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Das jüdische Echo · 1923-03-16 · 11 (16.3.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
11 (16.3.1923)
Date
1923-03-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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V Das Jüdische Echo Kammer 11 16. März 1925 10. Jahrgang Der Polizeistock „Bukarest, den 31. Januar 1923. Die von Cuza (ein! antisemitischer Professor) verhetzte Studentenschaft ist zur Tat geschritten. Die Schwäche und Nachgiebigkeit der Regierung, die sich nie zu Taten auf raffte, hat blutige Früchte gezeitigt. Eine kleine Zahl jüdischer Studenten begab sich auf die Universität. Dort wurden sie von den nichtjüdischen Studenten gräßlich mißhandelt. Man schlug den jüdischen Studenten die Schädel an die Wände, man trat sie mit Füßen, und bald war der Boden mit Blut gefärbt:. Es blieb nicht ein jüdischer Student zurück, der nicht einen blutigen Kopf hatte, und auch den letzten unter ihnen warf man die Treppen hinab. Die antisemitischen rumänischen Studentenverbände haben eine Resolution an die maßgebenden Stellen geschickt, die nachstehende Forderungen enthält: 1. Fortsetzung des Kampfes für den numerus clausus bis zum siegreichen Ende. 2. Jüdische Medizinstudenten dürfen nur jüdische und keine christlichen Leichen sezieren. 3. Strenge Zensur der „gewissenlosen“ Presse. 4. Keine weitere Verleihung von Staatsbürgerrechten an die Juden. 5. Verbot der Einwanderung neuer Juden nach Rumänien.“ „Bukarest, den 17. Februar 1923. Eine mehrköpfige Deputation der rumänischen Studentenschaft der Bukarester Universität erschien bei dem Ministerpräsidenten und gab die Versicherung ab, daß die Studentenschaft keinerlei Demonstrationen mehr veranstalten wird. Sie habe dieses Treiben satt und wolle sich nunmehr ausschließlich dem Studium widmen.“ Schau, schau, so wird mancher beim Lesen dieser beiden nur durch wenige Tage voneinander getrennten Berichte sagen, da kann man wieder einmal sehen, daß das Gute im Menschen sich doch schließlich immer Bahn bricht, wie rasch auf den häßlichen Blutrausch doch die eines zivilisierten Menschen einzig würdige Selbstbesinnung zurückkehrt! Hier sehen wir’s klar und deutlich: „Der Mensch ist gut“ und da der Antisemitismus schlecht ist, wird es sicherlich mit der Zeit überall so gehen wie jetzt in Rumänien; Ekel wird die Menschen erfassen vor dieser nur auf Feindschaft, nur auf das Negative gerichteten Einstellung und sie werden sich früher oder später darauf besinnen, daß positives Tun, Arbeit an der Menschheit und für die Menschheit der einzige Weg ist, der uns als eine Gesamtheit und damit wieder jeden Einzelnen vorwärts zu bringen im Stande ist. Wieviele gibt es unter uns, die immer noch diese Hoffnung auf Selbstbesinnung als einen Faktor in ihre Berechnungen einsetzen, die da glauben, es werde den Judenhassern selbst des von ihnen aufgespeicherten und verspritzten Giftes zu viel werden, sie würden endlich die Erbärmlichkeit einer Lebensauffassung erkennen, die alle Schuld nur bei den A n d eren, nicht den geringsten Makel an s ich s e 1 b s t zu sehen im Stande ist. Und wo sollte eine solche Hoffnung begründeter sein, als gerade bei der akademischen Jugend, als bei, Menschen, die an den höchsten Vorbildern des Altertums und der Gegenwart geschult, als Erste die Kräfte kennen zu lernen fähig sein müßten, die wirklich Neues und Gutes in die Welt gebracht haben. Dieser Glaube an das Gute iim Menschen scheint durch die oben zitierten Meldungen aus Rumänien eine stichhaltige Stütze gefunden zu haben, — solange man nicht in die Lage versetzt wird, einige Telegramme kennen zu lernen, die gerade aus der Zeit zwischen jenen, scheußlichen Ausbrüchen antisemitischer Roheit und der klugen und sanften Abbitteerklärung stammen. Da heißt es nämlich: „Der Ausschuß der Rumänischen Universitäten hat beschlossen, als Antwort auf die erneuten antisemitischen Ausschreitungen der Studenten alle Fakultäten der Rumänischen Universitäten, sowie die Studentenheime auf ein Jahr zu schließen, die Abhaltung der Prüfungen zu unterbrechen, und sämtliche, den Studenten gewährte Privilegien aufzuheben.“ Und nun erscheint die ganze Angelegenheit: in einem ganz anderen, häßlich-grellen, aber wahren Lichte. Von einer seelischen Umstellung, von einer menschlichen Neuorientierung kann nach diesen Feststellungen natürlich keine Rede mehr sein. Nacktester Egoismus, hier wie dort die Triebfeder. Eine- Erklärung, die freiwillig abgegeben als ein beweiskräftiges Dokument dafür hätte dienen können, daß der Mensch im Innersten eben doch ein sittliches Bewußtsein, ein Gewissen hat, das ihn antreibt, übereilte, schlechte Handlungen zu bereuen und wenn irgend möglich wieder gut zu machen, wird in ein Zerrbild feiger Knechtsgesinnung verkehrt, die nicht im Stande ist, für ihre mit Emphase proklamierten Ziele auch nur das geringste Opfer zu bringen. Eine Studentenschaft, die durch ihre gewählten Vertreter eine derartige Unterwerfungserklärung bewußt schlechtgläubig abgeben lassen kann, beweist, wie wenig hoch das Vertrauen sein kann, das man in das wahre Ehrgefühl dieser Menschen setzen darf, ein Ehrgefühl allerdings, das mit dem auf dem Mensurboden „erprobten“ und in Bars und Dielen bewiesenen nicht verglichen werden kann. Rumänien ist uns einstweilen noch in jeder Beziehung voran. Bei uns hat der Antisemitismus der Faust und des Gummiknüppels noch nicht die Intensität erreicht, wie sie uns aus Rumänien geschildert wird. Noch können jüdische Studenten ohne akute Gefahr für einen blutigen Kopf ihrem Studium nachgehen, wenn sie auch oft mit blutendem Herzen Dinge in sich hinein fressen müssen, die vielleicht noch weit schwerer zu ertragen sind als äußere Verletzungen. Aber auch nach der anderen Richtung hin, was nämlich das energische Eingreifen der Staatsgewalt anbelangt, ist uns Rumänien heute Vorbild. Hier in Bayern handelt es sich ganz einfach um folgende Frage: Will man es dulden, daß es auch bei uns so weit kommt, daß Juden aus keinem anderen Grunde, als eben weil sie Jude n sind, von einer blut- und beutelüsternen Masse überfallen werden, um dann nachträglich vielleicht die Rädelsführer usw. mit ein paar Wochen Gefängnis zu bestrafen, oder hält man es nicht doch für besser, Präventivmaßnahmen, die in jeder Beziehung wirksamer sind anzuwenden, oder will man schließlich — und bei! uns ist ja scheinbar

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