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Das jüdische Echo · 1923-02-09 · 6 (9.2.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
6 (9.2.1923)
Date
1923-02-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nummer 6 9. Februar 1923 10. Jahrgang An unsere Abonnenten! Die fortgesetzte unerhörte Steigerung der Papier- und Druckkosten, sowie die ständige Erhöhung der Löhne zwingen uns, den Abonnementpreis für unser Blatt zu erhöhen. Er beträgt nunmehr 800 Mark für das ganze Jahr 400 99 99 ^9 halbo 99 200 „ „ „ viertel „ Diejenigen unserer Abonnenten, die den ganzen Jahresbetrag bereits einbezahlt haben, haben eine Nachzahlung nickt zu leisten. Verlag des «Jüdischen Echo“. Die wirtschaftliche Lage in Palästina Am Samstag, den 27. Januar, fand in Nürnberg eine interne Versammlung der Zeichner des Keren Hajessod aus Nürnberg und den in der Nähe Nürnbergs liegenden, zum Bezirke des Gruppenverbandes für Bayern-Württemberg gehörigen Städten, statt. Herr Dr. ing. W. Majerczik - Berlin hatte in dankenswerter Weise das Referat des Abends übernommen und führte nach einer kurzen einleitenden Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthai, der den Redner im Namen der Vorstandschaft des Keren Hajessod-Komitees begrüßte, etwa folgendes aus: Er sei im Jahre 1922 zweimal in Palästina gewesen, um die Frage der Elektrizitätsversorgung des Landes im, Zusammenhänge mit dem bekannten Ruthenbergschen Projekte zu studieren. Zu diesem Zwecke habe er das ganze Land bereist. Er glaube infolgedessen in der Lage zu sein, einen den Verhältnissen wirklich entsprechenden Bericht über die wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas geben zu können. Die stärkste Entfaltung jüdischen Lebens weist Tel-Aviv auf. Diese erst im Jahre 1908 gegründete jüdische Nachbarstadt von Jaffa ist in einem Aufschwünge begriffen, der in seinem stürmischen Tempo an das Vorbild gewisser amerikanischer Städte erinnert. Allenthalben wachsen die Häuser gleich Pilzen aus der Erde. Es ist klar, daß die Bautätigkeit infolgedessen eine der Hauptbeschäftigungen der in Tel-Aviv zusammenströmenden jüdischen Arbeiter bildet. Der Redner bezeichnete es als eine erstaunliche und überaus erfreuliche Tatsache, daß es jetzt möglich sei, den gesamten Komplex der Bautätigkeiten ausschließlich mit indischen Arbeitskräften zu bewältigen, während es vor dem Kriege noch notwendig war, bei der Errichtung der Häuser zu einem, erheblichen Teile arabische Handwerker zuzuziehen. Teilweise haben sich unter den Bauhandw-erkern spezialistische Kolonnen gebildet, die in ihrer Leistung in jeder Hinsicht konkurrenzfähig sind mit den ähnlichen Handwerkerkategorien unter den Arabern oder auch in Europa. Dies ist umso bemerkenswerter. als der jüdische Handwerker infolge der höheren Ansprüche, die er selbstverständlich an seine Lebenshaltung stellt, eine erheblich bessere Bezahlung als der arabische Arbeiter beanspruchen muß. Der Ausgleich ergibt sich dadurch, daß die Juden infolge ihrer höheren Intelligenz und modernerer Durchbildung in wesentlich kürzerer Zeit dasselbe zu leisten vermögen, als arabische Handwerker. Die Bevölkerungsziffer von Tel-Aviv, das ursprünglich auf ein kleines Areal beschränkt war, ist jetzt durch stetiges Wachstum und Eingemeindungen auf über 12 000 Einwohner gestiegen. Die Stadt hat sich bis an den Meeresstrand hinausentwickelt, wo durch Errichtung von Kasinos, Badeanstalten, Strandpromenaden usw. ein europäischen Verhältnissen durchaus ähnliches Badeleben sich zu entwickeln beginnt. Tel-Aviv ist eine rein jüdische Stadt, auch inbezug auf ihre kommunale Verwaltung, Polizei, Post usw. bis herunter zu den nur die hebräische Sprache tragenden Straßenschildern. Hebräisch ist die offizielle Sprache der Verwaltung, die Verhandlungs- und Verkehrssprache. Für die Kinder ist es vollkommen zur Muttersprache geworden. Der Redner gab dann eine Darstellung von Jerusalem. Diese Stadt hat eine weit geringere wirtschaftliche Bedeutung als die. Seestädte. Jerusalem ist vielmehr Regierungs-, Militär- und Beamtenstadt, eine Stadt der religiösen Institutionen und — des Fremdenverkehrs. Durch seine hohe Lage ist Jerusalem noch heute als eine Bergfeste und Hauptstadt charakterisiert. Haifa ist die zukünftige wirtschaftliche Hauptstadt des Landes. Es ist im Besitze eines natürlichen Hafens von gewaltigen Dimensionen, der mit relativ geringen Mitteln zu einem Kriegs¬ und Handelshafen ersten Ranges ausgebaut werden kann. Haifa ist der Sitz von Großindustrien, die sich dort zu entwickeln beginnen. Der Redner erwähnte die großen, nahezu fertig gestellten Bauten der Grands-Moulins de Palestine, ein Mühlenunternehmen, an dem Rothschild stark beteiligt ist, und die Palestine Oil Industry Schemen. Ferner ist Haifa als Ausgangspunkt zweier bedeutender Eisenbahnstationen nach El-Kantara (am Suez-Kanal) und nach Damaskus ein wichtiger Verkehrsmittelpunkt und deshalb Standort der großen palästinensischen Eisenbahnwerkstätten. Liberias am Ufer des Tiberiass,ecs gelegen, in einer landschaftlich hervorragenden Lage, ist mit einer ergiebigen heilkräftigen, heißen Quelle ausgestattet, die schon seit Jahrhunderten stark frequentiert wird. Leider sind die Badeanlagen noch in einem äußerst primitiven Zustand. Wenn hier .Abhilfe geschaffen wird, dann besteht alle Aussicht. Tiberias zum Hauptbadeort des Landes zu entwickeln. Die Quelle ähnelt in ihrer Wirksamkeit den Wiesbadener Quellen. Der außerordentlich fischreiche Tiberiassee, der ein riesenhaftes Wasserbecken mit einer Oberfläche von zirka 170 qkm darstellt, ist als natürliches Staubecken für den Ausbau der ersten Wasserkraftanlage des Ruthenberg-Projektes, geradezu von der Natur prädestiniert.

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