Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 26 (29.6.1923)
- Date
- 1923-06-29
- Page
- Seite 314 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Das Jüdische Echo Nr. 26 1. Der Antisemitismus ist keine absolut einzig dastehende Erscheinung in der Welt. Er läßt sich soziologisch eingliedern in die große Reihe der G r u p p e n a f f e k t e , in die z. B. die Klassengegensätze, die Gegensätze einzelner Handwerkergruppen, Militärgattungen usw. gehören. Alle Gruppenaffekte bedingen in sich eine Entwertungstendenz, allen anderen Gruppen gegenüber zu denen ein Spannungsverhältnis besteht. Im Normalzustände äußert sich diese Entwertungstendenz in einem relativ harmlosen „Hänseln“. Ist aber das seelische Gleichgewicht aus irgend einem Grunde ins Gleiten gebracht, dann kommt es zu gewitterartigen Entladungen, denen gegenüber eine Argumentation mit Gründen der Vernunft etwa so wirkungsvoll ist, wie ein Regenschirm im Schrapnellfeuer. Es ist deshalb verderblich, den Antisemitismus durch Widerlegung der gegen die Juden erhobene Anschuldigungen, die in Wirklichkeit nur Scheinanschuldigungen sind, beheben zu wollen. Dadurch wird nur eine Infizierung der jüdischen Seele mit dem ansteckenden Bazillus des Judenhasses bewirkt. Die erste Forderung muß daher für uns eine Abkapselung unseres Innern gegenüber allen offen- oder kryptoantisemitischen Äußerungen sein. 2. In erhöhtem Masse gilt diese Forderung gegenüber unserer Jugend. Es gibt keine Abhärtung der Seele gegen solche geistige Ansteckungen. Die vertrauensvolle Seele des Kindes vermag nicht, die Wirkungen des dauernd eingeträufelten Giftes zu verwinden, umsomehr als die jüdische Seele an sich in Folge der jahrhundertelang währenden geistigen Beschäftigung der Juden für Psychosen aller Art außerordentlich empfänglich ist. Jüdische Schulen mit jüdischen Lehrern sind daher unbedingte Notwendigkeit und können durch Palliativmittel, wie jüdisches Haus usw. nur unvollkommen ersetzt werden. 3. Demgegenüber sind die äußeren Wirkungen des Antisemitismus, so beklagenwert sie im Einzelnen auch sein mögen, nur von untergeordneter Bedeutung, da sie zwar Einzelindividuen, nicht aber die jüdische Substanz treffen. Auch hier ist eine erfolgreiche, mit zulänglichen Mitteln betriebene Abwehr nur durch die Herstellung der Solidarität aller Juden der Welt, soweit es sich um Bekämpfung des ebenso solidarischen internationalen Antisemitismus handelt, möglich. Alles jüdische Eingehen auf die von den Antisemiten uns nahegelegten Spaltungstendenzen, alles „Abrücken“ ist verderblich, da es eben auch hier eine ernste Parade auf eine Finte, auf einen Scheinhieb darstellen würde. Arnold Zweig hat, wie wir hören, für den Herbst eine Vorlesung aus seinen Werken in Nürnberg, zugesagt. Wir sind überzeugt davon, daß der Dichter Zweig bei uns dasselbe Verständnis finden wird, das dem Politiker in so reichem Maße zu Teil geworden ist. Die von Arnold Zweig in der Zeitschrift „Der Jude“ veröffentlichte Artikelserie über den „heutigen deutschen Antisemitismus“ wird demnächst in Broschürenform erscheinen. Anmeldungen zum Bezüge dieser Broschüre nimmt das Büro der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth, Fürtherstraße 87, Tel. 9226, gerne entgegen. -r. Spendenausweis Israelitischer Frauen-Unterstützungs-Verein für Kranke und Wöchnerinnen gratuliert herzlichst und dankt für überwiesene Spenden. Wegner-Sperling, Nußbaum-Laufer, Goldfarb-Neuß und Greif. Jüdischer Nationalfonds. Spenden aus München vom 19. bis 26. Juni 1923. Allgemeine Spenden: Gesammelt bei der Hochzeit Neuß-Goldfarb 50000.—; Gesammelt auf der Verlobung Wegner durch I. Sturm 50 000.—; Familie Gostinsky grat. zur Verm. Wegner-Sperling 10 000.—; Gesamtausschuß der Ostjuden: Aul. des Jahrzeittages Sarah Reich 200 000.—; Differenz Herz/Adler & Straus, Mannheim 100 000.—; Simon Herz, Augsburg 5000.—; N. N. für verlorene Wette 5000.—. Albert Schorr-Garten : Gespendet für die bei der Verlobung Schorr-Baumgartner v. Herrn Georg Schorr dargebotenen Lieder 100000.—. Münchener Oelbaumhain: Jakob Nußbaum anl. der Hochzeit Nußbaum-Laufer 8 B. 96 000.—; Jakob und Henny Reich grat. zur Verm. Goldfarb-Neuß und zur Verm. Nußbaum- Laufer 2 B. 24 000.—; L... zum Andenken Tobias Reich 10 B. 120 000.—; ges. auf der Hochzeit Nußbaum-Laufer 8 B. 96000.—. Dr. Igo Feuchtwanger-Garten: Dr. Leo Feuchtwanger grat. Heinrich Auerbach 2 B. 24 000.—; desgl. Theodor Feuchtwanger 6 B. 72 000.—. E m a n u e 1 Herz-Hain: Fr. Brader, Augsburg 100000.—. Bar Kochba-Hain: Die Jugendabteilung des Bar Kochba spricht ihrem 1. Franz Glaser ihr herzl. Beil. z. Verlust s. Vaters aus 1 B. 12 000.—; desgl. die Mädchengruppe 1 B. 12 000.—. Die Fußballabteilung des B. K. grat. z. Hochzeit Läufer - Nußbaum und dankt für eingelaufene Spende von 100 000.— 2 B. 24 000.—. Rosa Kuschnerow sei. A.-Garten: S. Rosenzweig und Frau gratulieren herzlich zur Vermählung Kupfer- Priester, Goldfarb-Neuß, Nußbaum-Laufer und zur Verlobung Schorr-Baumgartner 3 B. 36 000.—. Büchsen: Jakob Wilczinsky 77 641.—; Goldberg 5000.—; Büchsen unter 5000.—: 3746.—; Gesamt 1 222 387.—. Gesamtausweis seit 1. Januar 1923: 5 419 867.—. Gesamtausschuß der Ostjuden. Farn. Kornhauser grat. z. Vermähl. Nußbaum-Laufer, Goldfarb-Neuß, z. Verl. Wegner-Sperling, Stein-Katzenel, z. Bar Mizwah Berger, Schenirer 5000.—; Farn. Landau desgl. 5000.—; L. Iram und Frau grat. z. Verm. Laufer-Nußbaum u. z. Bar Mizwah Schenirer 3000.—; Farn. B. Zinn desgl. 10 000.—; Farn. Schindel desgl. u. z. Verl. Stein-Katzenel, Wegner- Sperling 10 000.—; J. Jolles und Frau grat. z. Verm. Kraus-Ausübel, Lehr-Kraus, Rauchwerk- Spindel z. Verl. Wegner-Sperling, Stein-Katzenel, z. Bar Mizwah Schenirer u. Berger 5000.—; Farn. Katzenei desgl. 5000.—; Farn. S. Notowitz grat. z. Vermähl. Nußbaum-Laufer, z. Bar Mizwah Schenirer u. Berger 5000.—; Farn. Tuchmann-Brunnengraber desgl. u. z. Verm. Kraus-Ausübel, Lehr- Kraus, Tenzer-Groß, Rauchwerk-Spindel, Neuß- Goldfarb 20 000.—; Max Koch u. Frau grat. zur Hochzeit Neuß-Goldfarb 5000.—; Israel Hauser u. Frau grat. z. Hochz. Kraus-Ausübel, Lehr-Kraus, z. Bar Mizwah Berger u. Schenirer 10 000.—; Farn. Schapira sagt herzl. Masel tof z. Verm. Groß- Tenzer, Lehr-Kraus u. z. Brith Miloh Greif 1000.—; dies. z. Verl. Katzenel-Stein, Wegner-Sperling 1000.—; Eva Hojda grat. Saly Wegner z. Verl. 1000.—; Frau Berta Schochor sagt anl. ihrer Abreise nach Dresden allen Münchner Freunden und Bekannten ein herzl. Lebewohl 30 000.—; Farn. Läufer grat. z. Hochzeit Goldfarb-Neuß 5000.—. Bar Kochbar, München: ges. b. Hochzeit Neuß- Goldfarb 50 000.—.