Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 34 (24.8.1923)
- Date
- 1923-08-24
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 34 24. August 1923 Die Schlußsitzung des Kongresses Neue Leitung: Weizmann-Sokolow Palästina-Exekutive ohne Ussischkin Vizepräsident Motzkin eröffnet um 9 Uhr abends die 19. und letzte Sitzung des Kongresses. Die Galerien sind wiederum dicht besetzt. Die Gäste harren geduldig bis zum frühen Morgen aus. Dr. Schalit unterbreitet die Anträge der politischen Kommission. Da diese Resolutionen in langen und eingehenden Beratungen von der politischen Kommission mit überaus großer Majorität angenommen worden sind, verzichtet der Kongreß auf eine Debatte über die einzelnen Resolutionen und nimmt alle Anträge en bloc an. Nunmehr besteigt Obering. Stricker die Rednertribüne, um unter großer Spannung des ganzen Hauses namens des Permanenzausschusses die Vorschläge für die Wahlen in die Exekutive, den Finanz- und Wirtschaftsrat, Kongreßgericht, Ehrengericht, Kongreßanwalt und das Aktions-Komitee zu unterbreiten. Die Vorschläge des Permanenzausschusses werden vom Kongreß ohne jeden Gegenvorschlag angenommen. Somit sind gewählt: Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation: Prof. Dr. Chaim W e i z m a n n. Zum Präsidenten der Exekutive: Nahum Soko- 1 o w. Zu Mitgliedern der Exekutive, mit Sitz in London und Jerusalem, die Herren: Dr. Soloreitschik, Joseph Cowen, Lipsky, Ruppin, Kisch, van Vriesland, Pick und Sprinzak. In den Finanz- und Wirtschaftsrat: Dr. Halpern, Naiditsch, Dr. Weiwel (diese drei mit Sitz in der Exekutive), Dr. Arnold Barth, Schocken, Feist, Arlosoroff und Ziatopolsky. Ins Aktions-Komitee werden gewählt: als Vertreter der vereinigten Landsmannschaften A. Bernhardt, Kurt Blumenfeld, Oberrabbiner Dr. Chajes, Florentin, Freeman, Abr. Goldberg, Rev. Goldenbloom, Dr. Gottlieb, Dr. Hantke, Dr. Jacobson, Schmarjahu Levin, Levite, de Liome, Motzkin, Dr. Reich, Stricker, Dr. Thun, und als Ersatzmitglieder: Alleinikoff, Salomon Cohen, Dr. Alexander Goldstein, Heftmann, Dr. Hindes, Senator Körner, Alberto Romano, Dr. Alexander Licht, Dr. Siegfried Moses, Joachim Neiger, Felix Rosenblüth, Louis Robinson, Dr. Rosmarin, Dr. Rufeisen, Ing. Landau, Dr. Weißburg und Dr. Weißenberger. Sodann für Amerika als Mitglieder: Conheim, Fishman und Rottenberg, und als Ersatzmitglieder: Harris, Prof. Kaplan und Emanuel Herman, für Palästina Ussischkin, während ein zweites Mitglied vom Waad Leumi bestimmt werden soll. Als Vertreter des Misrachi Rabbi Berlin, Farbstein, Rabbi Fishman, Struck, Lewin Epstein, Oberrabbiner Rubinstein, Rabbiner Brodt und Samuel Landau und als Ersatzmitglieder: Lazarus Barth, Neufeld, Dr. Federbusch, Dr. Murok, Dr. Hausner, Dr. Rappaport, Ab. Meyer und Zuchowcele. Für die Zionistische Demokratie als Mitglieder: Grünbaum und Dr. Kümel und als Vertreter Dr. Nahum Goldmann und Dr. Emil Margulies. Für die Hitachduth als Mitglieder: Kaplan, Arlosoroff, Dwedsky, Dr. Kaznelson und Lewinson und als Vertreter Garfunkel, Dr. Weltseh, Dr. Schwartz. Für die Poale Zion als Mitglied: Lubaschow und als Ersatzmitglied: Locker. Für die Zeire Zion als Mitglieder: Mereninsky und Brudny und als Vertreter: Grünfeld und Schweiger. Hierauf ergreift Präsident S o k o 1 o w das Wort zu seiner Schlußrede und führt u. a. aus: Es war ein schwerer und langer Kongreß, aber ich denke, er war nicht schlecht. Seine Beschlüsse sind gute, und die Kämpfe, die hier geführt worden sind, wurden mit Ernst und Gründlichkeit auf allen Seiten geführt. Wer den Eindruck hat, daß wir uneinig sind, und daß unsere geteilten Meinungen von den anderen ausgebeutet werden könnten, ist im Irrtum. Die Teilung der Meinungen beweist nicht, daß wir keine Einheit sind; wir sind eine und den Gegnern gegenüber werden wir wie immer als geeinte Front gegenüberstehen. Die Meinungsverschiedenheiten bedeuten nichts anderes als eine Entwicklung des Zionismus nach allen Seiten hin. Wir stehen England mit jenem Ernst, jener Achtung, jenem Stolz, jenem Selbstbewußtsein und jener Würde gegenüber, die einem Volke geziemt. Hier hat es auf keiner Seite, weder rechts noch links an dem Respekt gefehlt, den wir dem englischen Volk und allen anderen Völkern, die die Balfour-Deklaration unterschrieben haben, schuldig sind. Wenn wir durch die Kraft unserer Überzeugung, durch Aufklärung und Argumente die Mandatarregierung zu einem tieferen Verständnis bewegen wollen, so ist die einzige Waffe die Waffe des Geistes. Wir sind uns einig darin, daß wir in Erez Israel ein nationales, ein hebräisch-nationales Judentum, verbunden mit den großen Traditionen des Judentums, aufbauen wollen. Wir sind uns auch alle einig in der Frage der Heranziehung der nichtzionistischen Elemente, und es waren nur Übertreibungen, die uns getrennt haben. Wir gehen von hier in die große zionistische und jüdische Öffentlichkeit mit der Losung einer Vereinigung aller Juden. Auf beiden Seiten sind wir uns nähergetreten, rechts und links, und wenn man einander nähertritt, dann ist es unvermeidlich, daß man an die Reibungsflächen gelangt. Alle haben ihre Ansichten mit Ernst vertreten, Rechte wie Linke, und deshalb sage ich, es war kein schlechter Kongreß. Daß die Zionistische Organisation den Willen zur Weiterexistenz und zur Aufrecnterhaltung ihrer Prinzipien so leidenschaftlich und in manchen Augenblicken sogar fanatisch zum Ausdruck gebracht hat, das war ein Zeichen der Stärke und des Ernstes der Zionistischen Organisation. Nach diesen Stunden, Tagen und Nächten schwerer Arbeit scheiden wir voneinander unter dem Eindruck derjenigen vereinigenden Momente, die uns manchmal blitzartig die Wirklichkeit der Zionistischen Organisation und des zionistischen Gedankens gezeigt haben. Nach kurzen Dankansprachen von Meier-Berlin und Dr. Klee an das Kongreßpräsidium schließt