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Das jüdische Echo · 1923-01-12 · 2 (12.1.1923) · p. Seite 22

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
2 (12.1.1923)
Date
1923-01-12
Page
Seite 22 (sequence 10)
Language
German
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22 Das Jüdische Echo Nt. 2 Beginn 13. Januar. Treffpunkt: Vestibül der alten Pinakothek. Auskunft bei Frl. Lili Heinemann, Giselastraße 1/1 r. Schachklub Lasker. Montag, den 15. Januar, abends 8 Uhr findet im Gasthaus zum Storchen, Klenzestr. 3, unsere erste ordentliche Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht, Satzung. Beitrag, Anträge. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Nächster Spielabend ist Montag, 22. Januar. Jüdisch. Turn- und Sportverein «Bar Kochba“ München. Wir eröffnen unsere Vortragsabende mit einem Referat von Herrn Jakob Reich, mit freier Aussprache, am 16. Januar 1923 abends 8 Uhr in den Räumen des K. J. V., Bayerstr. 67/69, und laden hiezu sämtliche Mitglieder ein. Palästinafilm. Die Aufführung des Palästinafilms findet nun bestimmt am Sonntag, den 21. Jan. 9 Uhr und 11—1 Uhr im Imperialtheater statt. 9—11 Jugendvorstellung zu ermäßigten Preisen. Wie bereits mitgeteilt, enthält der Film eine ganze Anzahl von neuen Bildern, die in München noch unbekannt sind. Da mit einem sehr starken Besuch zu rechnen ist, empfiehlt sich eine rechtzeitige Besorgung der Karten. Der Vorverkauf beginnt am Dienstag, den 16 Januar, in der Ewer- Buchhandlung. Wagmüllerstr. 19/o, und im Nationalfondsbüro, Herzog Maxstr. 4/o (von 2—6 Uhr geöffnet) gegen Vorzeigung der Einladungskarte. Chanukkah-Feier des «Jüdischen Gesangvereins München E.V.“. Welche Stellung sich der „Jüdische Gesangverein“ während der kurzen Zeit seines Bestehens in München bereits errungen hat, bewies der Massenbesuch, den die von ihm veranstaltete Chanukkah-Feier in der Tonhalle aufzuweisen hatte. Infolge Versagens der Orgel mußte leider das zur Eröffnung vorgesehene Präludium wegfallen, sodaß die Veranstaltung mit dem Entzünden der Lichter durch Herrn Oberkantor Kirschner in feierlicher Weise eingeleitet wurde. Nachdem das „Moaus zur jeschuossi“ verklungen war, kam die Hauptnummer des Programms, Teile aus dem Oratorium „Judas Makkabäus“ von G. Fr. Händel zur Aufführung. Unter der befeuernden Leitung seines Dirigenten Jos. Ziegler unterzog sich der Chor mit Hingabe seiner schwierigen Aufgabe. Wenn man bedenkt, daß es sich hier noch um einen so jungen Chor handelt, muß man der Durchführung besonders der fugal gehaltenen Sätze alle Anerkennung zollen. Für den in letzter Stunde verhinderten Hm. Benno Ziegler übernahm es liebenswürdigerweise Herr Jos. Küchle, trotz der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit, die schwierige Baßpartiie zu singen. Vermöge seiner großen Musikalität und der sicheren Schulung seines schön gefärbten Organes gelang es ihm, sich seiner Aufgabe mit bestem Gelingen zu entledigen. Für die erkrankte Frau Dr. Reta Loeb sang Fräulein Therese Gerson die Alt-Rezitative, denen ihr edel trimbiertes Organ viel Innigkeit und Wärme verlieh. Mit besonderer Freude begrüßte man wieder Frl. Sonja Fleischer. Ihre Stimme hat durch ihre Bühnentätigkeit entschieden an Tragfähigkeit gewonnen. Die Arie „Dann klinget...die durch ihre schwierigen besonders an die Atemtechnik außerordentliche Ansprüche stellenden Koloraturen als Prüfstein aller Koloratursängerinnen gilt, brachte sie meisterlich sowohl in der Ausführung des Zier-Gesanges als auch in der Stimmbehandlung zu Gehör. In der Tenorpartie konnte Herr Camnitzer seine sympathischen Stimmittel zur Geltung bringen. Gleichermaßen eine Stütze des Dirigenten wie des Chores wirkte Herr Kutt Betzak technisch und namentlich musikalisch in hervorragender Weise am Flügel. Als erster Ausführender des dritten — solistischen — Programmteiles hatte Herr Josef Ambrunn Gelegenheit, sich aufs Vorteilhafteste als Meisterrezitator in Erinnerung zu bringen. Fräulein Gabriele Karfiol konnte mit dem gut gelungenen Vortrag der G-moll Rhapsodie von Brahms sich; ihre pianistischen Erstlingserfolge holen. Zum künstlerischen Glanzpunkte des Abends gestaltete sich jedoch die Wiedergabe des G-moll Violinkonzertes von Max Bruch durch Frl. Annie Betzak, eine Leistung, wie wir nur gewohnt sind, sie von den größten Meistern ihres Faches zu hören. Dies bewies auch der nicht enden wollende Beifall, der die Künstlerin schließlich veranlaßte, die Variationen über ein Thema von Korelli- Kreisler als Dreingabe zu spenden. Auch hier bewährte sich Herr Kurt Betzak als gewandter Begleiter der Solisten. Als Übergang zum heiteren Teile brachte der Chor noch zwei volkstümliche a-capella Gesänge zum Vortrag, woran sich ein gemütliches Beisammensein schloß, das Mitwirkende und Gäste noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen hielt. Der Jüdische Gesangverein kann diesen Abend als einen vollen Erfolg betrachten. Möge er unter der zielbewußten Leitung seines Dirigenten auf der von ihm beschrittenen Bahn vorwärts und aufwärts streben, um auch weiterhin seine künstlerisch und gesellschaftlich gleich wichtige Stellung im Münchener jüdischen Gemeindeleben einnehmen zu können. Nürnberg. Es hat sich in unserer Gemeinde, wiie auch; wohl in allen größeren jüdischen Gemeinden Deutschlands als unabweisbares Bedürfnis herausgestellt, einen sozialen Ausschuß zu schaffen, dem die Behandlung einer Reihe von außerordentlich wichtigen Fragen zufallen solL Die Vertreter der Jüdischen Volkspartei in der Nürnberger Kultusgemeinde brachten in der klaren Erkenntnis der Wichtigkeit dieser Fragen einen dahingehenden Antrag an, den Herr Dr. Bamberger in der letzten Gemeindesitzung ausführlich begründete. Als Haupttätigkeitsgebiet dieses Ausschusses kommen in Frage: 1. Berufsberatung und Hilfe bei der infolge wirtschaftlicher Notlage sich als notwendig herausstellenden Berufsumschichtung. 2. Übernahme von Vormundschaften für hilfsbedürftige Kinder jüdischer Abstammung, um zu verhüten, daß, wie es in München vorkam, solche Kinder dadurch, daß sich niemand um sie bekümmerte, dem Judentum verloren gehen. 3. Weitgehende Förderung des jüdischen Handwerks in der Erkenntnis der Wichtigkeit gerade der handwerklichen Berufsarten für das Gesamtjudentum. 4. Förderung geistiger Interessen durch Vereinheitlichung und durchgreifende Organisation aller zu diesem Zwecke zur Verfügung stehenden Anstalten und Möglichkeiten. Besonders im Hinblick auf die heranwachsende jüdische Jugend ergeben sich hier wichtige Aufgaben. Nach einer kurzen Aussprache wurde der Antrag des Referenten auf Bildung eines Ausschusses, zunächst aus dem Schoße der Gemeindevertretung, angenommen, und die Herren Dr. Bamberger, Aufseesser, Dr. Nußbaum. Götz, Mainzer und Frau Erlanger gewählt. Die Namen dieser Mitglieder des sozialen Ausschusses bürgen dafür, daß etwas Ersprießliches zustande kommt, und daß ihnen auch die Mitarbeiter Zuströmen, deren sie zu ihrem segensreichen Werke bedürfen. (Anm. der Red. Wir werden auf diese zweifellos besonders wichtige Sache in anderem Zusammenhänge noch ausführlich zurückkommen.)

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