Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 35 (31.8.1923)
- Date
- 1923-08-31
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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_ Jf Das Jüdische Echo Nummer 55 31. August 1923 10. Jahrgang Die Ergebnisse des Kongresses Der XIII. Zionistenkongreß ist beendet. Nach allen Himmelsrichtungen zerstreuen sich die Teilnehmer, noch erfüllt von dem Stück jüdischer Geschichte, das sie miterleben durften und doch schon wieder konzentriert darauf, wie die Arbeit, die zionistische Arbeit des Alltages nunmehr weitergeführt werden soll. Die Ankunft in der Heimat erinnert jedoch bald daran, daß es noch eine andere wichtige Pflicht gibt, die der zu erfüllen hat, der jetzt aus Karlsbad kommt, die Pflicht der Berichterstattung. Nicht nur Fragen wirklichen, tiefen Interesses an dem Schicksal der zionistischen Bewegung, an der Weiterführung der Aufbauarbeit von Erez Israel sind es, die der Zurückgekommene zu beantworten hat. Solche Fragen sind merkwürdigerweise am leichtesten zu beantworten, da sie bei dem heutigen Stand der Dinge fast naturnotwendig Spezialfragen sein müssen. Wer sich nach nun mehr als 25jährigem Bestehen der zionistischen Organisation noch über Dinge allgemeiner Natur unterrichten muß, der zeigt dadurch doch fast immer — auch hier gibt es natürlich Ausnahmen —, daß seine Anteilnahme an dem großen Geschehen unserer Tage doch nur eine sehr bedingte ist. Auf diese Spezialfragen aber läßt sich meist ohne erhebliche Schwierigkeiten eine entsprechende Antwort, mag sie nun positiv oder negativ ausfallen, finden. Ganz anders, wenn die leider immer noch die Mehrzahl bildenden, durch Sachkenntnis nicht oder doch nur minimal beschwerten Wissenslustigen, vielleicht ohne sich viel dabei zu denken, die Frage stellen: „Ach, sagen Sie doch bitte, was ist denn eigentlich nun bei dem Kongreß herausgekommen?“ oder, was auch häufig gefragt wird: „War der Kongreß erfolgreich, sind Sie zufrieden gewesen?“ So einfach es scheint, hierauf zu antworten, so schwierig ist es. Es wird hier nämlich nicht weniger verlangt, als ein abschließendes Urteil über eine Sache, die nur aus der Distanz endgültig beurteilt werden kann. Genau so wenig, wie es möglich ist, etwa von der jetzt heraus-, gekommenen Devisennotverordnung mit irgend einem Anspruch auf Zuverlässigkeit zu sagen, ob sie ihren Zweck erfüllen wird oder nicht, genau so wenig wie man von einer Konferenz der Ernährungsminister sagen kann, sie sei gut oder schlecht gewesen, bevor die Zeit den Nutzen oder die Schädlichkeit der dort gefaßten Beschlüsse unwiderleglich bewiesen hat, ebenso wenig kann der unmittelbare Eindruck eines Kongreßteilnehmers irgend welchen Anspruch auf objektive Richtigkeit erheben. Trotzdem aber ist es eine Notwendigkeit, daß man sich ein subjektiv möglichst klares Urteil über die Ergebnisse eines solchen Kongresses bildet, wenn man dabei nur nicht die Tatsache seiner objektiven Bedingtheit aus den Augen ververliert. Und deshalb ist es eine Pflicht, auf derartig allgemeine Fragen einzugehen, die so betrachtet, auch für den Gefragten an Wert gewinnen, da sie ihn zur Stellungnahme und Kritik veranlassen. Der Zionistische Kongreß stellt ein Volksparlament dar, das aus technischen Gründen heraus gezwungen ist, eine Arbeit, die andere Parlamente in permanenter, das ganze Jahr in Anspruch nehmender Tätigkeit erledigen, in knapp 14 Tagen zum Abschluß zu bringen. Es ist selbstverständlich, daß eine derartige Beschleunigung nicht ohne Härten und Schäden vor sich gehen kann, daß gewisse Unvollkommenheiten mit diesem System eo ipso verbunden sind. Aus dieser zeitlichen Beschränktheit heraus folgt auch, daß zwei an und für sich völlig getrennte Gebiete sehr eng mit einander verbunden werden müssen: Kritik und Urteil über die abgelaufene Arbeitsperiode, Forderung und Entschluß für die zukünftige Arbeitsperiode. Jeder Kongreß bedeutet gleichzeitig Markstein und Wegweiser. Ende einer alten und Beginn einer neuen Epoche. Die Referate der einzelnen Mitglieder der höchtsen zionistischen Verwaltungsinstanz, der Exekutive, haben allen, die urteilen können, noch einmal klar und zusammenfassend gezeigt, was seit dem 12. Kongreß im Jahre 1921 an positiver Arbeit geleistet worden ist und sie haben auch mehr oder weniger deutlich zu erkennen gegeben, was nicht getan werden konnte oder auch zu tun versäumt wurde. In vortrefflichen, bis ins kleinste Detail gehenden Berichten, die den Delegierten in Buchform Vorlagen, legte die Leitung Rechenschaft ab. Jedem Delegierten war es diesmal möglich, in Muße diese Berichte zu studieren und seine Stellungnahme auf Grund der durch sie vermittelten Sachkenntnis zu bilden. So konnte denn der Teil der Debatte, der sich mit diesen Fragen zu beschäftigen hatte, in einer bisher nie erreichten Sachlichkeit geführt werden und tatsächlich fördernd wirken. Die Sprache der Zahlen gab dem Kongreß ein Gepräge, das sicherlich von allen Freunden wirklicher Arbeit als überaus wohltuend empfunden wurde. Der Keren Hajessod ist diejenige Institution, die zum ersten Male der Kritik des Kongresses unterstellt war und deren Leistungen, wenn sie auch weit hinter den mit seiner Schöpfung verbundenen Hoffnungen zurückblieben, doch jedenfalls zu bisher noch nie aufgebrachten Mitteln verhalten. Über eine Million Pfund in zwei Jahren ist, wenn auch an den Bedürfnissen Palästinas gemessen, überaus wenig, so doch in Anbetracht der zerrütteten Verhältnisse im Osten Europas und in Zentraleuropa eine Summe, die den Willen des jüdischen Volkes, den Aufbau Palästinas zu finanzieren, klar und deutlich erweist, zugleich aber auch einen deutlichen Beweis für die Fähigkeiten der Männer darseilt, denen die Leitung dieses großen Fonds anvertraut ist. Die Gründung des Keren Hajessod hat nicht nur in finanzieller Hinsicht einen entscheidenden Schritt vorwärts bedeutet. Die intensive Arbeit für die Aufbringung der Gelder hat gleichzeitig, wie es ja nicht anders zu erwarten war, dazu beigetragen, die Palästinastimmung in der Judenheit der gesamten Welt zu vertiefen und neue Freunde des Aufbaus in ansehnlicher Zahl zu gewinnen. Nach den Ergebnissen dieser ersten