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Das jüdische Echo · 1923-03-09 · 10 (9.3.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
10 (9.3.1923)
Date
1923-03-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Hammer 10_ 9. März 1923 10. Jahrgang Gegen Hakenkreuz-Terror Auls Wien kommen! Berichte über eine geradezu erlösende Tat: Die nationaljüdischen Mandatare im Stadtparlament und in der Kultusgemeinde haben die Juden Wiens zu einer Massen-Kundgebung gegen die antisemitische Hetze aufgerufen und trotz tätlicher Bedrohungen durch die Hakenkreuzbanditen sind viele Tausende diesem Ruf gefolgt. Damit haben die Juden Wiens die stumme Widerstandslosigkeit. mit der dort und — anderweitig der antisemitsche Terror erduldet wurde, mit Kraft und Entschiedenheit beendet. Wir bringen über dlie Veranstaltung nach der „Wiener Morgen^ zeitung“ einen weit ausführlicheren Bericht als üblich, weil wir in München die Notwendigkeit einer solchen Kundgebung besonders gut begreifen, weil fast jedes Wort, das dort gesprochen wurde, auf München paßt. Dabei drängt sich die Frage auf: Wie lange will die Judenheit Münchens, das sich zu einer europäischen Zentrale antisemitischer Propaganda, zu einer Hochburg antisemitischer Hetzbanden entwickelt hat, die ständigen Bedrohungen und Beschimpfungen stumm gefallen lassen? Gibt es nicht hier tausendmal mehr Anlaß, wi'e in Wien und wie in irgend einer Stadt Europas gegen die Beherrschung des öffentlichen Lebens durch einen antisemitischen Terror ohnegleichen lauten, öffentlichen Protest zu erheben? Die Vorsichtigen fragen ängstlich, was wir damit erreichen. Gewiß, wir haben keinerlei Machtmittel, nicht einmal das der Zahl, wir sind absolut wehrlos. Aber eins haben wir für uns: Das Recht der beleidigten Menschenwürde, das Recht der kleinsten Kreatur, sich aufzubäumen, wenn sie getreten wird. Durch lauten entschiedenen Protest den anständigen: Andersgläubigen und vor allem —- den verängstigten Juden klar machen, daß es nicht als Selbstverständlichkeit anzusehen ist, daß man auf uns herumtritt. Die Parallele mit dem schreienden Unrecht, das dem deutschen Volk von den französischen Gewalthabern angetan wird, drängt sich auf. Fast wörtlich; hätten wir die Worte des deutschen Reichskanzlers zu wiederholen: „Wir stellen diese Brutalität fest, um ein weithin leuchtendes Warnungssignal vor der ganzen Welt aufzurichten. . . . Ein Kulturvolk wird mitten im Frieden gegen alles Recht. . . mit Füßen getreten, ohne daß sich bei den andern . . . ein Finger rührt. Soll das Recht im Völkerleben nicht zum Kinderspott werden, dann haben wir die Pflicht, vor der ganzen Welt festzustellen, was uns angetan wird. . . .“ Die Rechtsbolschewisten und Hakenkreuzritter benützen die berechtigte Empörung des deutschen Volkes gegen die französische Bedrückung für ihre widerliche unmoralische Hetze. Es muß weiten Kreisen klar gemacht werden, daß es der gleiche Geist brutaler Gewalt und Unmoral ist, der hier in der Judenhetze wie an der Ruhr gegen das Deutschtum sein Unwesen treibt. Regierung und die sie tragenden Parteien müssen laut und immer wieder auf die Verantwortung hingewiesen werden, die sie ob der Duldung trifft. Die verantwortlichen jüdischen Stellen haben sich bisher allzu passiv verhalten. Wir fragen sie unter Hinweis auf das Wiener Beispiel: Wollen sie sich zu eitler kraftvollen Führung der Juden gegen ihre Beleidiger aufraffen oder wollen sie auch diese Sache den Nation aljuden1 überlassen? Koppel. Die jüdische Kundgebung in der Volkshalle des Wiener Rathauses Die für gestern nachmittags angekündi'gte jüdische Protestversammlung in der Volkshalle des Rathauses, welche von den jüdischnationale n- Mandataren einberufen worden war, bedeutete eine eindrucksvolle -und würdige Kundgebung der jüdischen Bevölkerung Wiens gegen die antisemitische Hakenkreuzlerhetze und gegen die Haltung der Regierung. Tausende jüdischer Bürger aller Stände und Altersklassen, Männer und Frauen, füllten die Volkshalle des Rathauses noch vor der angesetzten Stunde, überaus zahlreiche Besucher konnten keinen Einlaß mehr finden und harrten geduldig im Arkadenhof des Rathauses bis zum Schlüsse der Versammlung aus. Die Zahl der zur Versammlung Kommenden, welchen es nicht gelang, bis zum Rathaus durchzudringen, dürfte sich auf Zehntausende belaufen. Die antisemitische Maffia hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt und Tausende von Exzedenten aufgeboten, um die Versammlung unmöglich zu machen. Die' Hakenkreuzler, unter denen man viel jugendlichen Nachwuchs und zahlreiche zweifelhafte Elemente bemerkte, waren lange vor der für die Versammlung anberaumten Frist auf dem Rathausplatz, dem Franzensring und in den an das Rathaus anstoßenden Gassen aufmarschiert. Die jungen Leute stießen antisemitische Schmährufe aus und begannen gegen die zur Versammlung strömenden Juden zu exzedieren. Die Situation wurde immer bedrohlicher, da griff die Polizei ein und säuberte den Platz vor dem Rathause. Die Verwundeten wurden in die nahegelegene Polizeiwachstube in der Lichtenfelsgasse gebracht, wo wiederholt die Rettungsgesellschaft vorfuhr, um Verletzten erste Hilfe zu leisten. Die Exzesse fanden jedoch auf der Ringstraße ihre Fortsetzung. Die Rowdys, die organisiert waren und unter einem einheitlichen Kommando standen, überfielen die Straßenbahnwagen und stürzten sich auf die jüdischen Passagiere. Die Polizei griff in zahlreichen Fällen ein und nahm viele Verhaftungen vor. Nach vier Uhr rückte von der Josefstadt und der Neubaügasse her ein geschlossener Zug von Hakenkreuzlern mit der Hakenkreuzfahne heran und zog gegen das Rathaus, wo sich ihm die Polizei entgegenstellte. Die Demonstranten wurden über die Lastenstraße dirigiert und zogen gegen die Augartenbrücke, von wo sie einen Ein-

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