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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1923-07-29 · 2 (29.7.1923) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1923
Issue
2 (29.7.1923)
Date
1923-07-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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MITTEILUNGEN des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Schrütlcitung: M. Rosenfeld, München Nr. 2 München, 29. Juli 1923 Bericht über die Vereinsarbeit im Jahre 1922/23 Erstattet vom Schriftführer. Nachdem der Vorsitzende in festen Umrissen die Gedanken dargestellt hat, die unser Vereinsleben tragen — sein Referat ist in der „Freien Lehrerzeitung", Nr. 15 und 16, veröffentlicht worden — obliegt es mir, über die Vereins- und Verwaltungstätigkeit im engeren Sinne zu berichten; zu zeigen, wie sich die gestellten Aufgaben in die Arbeit des Tages umsetzen. Denn wiewohl es wahr ist, daß Ideen die Welt regieren, so ist es nicht minder richtig, daß überall da, wo die Idee mit der Materie zusammentrifft, Reibungen entstehen, welche nur in zäher und steter Arbeit überwunden werden können. Arbeit ist darum das 1. Gebot in unserem Vereinsleben; Arbeit muß als Weiser an dem Wege stehen, der uns in das Land unserer Ziele führen soll. Um wenigstens ein annäherndes Bild des Arbeitsumfanges zu zeichnen, seien zunächst die äußeren Vorgänge angeführt. Im Jahre 1922 weist das Einlaufsbuch 335, das Auslaufsbuch 398 Nummern auf. Im laufenden Jahre sind bereits 70 Einläufe und 112 Ausläufe zu verzeichnen. In einer größeren Anzahl von Rundschreiben wurden die Verwaltungsmitglieder von besonderen Vorgängen unterrichtet, Rat und Stimmen von ihnen eingeholt; durch die „Freie Lehrerzeitung" wurden 25 „Mitteilungen des Vorstandes" veröffentlicht und dadurch zugleich der so notwendige Kontakt zwischen Führung und Mitgliedern herbeigeführt. In nicht seltenen Fällen, teils in allgemeinen Fragen, teils in speziellen Anliegen haben wir Wünsche und Anträge persönlich bei der Staatsregierung vorgetragen. Auch beim Versorgungsverband konnte manche Anfrage unmittelbar erledigt werden. Nicht an letzter Stelle stehen die zahlreichen Verhandlungen mit der Verbandsleitung. Mit dankbarer Anerkennung muß dabei hervorgehoben werden, welche besonderes Entgegenkommen unsere Anträge jederzeit bei dem Präsidium des Verbandes gefunden haben. Die persönliche Teilnahme des Präsidenten an allen unseren Bestrebungen zeigt wohl aufs neue das soeben verlesene Begrüßungsschreiben desselben, nicht minder der ganz spontan bewilligte Zuschuß für die beabsichtigte Krankenhilfskasse. Es wäre nur zu wünschen, daß auch die Gemeinden diesen redlichen Willen und das gleiche soziale Verständnis zeigen würden, dann könnten wir schon jetzt um ein gutes Stück weiter vorwärts gekommen sein. Nun zu den inneren Fragen! Es ist klar, daß in einer Zeit wie der unserigen, in dieser Zeit der „Umwertung aller Werte", auch in einem Vereine Finanzangelegenheiten an erster Stelle stehen. Die Sorge um die Aufrechterhaltung des finanziellen Gleichgewichts der eigentlichen Vereinskasse, nunmehr Gewerkschaftskasse genannt, hat die Verwaltung zu dem Beschlüsse veranlaßt, für das laufende Jahr einen Betrag von 2000 Mk. von jedem Mitgliede nachzuerheben. Über die Notwendigkeit dieser Nachforderung dürfte kein Wort zu verlieren sein. Eher könnten Stimmen dahin laut werden, daß der angesetzte Betrag bei dem ungeheuren Zersetzungsprozeß, dem unsere Währung unterliegt, nicht ausreichend bemessen sei. Die Vorstandschaft glaubte indes mit Rücksicht auf die geringe Leistungsfähigkeit vieler Mitglieder von einer höheren Summe absehen zu müssen. Im übrigen ist in den neuen Satzungen der Verwaltung das Recht für eine etwaige weitere Nachr erhebung eingeräumt worden und somit der Kassenführung, soweit dies heute möglich ist, der Weg geebnet. Nicht so einfach liegen die Verhältnisse der Unterstützungsbezw. Hilfskasse. Die Einkünfte dieser fließen ja hauptsächlich aus freiwilligen Beiträgen; wir sind aber nicht in der Lage, von uns aus dahin zu wirken, daß solche immer der Geldentwertung angepaßt werden. Es ist Aufgabe eines jeden Mitgliedes, für die Hilfskasse, deren Mittel in erster Linie Witwen, Waisen und pensionierten Kollegen zu gute kommen, wo und wann immer sich Gelegenheit bietet, zu werben. Die vorjährige Mitgliederversammlung hatte beschlossen, die Werbetätigkeit für die Kasse auf das valutastarke Ausland auszudehnen, nachdem ihr schon vorher einige namhafte Spenden von Freunden unserer Sache in außerdeutschen Ländern zugegangen waren. Soweit es an der Vorstandschaft lag, wurde dieser Beschluß restlos durchgeführt. Die Mitarbeit der Mitglieder dagegen ließ viel, sehr viel zu wünschen übrig. Nur wenige Kollegen haben der an sie gestellten Aufforderung Folge geleistet und über ihre Tätigkeit Mitteilung gemacht. Umso größerer Dank gebührt jenen Freunden, die ihr Eigeninteresse gegenüber der gemeinsamen Sache zurückgestellt haben. Eine große, durch Oberlehrer Marx in Nürnberg vermittelte Zuwendung wird uns in die Lage versetzen, einem schon lange gehegten Plane näherzutreten. Dem treuen Förderer unserer Sache, wie den fernen Spendern, sei für ihr Werk tätiger Bruderliebe der herzlichste Dank ausgesprochen. Auch aus der Heimat flössen der Hilfskasse dank der Werbearbeit einiger Kollegen recht erhebliche Spenden zu. Mit besonderem Danke möchte ich hervorheben, daß in der letzten Zeit auch zwei Distriktsrabbiner, die Herren Dr. Stein-Schweinfurt und Dr. Brader-Ansbach, sich für dieses soziale Hilfswerk eingesetzt haben. Die so zur Verfügung gestellten Mittel ermöglichten es der Verwaltung, auch die Beihilfen an Unterstützungsbedürftige — und ihre Zahl ist im Verhältnis zur Gesamtmitgliederzahl sehr beträchtlich — entsprechend zu erhöhen. Im Herbste kamen fast 300 000 M., auf Pesach rund 1 200 000 M. zur Verteilung. Eine durch Frau Justizrat Dr. Dormitzer-Nürnberg übermittelte Spende von 200 000 M. wurde außerdem unmittelbar notleidenden Beamten zugeführt. Ohne Überhebung darf gesagt werden, daß wir mit diesen Leistungen an der Spitze aller Hilfskassen jüdischer Beamtenverbände in Deutschland stehen.

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