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Das jüdische Echo · 1923-03-23 · 12 (23.3.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
12 (23.3.1923)
Date
1923-03-23
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 12 25. März 1925 10. Jahrgang An unsere Abonnenten! Wir haben uns bisher mit unseren Abonnementbeträgen außerordentlich stark hinter den allgemein üblichen bewegt, müssen aber nun unsere Preise den bestehenden Verhältnissen einigermaßen wenigstens angleichen. Wir haben daher vom 1. April ab den Abonnementpreis wie folgt festgesetzt: 1600 Mark für das ganze Jahr 800 „ „ „ halbe Jahr 400 „ „ „ Vierteljahr Für diejenigen unserer Abonnenten, die den Jahresbetrag innerhalb der nächsten 14 Tage einsenden, sind wir bereit, einen Zwischenpreis von M. 1200.— festzusetzen. , ..... , Verlag des Jüdischen Echo. Protestkundgebung der bayerischen Juden Eine Abordnung des Verbandes der Bayerischen Israelitischen Kultusgemeinden, der die jüdische Bevölkerung rechts des Rheins und in der Pfalz vertritt, hat sich am vergangenen Samstag Vormittag zu dem Herrn Ministerpräsidenten begeben und eine Vorstellung über die Lage der Juden in Bayern erhoben. Sie hat auf die Schmähungen der jüdischen Bevölkerung und ihrer Gotteshäuser, auf die sich häufenden, Leben und Eigentum bedrohenden Terrorakte hingewiesen und es als unerhörte Beleidigung erklärt, daß in» Versammlungen und in der Presse die Juden und die uns bedrängenden Feinde als innerlich zusammengehörig und voneinander abhängig bezeichnet werden. Sie hat es als Mangel an Rechtsschutz hervorgehoben, daß solche Behauptungen unter Aufreizung der Volksleidenschaft gegen einen ganzen Bevölkerungsteil aufgestellt werden dürfen. Es wurde nachfolgende Eingabe überreicht: „Der unterfertigte Verband als die nach seiner Verfassung zuständige Vertretung der jüdischen Bevölkerung in Bayern gegenüber Staat und Öffentlichkeit gestattet sich der Bayerischen Staatsregierung folgende Erklärung zu unterbreiten : Die jüdische Bevölkerung in Bayern, zumal in der Landeshauptstadt verlangt den Rechtsschutz der Behörden. Seit Monaten werden durch gewalttätiges und aufreizendes Vorgehen nationalsozialistischer und völkischer Kreise, durch öffentliche Anschläge und in der Presse, durch öffentliche Versammlungen und terroristische Einzelakte, durch Schmähungen und Verleumdungen, durch Drohungen und die Vorbereitung zu ihrer Verwirklichung Ehre, Existenz und friedliche Betätigung in Beruf und Gesellschaft gefährdet und verletzt. Und dies in einer Zeit, wo Einheit und Geschlossenheit der Abwehr eines unversöhnlichen Feindes als erste vaterländische Pflicht erscheint. Die Bedrohung der jüdischen Mitbürger hat neuerlich einen Grad erreicht, daß das Verlangen nach Rechtsschutz gegenüber der Staatsregierung unmittelbar erhoben werden muß. Nach der Mitteilung in Nr. 69/70 des Bayerischen Kuriers vom 10./11. März hat der Berichterstatter der nationalsozialistischen Partei am 9. März 192? in öffentlicher Versammlung in München Folgendes ausgeführt: „Die nationalsozialistische Bewegung bereite sich vor auf den Tag der Abrechnung, die gründlich sein werde. Die nationale Entehrung müsse endlich auf>ören; wenn die Regierung nicht mitmachen wolle, werde man einfach über sie hinweggeii'en, unsere Geduld ist erschöpft. (Stürmischer Beifall.) Gesprochen sei. genug, jetzt müsse die befreiende Handlung folgen.“ Der Bericht fährt fort: „Das Originellste im der Rede Essers war wohl, wie er sich die Lösung der Judenfrage vorstellt. Nichts einfacheres als das. Da erklärt eines Tages die Regierung, binnen 24 Stunden hätten sich alle Juden mit einer Decke. Kochgeschirr und Lebensmitteln auf 8 Tage und mit ihren Papieren in dem Lager zu melden. Wer bis zu einer bestimmten Stunde nicht da sei, werde erschossen. Sei dann die Gesellschaft beisammen, sosolle man durch Funkspruch den Ententemächten mitteilen. wenn die Franzosen nicht binnen einer gewissen Zeit rückwärts über den Rhein zögen, wären wir gezwungen, 50 000 Geiseln einer höheren Macht zuzuführen. (Stürmischer Beifall.) Da werde man sehen, wie das internationale Kapital nicht einen Augenblick zögern werde, die französische Armee zur Rückkehr zu veranlassen. Diese Lösung wäre so unblutig und menschlich, als wie nur etwas.“ In diesen Ausführungen, die in öffentlicher Versammlung gemacht werden durften und nach dem Bericht stürmischen Beifall weckten, erblickt die jüdische Bevölkerung in Bayern einen Mißbrauch des nationalen Gedankens zur Aufpeitschung der Volksleidenschaft. Sie sieht darin eine unerhörte Beleidigung und Schmähung eines ganzen seit Jahrhunderten im Vaterlande eingewurzelten Volksteiles, der in innere Zusammengehörigkeit mit dem Feinde gebracht und dem auf das Handeln des Feindes Einfluß zu geschrieben wird. Die jüdische Bevölkerung in Bayern ist nicht gewillt, diese tiefste Kränkung ihrer vaterländischen Ehre hinzunehmen und ein Verhalten länger zu ertragen, das zur Aufhebung der persönlichen Sicherheit und öffentlicher Gewalttätigkeit notwendig führen muß und in zahlreichen Fällen schon geführt hat. Sie wendet sich darum an die Staatsregierung, daß sie einem solchen Vorgehen Einhalt tue und der jüdischen Bevölkerung den in der Verfassung verbürgten Rechtsschutz angedeihen lasse.

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