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Das jüdische Echo · 1923-06-08 · 23 (8.6.1923) · p. Seite 277

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
23 (8.6.1923)
Date
1923-06-08
Page
Seite 277 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 277 Arbeitslosigkeit ist in Palästina etwas anderes als in Europa. Sie ist nicht schlechthin materielle Not, da der Satz, in Palästina sei noch keiner verhungert, einen mehr als sprichwörtlichen Sinn hat: in allen Kreisen ist aus irgendeinem Fonds der äußersten Not doch immer gesteuert worden. Keine Arbeit finden heißt: nicht arbeiten dürfen, ausgeschlossen sein. Daher nimmt hier das Drängen zur Arbeit oft seltsame Formen an. Eine Abordnung der Gewerkschaft spricht beim Vertreter der englischen Regierung vor; es seien fünfhundert Arbeitslose im Land, die Regierung solle Notstandsarbeiten vergeben. — Aber England spart. „Es geht nicht,“ erwidert nach diplomatischem Umweg der Engländer. „Wir haben kein Geld.“ „Geld ist das wenigste,“ repliziert der Gewerkschaftsführer. „Die Leute wollen Arbeit! Wenn es sich nur um Geld handelt, würden wir der englischen Regierung Kredit geben.“ „Wie denn? Ihr habt Geld?“ „Nein. Wir haben kein Geld. Aber wenn Sie uns einen Auftrag geben, Sir, würden wir uns das leihen, was zur Löhnung nötig ist. Dazu würden wir Geld bekommen. Ihre Regierung, Sir, hat Kredit.“ * Von alledem weiß der englische Fliegerkapitän nichts, der im Rauchsalon der „Vienna“ beim schwarzen Kaffee sitzt. Er hat seinem Vaterland geholfen, das Land zu erobern, er hat jetzt mit seinen Damen eine Reise durch Palästina gemacht, war in Bethlehem, in Nazareth, in Tiberias. Aber er weiß nichts von den Wasserkräften des Jordan, von den Orangenhainen, vom Städtebau und dem jüdischen Arbeiter. Er weiß nur von den Ladeninhabern der Jaffastraße und von den Kaftangestalten an der Tempelmauer. Aus der indischen Weif Jüdische Fragen auf dem Hamburger Kongreß Anklage gegen die polnischen Sozialisten Hamburg. (JCB.) Auf dem Hamburger internationalen sozialistischen Einigungskongreß ist der Weltverband „Poale Zion“ durch eine siebengliedrige Delegation vertreten, die sich aus den folgenden Herren zusammensetzt: S. Kaplanski, Berl Looker, S. Rubaschow, Saul Sokal, A. Reis, Don Hos und Alfred Berger. Während der dem Kongreß vorangegangenen Tagung der Wiener Internationalen Arbeitsgemeinschaft, deren Teil der Weltverband Poale Zion ist, sprach Berl Looker im Namen der Delegation. Er führte aus, daß der Weltverband für die Beteiligung der internationalen Arbeitsgemeinschaft an der in Hamburg zu schaffenden Vereinigten Internationale sei. Einen besonderen Teil seiner Rede widmete er der Lage der Juden in Polen und klagte die polnisch sozialistische Partei (PPS.) an, daß sie ihre elementarsten Pflichten gegenüber dem Kampf der jüdischen Minorität für ihre nationalen Rechte, selbst gegenüber der ständig wachsenden antisemitisch-faszistischen Bewegung, nicht erfüllt habe. Die palästinensische Landespartei des Verbandes, die „Achduth Haawoda“, hat der Einigungskonferenz ein Begrüßungstelegramm übersandt. Eine Resolution gegen den Welt- Antisemitismus Hamburg. (JCB.) Der Kongreß der Vereinigten Internationale in Hamburg hat in seiner Schlußsitzung eine Resolution über den Kampf gegen die nationale Unterdrückung und gegen den internationalen Antisemitismus einstimmig angenommen. Die Resolution lautet: Der Kongreß der Vereinigten Internationale fordert die sozialistischen Parteien aller Länder auf, für die Ausrottung des nationalistischen Hasses zu wirken. Dies ist insbesondere die Pflicht in jenen Ländern, wo den nationalen Minderheiten ihre vollen politischen und nationalen Rechte vorenthalten werden. In einigen dieser Länder hat der Faszismus die besondere Gestalt des Antisemitismus angenommen und ist zu einer Gefahr geworden, die von der gesamten Arbeiterklasse bekämpft werden muß. Der Kongreß fordert die sozialistischen Parteien aller jener Länder, wo nationale Minderheiten bestehen, insbesondere die sozialistischen Parteien in den durch die Friedensverträge geschaffenen neuen Staaten, auf, alle Kraft einzusetzen, um die Prinzipien der demokratischen Selbstverwaltung und der kulturellen Freiheit zu verwirklichen. Einzig die Anwendung dieser Prinzipien vermag die nationalen Minderheiten mit dem Staate, in dem sie leben, zu versöhnen. ZionistischeFragenaufdemKongreß Hamburg. (JCB.) In der Schlußsitzung des Kongresses am 25. Mai hielt noch der Poale Zion- Vertreter, Ing. Kaplansky, eine Rede über Palästina, in welcher er das Verhältnis der jüdischen sozialistischen Arbeiterschaft zu der Idee einer jüdischen Heimat in Palästina gekennzeichnet hat. Namens der Organisationskommission referierte Friedrich Adler (Wien) über das Verbleiben der Poale Zion in der Internationale. Adler beantragte, daß der Welt-Verband Poale Zion, Mitglied der Internationale sein soll, trotz seiner Eigenart als ein interterritorialer Verband, während die übrigen Parteien nach Ländern vertreten sind. Der Antrag wurde angenommen und ferner beschlossen, daß die Exekutive im Einvernehmen mit dem Weltverbande Poale Zion die Statuten so regeln soll, daß eine Übereinstimmung hergestellt wird. Kaplansky, der Poale Zion-Vertreter in der Exekutive Hamburg. (JCB.) Da nach der beschränkten Zahl der Mitglieder der Exekutive der Vereinigten Internationale nur größere Parteien Anspruch auf einen Sitz in der Exekutive haben können, wurde die Sache so geordnet, daß sich kleinere Parteien zwecks Erlangung eines Vertreters in der Exekutive verbinden. Die Poale Zion sind zu diesem Zweck mit den armenischen Sozialdemokraten (Daschnak Zutium) eine Verbindung eingegangen. Die Exekutivmitglieder Varandian (Armenien) und Kaplansky (Poale Zion) werden sich abwechselnd in der Exekutive ablösen. Die Rede Leon Blums auf dem Hamburger Kongreß Das Ereignis des Hamburger Sozialistenkongresses war nach den übereinstimmenden Berichten das Auftreten des französischen Sozialisten Leon Blum, der in einer großen Rede die Notwendigkeit internationaler Versöhnung erörtert hat. Blum ist ein glänzender Redner und nach seiner Rede, die den Kongreß geradezu fasziniert hat, kam es zu einer Szene internationaler Verbrüderung, die der „Vorwärts“ als den Höhepunkt des Kongresses bezeichnet. Wenn wir darauf hinweisen, daß Blum Jude ist, so geschieht dies vor allem aus zwei Gründen. Erstens weil die deutschnationalen Schmierer schon so viel von der jüdischen Weltverschwörung gegen Deutschland phan-

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