. Fraglich schien allen Sportinteressenten nur zu sein, mit welcher Tordifferenz die „Hakoah“ in London geschlagen werden würde. Um so größer war das Erstaunen, als in Wien eingetroffene Sondertelegramme der „Hakoah“ wie auch das Reuterbüro von einem sensationellen Siege der jüdischen Mannschaft, der es gelungen war, „Westham-United“ mit 5:0 Toren (Halbzeit 3:0) zu schlagen, berichteten. Der Sieg der Wiener, die ausgezeichnet spielten, war laut Telegramm des Reuterbüros ein wohlverdienter. Dieser sensationelle Sieg dürfte nicht verfehlen, der jüdischen Sportbewegung neue Freunde zu gewinnen und allen Sportfreunden vor Augen zu führen, daß die Juden auch auf dem Gebiete des Sportes das Größte zu leisten vermögen. Die Wiener „Hakoah“, die eine ausgesprochen natfonaljüdische Mannschaft ist — alle Vereinsmitglieder sind zur Entrichtung des Schekels verpflichtet — reist im Herbst nach Palästina, um dort durch Abhaltung zahlreicher Wettspiele zur Propagierung des Fußballspieles beizutragen. Durch Gewährung von Begünstigungen wird zanireichen Freunden der „Hakoah“ die Begleitung der Kampfmannschaft nach Palästina ermöglicht, sodaß man mit einer größeren Zahl von Wiener Palästina-Reisenden zu rechnen hat. Gemeindenu.Vereins-Kdto Im jüdischen Kinderheim Wolfratshausen. Haus und Garten liegen in tiefem Morgenfrieden. Wie still ist es in den luftigen Sälen, in denen die Kinder bei offenen Fenstern schlafen. Da ertönt ein Glockenzeichen; rasch sind die Kinder aus den Betten, die Großen, d. h. die Buben und Mädchen über 11 Jahre, stürmen bald in ihren Schwimmkleidern unter Lachen und Scherzen die Treppen hinunter durch den Garten in das Nebengebäude, „die Kronmühle“. Hier erwartet punkt 7 Uhr die Gymnastiklehrerin ihre Schüler. Ein kurzes Kommando, die Kinder beginnen ihre Turnübungen. So eilig wie sie gekommen, verschwinden sie wieder nach einer halben Stunde und suchen nun, die für Buben und Mädchen getrennten Waschräume auf. Die Mittleren und Kleinen haben indessen ihre Toilette beendet, alle haben ihre Morgenandacht verrichtet, da läutet die Glocke zum Frühstück. An einer langen Tafel auf der glasbedeckten Veranda nehmen die Leiterinnen und die Kinder Platz. Es gibt Milchkakao mit Semmeln und Hausbrot mit Marmelade oder Butter in beliebiger Menge. Nach dem Frühstück schließen sich die größeren Kinder nur allzugerne der Gärtnerin an, um ihr bei der Gartenarbeit zu helfen. Barfuß, im Schwimmkleid verrichten die Kinder mit großem Vergnügen die Arbeit, die ihnen in der Großstadt so fremd ist. Andere Kinder gehen unter Führung zum Beerensuchen in den nahen Wald, wieder andere belustigen sich durch eine Floßfahrt auf dem kleinen Teich im Garten, einem leidenschaftlich betriebenen, völlig gefahrlosen Sport. Wer lesen oder spielen will, zieht sich auf eine der schattigen Bänke im Garten zurück. In einer traulichen Laube lauschen besonders die kleineren Kinder mit Andacht den Geschichten, die eine der Aufsichtsdamen erzählt. Wiederum ein Glockenzeichen unterbricht das Spiel der Kinder, und in nach Alter und Geschlecht eingeteilten Gruppen eilen sie zum Baderaum, wo jedes Kind mit Seife gewaschen, kräftig gebürstet und zuerst warm dann kalt geduscht wird. An dieser gründlichen, kräftigenden und abhärtenden Hautpflege haben die meisten Kinder das größte Vergnügen. Ist das Wetter sehr heiß, dann fällt das Duschen aus und die Kinder gehen, Buben und Mädchen getrennt, ins Schwimmbad, das auf schattigem Wege in fünf Minuten erreicht ist und an allen Vormittagen nur den Kindern des jüdischen Landheims zur Verfügung steht. An das Baden schließen sich ausgiebige Luftbäder an. Punkt 12 Uhr läutet es zum Mittagessen. Alle Kinder müssen ihre Hände waschen, dann geht es in den großen Speisesaal. Das Essen, das in Anwesenheit des Aufsichtspersonals eingenommen wird, wird von der Küche in Kesseln in vertrauenerweckendem Umfang hereingebracht, die Helferinnen versorgen rasch die ganze Tafelrunde und es ist für jeden, der ein Herz für Kinder hat, eine Freude zu sehen, wie und was da gegessen wird. Die Kinder liefern täglich erneut den Beweis dafür, daß die Zubereitung vortrefflich ist. Daß die rituellen Vorschriften strengstens eingehalten werden, dafür bürgt die Aufsicht der beiden Münchener Rabbiner Dr. Baerwald und Dr. Ehrentreu. Nach Tisch benscht einer der großen Jungen vor, dann tritt eine zweistündige Ruhepause ein. Um 3 Uhr ruft die Glocke die Gruppe der Mittleren zum Turnen. Die anderen Kinder erscheinen auch bald ausgeruht auf der Bildfläche, um ihre selbstgewählte Beschäftigung wieder aufzunehmen. Um halb 4 Uhr turnen die Kleinen. Um 4 Uhr gibt es Vesper für alle, bestehend aus Milchkakao mit Butterbrot in beliebiger Menge. Dann werden, je

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