Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 10 (1923)
- Issue
- 10 (9.3.1923)
- Date
- 1923-03-09
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Das Jüdische Echo Nr. 10 BERNHARD BAUCH Schäfflerstr. 3/5 Briennerstr. 8 Telephon 21540 Telephon 21541 ELEGANTE PELZE sind, und beileibe nicht, was sie denn nun eigentlich selbst sind und wert sind. Da wird dann jener Typ eitler und hohler Blondlinge gezüchtet, denen es wichtiger ist, was auf ihrem Schädel als was unter ihm gedeiht, jene schmutzige Zunft der Klosettmaler, die, neben anderen Sudeleien, widerliche dumme Verse gegen die Juden und Hakenkreuze an die Wände schmieren. Man muß die tiefe Erbärmlichkeit der Instinkte, die sich in diesen Pöbeleien gegen eine kleine Minderheit Luft macht, wittern, um die groteske Dummheit und Frechheit zu würdigen, mit der sich gerade die Schlechtesten hier über ein ganzes Volk, das, wie jedes, aus Edlen und Unedlen zusammengesetzt ist, überheben.“ In Bayern sieht die Regierung natürlich keinerlei Veranlassung, unter der Jugend den Hitlereinflüssen entgegenzuwirken. Personalia Hugo Fränkel Am letzten Montag verschied Hugo Fränkel plötzlich an einem Herzschlag. Mit ihm ist ein stiller, warmer Freund der nationalen jüdischen Sache dahingegangen, der, solange seine Kräfte es erlaubten, sich vor allem um die Verwaltung in mehreren Organisationen außerordentlich verdient gemacht hat. Von der Natur stiefmütterlich bedacht, hatte er doch ein starkes Interesse besonders für die jüdische Jugendbewegung, der er Jahre hindurch seine Dienste im Blau-Weiß und Bar Kochba widmete. Am Mittwoch wurde Hugo Fränkel von einem zahlreichen Trauer gef olge zu Grabe geleitet, wobei Rabbiner Dr. Ehrentreu, dessen Schüler der Heimgegangene war, eine tief empfundene Trauerrede hielt. Nach ihm sprach Herr Just.-Rat Dr. Emil Fränkel Abschiedsworte für den Blau-Weiß. Alle, die den Verschiedenen kannten, trauern um ihn. Unser Beileid gilt besonders dem bewährten Freunde unseres Blattes, Herrn Jacob Fränkel. R. Gemeindenu. Vereins-Echo Jüdische Lehrkurse München. Wir möchten die besondere Aufmerksamkeit unserer Leser auf den in diesem Monat auf Veranlassung des gemeindlichen Ausschusses für Bildungswesen stattfindenden Vortragszyklus lenken, in dem Dr. Leo Baeck, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Berlin, über „Die bestimmenden Gedanken in der Weltgeschichte“ sprechen wird. Die Vorträge finden statt am 19. März abends 8 Uhr im Konzertsaal des Bayer. Hofs, und am 20., 24. und 25. März abends 8 Uhr im Saale der Gesellschaft Museum. Wir sind überzeugt, daß ein Vortrag dieses wohl bedeutendsten gegenwärtigen Vertreters der jüdischen Religionsgeschichte und -Wissenschaft in Deutschland, der kürzlich in der Kayserlingschen Schule der Weisheit in Darmstadt mit seinen Ausführungen große Beachtung gefunden hat, großem Interesse begegnen wird. (Vergl. Inserat.) Die Zionistische Ortsgruppe München veranstaltete am Montag, 5. März, abends im Konzertsaäl des Bayer. Hofs ein Purimfest. Es war nicht ein fröhliches, ausgelassenes Fest, wie es in früheren Jahren die Juden aller Länder feierten. Der traurige Ernst, der heute die ganze Welt beherrscht, gebot auch uns, den Angehörigen eines Volkes, das immer trauern muß, auch im Feiern Würde und Ernst zu wahren. Es mag Manche gegeben haben, welche der irrigen Anschauung huldigten, daß ein Purimfest Fröhlichkeit und Tanz bedingt. Wenn diese unserem Feste fernblieben, so mag der Verlust für sie ein größerer gewesen sein als für uns, denn die gebotenen künstlerischen Vorführungen waren von solcher Art. daß sie selbst verwöhnte Ansprüche nicht nur befriedigten, sondern allgemeine Begeisterung hervorriefen. Den Festakt des Abends eröffnete Dr. Gustav Krojanker mit einer Rede, in welcher er die Bedeutung des Purimfestes für uns Zionisten beleuchtete. Wir wollen nicht im Rausche dieses Festes uns im Besitze einer Macht wähnen, die wir nicht besitzen, sondern wollen das Wunder der Wiedergewinnung Palästinas in reale Tatsache verwandeln. Der künstlerische Teil brachte uns zuerst den Gesangsvorträg der Seelenlieder von Jehuda Halevi. Julius Gieß, das bekannte Mitglied der Münchener Staatsoper, trug die Lieder vor und wurde vom Komponisten Heinrich Schalit begleitet. Daß die Leistung der Künstler Stürme des Beifalls hervorrief, war nur selbstverständlich. Mit Begeisterung folgten die Teilnehmer des Festes auch dem zweiten Teile der Vorführungen, der den melodramatischen Vortrag des Buches Esther brachte. Arnold Marie trug den Text vor und wurde wiederum vom Komponisten H. Schalit begleitet. Es war die Uraufführung des Melodrams. Anschließend trugen noch Dr. Krojanker und A. Marie lustige Ausschnitte aus Werken der jüdischen Literatur vor. Einige auf der Durchreise nach Palästina befindliche Chaluzim waren auch unter den Gästen und wurden freudigst begrüßt. Der beträchtliche finanzielle Ertrag des Abends fließt dem Jüdischen Nationalfonds zu. Verband der jüdischen Jugendorganisationen Münchens. Samstag, den 17. März 1923 wird ein Sprechsaalabend stattfinden. Näheres in der nächsten Nummer. — Wir machen darauf aufmerksam, daß die Mitglieder des Verbandes zu dem Vortrag von Rabbiner Dr. Baeck ermäßigte Karten zu Mk. 150.-- auf der Gemeindekanzlei erhalten können. Chaluzim-FürSorgel. Montag, den 5. März, passierte eine größere Gruppe Palästina-Fahrer, darunter einige Familien, welche hier bis Dienstag früh Aufenthalt nahmen. Für Verpflegung und Quartier wurd^ gut gesorgt. Die Gruppe fuhr Dienstag mit dem Zug 8.25, mit voller Dankbarkeit für die freundliche Aufnahme der Münchener Freunde, nach Triest weiter. Für nachstehend eingegangene Spenden wird an dieser Stelle bestens gedankt. Alexander Eliasberg (zum Jahrestag seines Bruders David) 18 000.—, Ida Orljansky 2000.—, durch Heumann 1700.—.