Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 15 (13.4.1923)
- Date
- 1923-04-13
- Page
- Seite 181 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 181 Ich habe ein Vermögen geerbt und es wuchs ohne mein Zutun, ohne meine Arbeit und ohne meinen Willen. Es vermehrte sich und wuchs mir schließlich über den Kopf. Gar oft weinte in mir das Herz: Acht, wenn mir doch irgend etwas fehlte! Wenn ich doch irgend etwas tun müßte! Die Ärzte verordneten mir Spazierengehen und Sport.... Kein Leben, sondern ein Surrogat dies Lebens, ein gefälschtes Leben, gefälschte Arbeit.... Ich habe viele Länder gesehen, doch keines besessen. Ich habe viele Städte bewundert, doch keine einzige geliebt. Ich, habe viele Sprachen gesprochen, aber keine einzige gefühlt: ich spielte mit den Worten wie mit Bällen. Ich wechselte die Sprachen und die Völker wie die Handschuhe.... Die ganze Welt war mein, aber ich war zu klein, um sie festzuhalten. Meine Hände waren zu kurz, um sie zu umfassen. Ich konnte die Welt nicht erobern.... Und was ich hätte erobern können, das fand ich schon fertig vor, das fiel mir durch Erbschaft zu.... Alles geschah für mich, alles wurde mir dargebracht. Und wenn mir etwas fehlte, so schuf es mir mein Vermögen. Alles: das Lächeln des Freundes, den Kuß von roten Lippen ... den Kaddisch für meinen Vater... Alles kaufte ich mir, manches überzahlte ich; aber Geben, Schenken — das hat man mich nicht gelehrt. ... Und das Kleine war mir zu klein, und das Große zu groß, und ich hatte nichts, wovon ich hätte leben können.... Ich sterbe, weil ich unfruchtbar bin, unfruchtbar mit Leib und Seele. Ich habe in mir nichts, was noch leben oder beleben könnte.... Ich lebe schon längst nicht mehr. Ich habe keine Freude am Leben, und jetzt ist es mir gänzlich zum Ekel geworden. Man behandelte mich wie ein Bauer sein Schwein behandelt: man mästete mich. Der Bauer schlachtet aber sein Schwein, sobald es fett ist; und von mir verlangt man, daß ich mich selbst schlachte. Und ich habe keinen Mut, um mich dagegen aufzulehnen. ... Der Giftbecher steht auf dem Tisch. Der letzte Trunk, mit dem ich mich berauschen werde, dem keine Ernüchterung mehr folgt.... Soli ich etwas über mein Vermögen verfügen? W'ozu? Das Geld war ja mein Unglück.... Habe ich nicht jemand zu danken? Nein, ich habe ja alles bezahlt! ... Alles, selbst diesen letzten Trunk!“ Gemeinden-u.Vereins-Kcho Verband der iüd. Jugendorganisation Münchens. Wir machen auf den Rezitationsabend der jüdischen Arbeitsgemeinschaft am 15. April aufmerksam, bei dem Gäste freundlichst eingeladen sind. — Ab 15. April ist die Jugendherberge des Landheims Wolfratshausen frei. Näheres unter Nr. 13 des „Echo“. — Donnerstag, den 19. April, abends halb 7 Uhr, Rückgebäude-Gemeindehaus, Obmannschafts- und Vertretersitzung mit wichtiger Tagesordnung. Bar Kochba München. Das Turnen der Damen- und Mädchen-Abteilung beginnt wieder Donnerstag, den 19. ds. Mts. in der Klenzeschule. Leichtathletik-Abteilung. Der Besuch des Trainings ist nunmehr sehr befriedigend. Das Training für Grünwald-München und der Erstlingsneunkampf ist unter der ausgezeichneten Leitung unseres Trainers in vollem Gange. Bis auf weiteres sind die Trainingszeiten noch dieselben. Sonntag vormittag ab halb 10 Uhr, Dienstag und Donnerstag abends ab 6 Uhr auf dem Sportplatz Sendling, Plinganserstraße 84. Die noch fehlenden Verpflichtungsscheine sind mitzubringen. Wir machen schon heute auf die Sportkleidung für „Grünwald-München“ aufmerksam. Dieselbe ist weißes Trikot mit Mögen David, weiße Hose mit blauen P/2 cm breiten Seiten- und Quer streifen und Turnschuhe. Diese Kleidung muß sich jeder rechtzeitig besorgen. Auskünfte auf dem Sportplatz. Auch Neuanmeldungen dortselbst. Die Vorstandschaft. Jüdische Arbeitsgemeinschaft. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Schauspielerin Edith Ester Korten aus Berlin am Sonntag, den 15. April, halb 8 Uhr, ihren Rezitationsabend gibt. Zu dem viel Erfolg versprechenden Abend laden wir unsere Mitglieder und Gäste freundlichst ein. Näheres siehe Jnserat. Jüdischer Gesangverein München. Es wird darauf hingewiesen, daß wir am 3. Mai' ein Frühjahrskonzert veranstalten. Näheres in der nächsten Nummer des Echo. Talmud Thora München. Am dritten Tag Chol hamoöd veranstaltete die Leitung der hiesigen Talmud Thora eine Prüfung ihrer Zöglinge im Beisein des Gesamtvorstandes und einiger Gäste. Auch Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu, der Ehrenpräsident des Vereins, hatte sich ein gefunden. Die Prüfung erstreckte sich auf die verschiedensten Unterrichtsgegenstände: hebräisch Lesen und Übersetzen in den unteren Klassen bis zum Gemorelernen in den obersten. Das Resultat der Prüfung befriedigte allgemein. Herr Dr. Ehrentreu hat den beiden Lehrern, Herrn Philippsohn und Herrn Schapiro, und den Herren des Vorstandes seine vollste Zufriedenheit über die erzielten Leistungen ausgesprochen. Allgemein wurde jedoch anerkannt, daß nach Ausscheiden des Herrn Dr. Ernst Ehrentreu eine weitere Lehrkraft dringend notwendig wäre. Hoffentlich gelingt es, bald eine geeignete Kraft dafür zu finden. Nürnberg. Aus technischen Gründen muß die Vorführung des Films „Das neue jüdische Palästina“ in der neuen Bilderbühne, Bucherstr. 5, auf Sonntag, den 29. April verlegt werden, Karten sind nach wie vor im Büro des Jüd. Nationalfonds, Fürtherstr. 8, und bei der Buchhandlung Sippel, Königstraße 1, zu den Preisen von 3000. 2000 und 1000 Mark erhältlich. Stuttgarter Tagung des erweiterten Vorstandes des zionistischen Gruppenverbandes Bayern- Württemberg. Am Sonntag, den 15. April nachmittags 2 Uhr findet im Hotel „Viktoria“ in Stuttgart eine Tagung der dem zionistischen Gruppenverbande Bayern-Württemberg angeschlossenen, durch ihre Vorstandsmitglieder vertretenen Ortsgruppen statt, von der die Weiterführung der zionistischen Arbeit im Gebiete des Gruppenverbandes abhängen wird. Die Tagesordnung lautet folgendermaßen: 1. Bericht dies Vorstandes, 2. Keren Hajessod, Nationah-Fonds, Möglichkeiten zionistischer Arbeit im Gruppenverband, 3. Organisationsfragen des Gruppenverbandes, 4. Antisemitismus, 5. Gemeinde und Verbandspolitik, 6. Dechargen und Neuwahlen, 7. Verschiedenes. Anläßlich der Tagung wird am Samstag, den 14. April Herr Dr. Robert Nußbaum- Hanau einen öffentlichen Vortrag über „Die Zukunft der Juden“ im großen Saale des Kunstgebäudes halten. Hieran wird sich eine interne Zusammenkunft aller an der tätigen Mitarbeit am Aufbau Palästinas interessierten Kreise anschlie-