Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 21 (25.5.1923)
- Date
- 1923-05-25
- Page
- Seite 252 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Das Jüdische Echo Nr. 21 Palen Balfour — Ehrendoktor der Krakauer Universität Aus London wird berichtet: Der polnische Gesandte Skirmunt hat im Aufträge der Krakauer Universität Balfour das Diplom seiner Promotion zum Ehrendoktor der juristischen Fakultät an der Krakauer Universität übermittelt. Bei dieser Gelegenheit hielt Skirmunt eine Rede, in welcher er die Verdienste Balfours würdigte. Balfour dankte für die ihm von der ältesten polnischen Universität zuteil gewordene Ehre. Italien Der Vatikan-Besuch König Georgs und Palästina R o m. (JCB.) Die italienische Presse ist auf Grund mancherlei Symptome der Ansicht, König Georg von England werde anläßlich seines Besuches im Vatikan in einem Gespräch mit dem Papst auch die Palästina-Angelegenheit aufs Tapet bringen. Die „Idea Nazionale“ unterstreicht, das Oberhaupt des Staates, unter dessen Protektorat Palästina gegenwärtig steht, werde mit dem Vatikan zum Zwecke der Ermöglichung der Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Land ernsthaft Fühlung nehmen. literarisches Echo Eine Hagada als Luxusdruck Der Verlag Ferdinand Oestertag, Berlin, hat eine Hagada herausgebracht, die für jeden Bücherliebhaber eine Bereicherung darstellt. Sie ist mit zahlreichen Holzschnitten von Steinhardt geschmückt, welche zum Teil auf großer künstlerischer und technischer Höhe stehen. Einzelne sind etwas hart im Ausdruck und leiden durch ungleichmäßigen Druck. Von ganz hervorragender Schönheit ist die in eigenartigem Charakter geschriebene klare und elegante hebräische Schrift, die das Auge jedes .Bücherliebhabers erfreut. Das Buch ist im ganzen so gut ausgestattet, daß man es gerne auch während des Jahres zur Hand nimmt und das auch ohne die Beziehungen zu Pesach Freunde finden wird. Vorrätig in der Ewer-Buchhandlung, Wagmüllerstr. 19. Illlllil II1II III1 HU Hl IN || Feuilleton ||| | lll 1 11 lll lll 1 LliüJill Schabath in Tel Hwiw Von Erwin Arnstein (Tel Awiw) Freitag nachmittags — noch hat das rasche Verschwinden der Sonne hinter dem Meeresspiegel nicht begonnen — wird zum Sabath geblasen. Die Fabriksmotore haben den Atem eingestellt, auch die so seltenen Schornsteine zu rauchen aufgehört und einige Maultiere eilen nach Hause. In dieser Stunde, so wird bei, uns erzählt, kommt es oft vor, daß es in den zwei zylindrischen Reservoiren, die das Rathaus so bizarr schmücken, vom vielen Baden und Waschen an Wasser mangelt. Der Sabath gehört zu dem Schönsten, was wir uns in unserer Heimat geschaffen haben. Wir vergessen bei seinem Einzuge völlig das Treiben der Schomre-Schabath, welche verlangen, daß seine Einhaltung kodifiziert, seine Nichteinhaltung bestraft wird. Wir begrüßen ihn mit fröhlichem Gesang und sind fröhlich beim Abendmahle. Die Kinder wollen mit dem Singen überhaupt nicht aufhören. Auch dann nicht, wenn wir die Terrasse betreten und bezaubert dastehen in der blauen Abenddämmerung, hinblicken auf das leuchtende. Meer, horchen wie der Muezzin ruft. Und tief in die Nacht klingen Hoffnungslieder der Chaluzim. Der Sabathmorgen ist gekommen mit seinen sanften Sonnenstrahlen und kühlen Lüften. Der Himmel wird immer klarer und reiner. Nur knapp über dem azurnen Meer liegt ein dunkler Streifen. Ich labe mich an den Schönheiten der Prinzessin, bevor sie in die Gassen und auf die Plätze kommt, um Königin zu werden. Tel Awiw ist aufgewacht und schmückt sich. Weiße und lichte Farben überwiegen. Sommerkleider, Tropenhelme, bis zur Erde reichende Hemden der Jemeniter, welche ihre Kinder einfangen und in die Betstube führen. Es gelingt nach einigem Bemühen, aber der Beweis, daß es Knaben schädlich ist, am Sabath Fußball zu spielen, gelingt nicht. Und während Mädchen und Burschen in der Herzlstraße promenieren und die Väter, das Wagerl vorn und die Frau zur Seite, zum Strande spazieren, bleibt kein Sandfleck unbesetzt von kleinen und ganz kleinen Sportsmännern; wie gesagt, die Teimanim spielen am besten. Und dies ist interessant: was am Vormittage den Jungen verboten oder wenigstens nicht erlaubt war, ist nachmittags den Jünglingen eine offizielle oder wenigstens gelittene Selbstverständlichkeit geworden. Jeden Samstag werden am Makkabi-Platz wichtige Fußballmatches ausgetragen. Die Gefahr, daß man sich beim Passieren des Drahtzaunes verletzen kann, daß man vom Baume fällt oder daß man sogar Eintrittsgeld zahlen wird, ist nicht imstande, Tausende von Jung und Alt an der Teilnahme am Spiel zu hindern. Dafür ist aber das Interesse so groß, daß man es fast ununterbrochen und fast in Jaffa hört. Es spielten zum Beispiel die elf aus Neß-Zionah mit senkrechten gegen die elf aus Haifa mit wagrechten blauweißen Streifen. Der Boden ist weich und eher zu Sandbädern geeignet. Im Kampfe verschwinden bald die weißen Kalklinien und werden durch Ordner ersetzt. Die Dimensionen der Spielfläche kommen mir zu groß vor, aber man kann sich auf das eigene Gesicht nicht verlassen, weil die Augen immerfort mit Staub gefüllt sind; vom Gehör kann in manchen Augenblicken überhaupt nicht die Rede sein. Zuweilen zweifelt man sogar, daß der Fußballsport gesund ist. Dann wird man sich aber des tausendköpfigen Publikums bewußt und ist wieder anderer Ansicht. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß vielleicht noch mehr gekommen wären, wenn nicht gleichzeitig eine große Versammlung stattgefunden hätte. Es sprachen zum Beispiel fünf vorzügliche Redner im großen Eden-Saale über die Krise der Gegenwart, über den Sela-hajischuw, über die freiwillige Kopfsteuer eines Shillings, über ihre Einhebung am Lag-be-omer-Tage. Auch da gibt es tausend Leute, die aufmerksam zuhören, wie der temperamentvolle Mossinsohn den Verzicht auf ein Vergnügen zu Gunsten des Vaad leumi verlangt und der greise A. Z. Rabinovicz nicht so sehr auf die 5 Piaster, sondern auf das Verantwortlichkeitsgefühl und die Liebe des Gebens Wert legt. Wie eine Mutter das Kind liebt, welches sie mit Schmerzen erzogen, nicht aber für Geld gekauft hat. Zum Sabathausgang wird, glaube ich, kein Zeichen gegeben. Er kommt von selbst, mit Lärm und Hast, als ob etwas nachzuholen wäre. Der Mond aber scheint nicht mehr so hell wie beim Empfange des Tages, an dem es (gerade so, wie es Heine singt und Perez erzählt) keine Armen gibt. Nur glückliche Bräutigame. (Aus der „Selbstwehr“, Prag.)