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Das jüdische Echo · 1923-01-05 · 1 (5.1.1923) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
10 (1923)
Issue
1 (5.1.1923)
Date
1923-01-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nummer 1 5. Januar i<*23 10 Jahrgang An unsere Abonnenten! Der Abonnementspreis für das Jahr 1923 mußte vorerst auf 480 Mark für das ganze Jahr 240 ,, ,, ,, halbe 120 m 99 99 viertel „ festgesetzt werden. Eine Begründung dieser Erhöhung dürfen wir uns versagen, weil die Verhältnisse, die uns zu der Erhöhung zwingen, hinreichend bekannt sind. Ein Vergleich mit den Abonnementspreisen anderer Zeitungen und Zeitschriften zeigt, daß die Preiserhöhung eine außerordentlich bescheidene ist. Wir bitten unsere Abonnenten, den Betrag der Portoersparnis halber am besten gleich für das ganze Jahr, mittels beiliegender Zahlkarte an uns einzusenden. Wir verpflichten uns, von denjenigen, welche den ganzen Jahresbeitrag noch innerhalb des Januar einsenden, eine spätere Nachford er img nicht zu erheben. Ein Dokument der Schande Von Dr. Bruno Kirschner-Berlin. Ein Freund unseres Blattes, der seinen Wohnsitz in Berlin hat. aber die Münchener Verhältnisse auf das genaueste kennt, sendet uns zur Centralvereinserklärung folgende Zeilen: „Die Ereignisse der letzten Monate“ haben der Ortsgruppe München des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in der vorigen Woche Anlaß zu einer öffentlichen Erklärung gegeben, deren Text und letzter Sinn als bekannt vorausgesetzt werden darf. Die aus so keuscher Empfindlichkeit nur angedeuteten „Ereignisse der letzten Monate“ sind uns allen bekannt. Wir wären, versucht, sie mit dem Sammelbegriff „deutsche Kulturschmach“ abzutun, wenn uns nicht die wahre deutsche Kultur, so wie sie in den Blütezeiten des deutschen Geisteslebens erstanden ist und, geliebt und täglich neu umworben und errungen, in unseren Herzen lebt, viel zu heilig und kostbar wäre, als daß wir es wagen dürften, das Wort „deutsch“ mit dem Schmutz der Gosse in entweihende Berührung zu bringen. Wenn etwas in diesen Tagen am Platz gewesen wäre, so wäre es — sofern man papiernen Erklärungen überhaupt eine wirkende Kraft zuzusprechen bereit ist — ein kräftiger Hieb ins Gesicht der antisemitischen Hetze gewesen. Der hätte, gut gezielt, auch fest gesessen; und hätte, bei Freund und Feind, Achtung erzwungen. Die Erklärung des C. V. aber, die in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen weithin als eine inhaltslose Demonstration empfunden wird, muß als das Empörendste an Würdelosigkeit und Verr a t angesprochen werden, das sich seit langer Zeit aus jüdischen Kreisen ans Licht gewagt hat. Sie ist verächtlich, auch wenn es glücklicherweise nicht wahr sein sollte, was in München die Spatzen von den Dächern pfeifen, daß sie einem Wunsche „höheren Orts“ entspricht. Wir sind zur Zeit viel zu stark mit positivjüdischen Arbeiten und Aufgaben befaßt, als daß wir uns mit dem C.V. in lange und letzten Endes fruchtlose Auseinandersetzungen einlassen könnten. Doch zwingt die „Erklärung“ in aller Kürze zu folgenden Bemerkungen: Man hätte glauben sollen, daß der Centralverein mit dem langen Namen und dem kurzen Gedächtnis ganz klein wird, wenn er heute auf die überwältigenden Erfolge seiner dreißigjährigen Abwehrarbeit zurückblickt. Sein jüdisch-aktives Programm war ja von vornherein bescheiden; aber hat er nicht dem Kampf gegen den Antisemitismus ein Menschenalter hindurch reichlich viel Worte, Tinte und Papier geopfert? Hat er sein Ziel der Verschmelzung von Deutschtum und Judentum nicht bis zur Selbstentmannung verfolgt? Wie lange ist es her, daß aus jenen Kreisen, die so viel reden und so wenig handeln, an die deutschen Juden die lächerliche Aufforderung erging: „Tut mehr als eure Pflicht“. Wie lange ist es her, daß die „unablösliche Verbundenheit“ der deutschen Juden mit dem deutschen Volk, freilich so einseitig, beteuert wurde? Und das Ergebnis all dieser Anbiederungen? Eine antisemitische Seuche, deren Entwicklung noch unabsehbar ist. Man sollt meinen, daß der C.V. den Unsinn seiner Methode und den fabelhaften Mißerfolg seiner deutschen Judenpolitik nunmehr eingesehen hat. Aber nein — das würde ja den Unterbau seiner politisch- und jüdisch-liberalen Ideologie erschüttern. Noch immer hat der C.V., der so viel Intelligenz und Gelehrsamkeit in sich vereinigt, nicht erkannt, daß der Antisemitismus und insbesondere die kultivierte deutsche Spielart, nicht mit schwächlicher Apologetik bekämpft, sondern nur mit starker eigener jüdischer Leistung überwunden werden kann. Wie viel könnte besser werden, wenn diese bescheidene Wahrheit, die auch von den anständigen Antisemiten selbst längst erfaßt worden ist, endlich auch Gemeingut der gesamten Judenheit würde. Diesmal aber tritt zu der nicht mehr ungewohnten Würdelosigkeit noch ein neues Moment hinzu: der Verrat. Denn diese Erklärung, so vorsichtig sie auch formuliert ist, besagt doch im Grunde nichts anderes als dies: Wir deutschen Juden haben mit den Ostjuden nichts gemein. Gewiß, in dieser brutalen Nacktheit stehts nicht im Text; aber wer wüßte nicht zwischen den Zeilen zu lesen! Den deutschen Nichtjuden, deren Antipathien sich so gern gegen schwächere Gemeinschaften wenden, sind die Ostjuden ein Dorn im Auge; aber glaubt jemand im Ernst, daß sie die deutschen Juden lieben? Waren Bleichröder und Rothschild, Rathenau und Albert Baliin. Hugo Haase und

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