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Das jüdische Echo · 1922-12-29 · 52 (29.12.1922) · p. Seite 637

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
52 (29.12.1922)
Date
1922-12-29
Page
Seite 637 (sequence 8)
Language
German
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648 Das Jüdische Echo Nr. 52 ander lebendig zu verschlingen, — genau so, als würde man der Hottentottenklasse angehören . . . Ja.wenn ein Mensch hungrig ist, dann ist er wie ein Tier. Ich konnte es feststellen, als ich sah, wie unsere Kolonie sich auf den Boten, den einfachen Mann, stürzte, als er mit vollen Rockschößen aus dem Wald zurückkehrte. Gott weiß, wie es ihm ergangen wäre, wenn er mit leeren Händen zurückgekehrt wäre. Der größte Gentleman, der Aristokrat, der Millionär, wäre der erste gewesen, der sich auf ihn gestürzt und ihn bei der Kehle gepackt hätte. Aber zum Glück brachte unser Sendling so süße, frische, wohlschmeckende Bananen und so fette, kernige Nüsse, daß wir wiederum wie die wilden Hottentotten ihm' entgegenstürzten und einander die guten Sachen aus den Händen rissen. Die Bananen und Nüsse schmeckten so würzig, daß man nicht aufhörte, sie zu preisen. Jeder fand einen anderen Geschmack heraus und sagte seine Meinung. Je mehr der Hunger gestillt wurde, umso redseliger wurde man, die Gesichter begannen zu leuchten, ein Lächeln erschien um die Lippen — wir wurden andere Menschen! Einer bemerkte, daß Bananen die beste Frucht der Welt seien, ein anderer sagte, daß man von Bananen das ganze Leben lang leben könne, ein dritter wies gemäß Darwin nach, daß die ersten Menschen der Urzeit sich nur von Früchten genährt haben, wahrscheinlich von Bananen, weil sie mehr sättigten, als alle anderen Früchte. Ein vierter suchte zu beweisen, daß Darwin das Gegenteil behauptete. Der fünfte, der sich hineinmischte, vertrat eine entgegengesetzte Meinung... „Wozu hätten die Menschen so gute Zähne, wenn sie sich nur von Bananen ernährt hätten?“ — meinte er . . . Endlich erschien der Orthodoxe, der einzige fromme Jude, der für uns alle den Segensspruch über die Früchte sagte und uns klein machte, uns gleichsam die Flügel abschnitt. „Um was zankt ihr euch? Habt ihr denn vergessen, was in der Thora geschrieben steht? Gott hat Adam angesagt: „Von allen Bäumen im Garten sollst du essen, nur von zwei Bäumen sollst du nicht essen.“ Gegen diese Deutung erhob sich selbstverständlich der Atheist; so entspann sich zwischen den beiden ein kleiner Streit, aber nicht von bösartiger Natur. Bekanntlich ist der Mensch nach dem Essen viel besserer Stimmung, als wenn er einen leeren Magen hat, besonders aber, wenn man so lange Faststunden hinter sich hat, wie wir auf dem Meer. Die süßen Bananen und die fetten, wohlschmeckenden Nüsse hatten uns so gesättigt, daß wir in unseren Gliedern einen Balsam, in den Herzen eine Erquickung empfanden und wieder hell dreinschauten. Wir empfanden das Bedürfnis nach Ruhe, uns in dem weichen, grünen Gras auszustrecken, das Antlitz nach oben gekehrt, so daß wir den tiefblauen Himmel sehen konnten. Wir lagerten uns also alle dreizehn in das grüne, weiche Gras und, schauten zum Himmel empor. Doch nicht lange betrachteten wir den tiefblauen Himmel, bald fielen uns die Augen zu und wir schlummerten ein. Es war kein kurzer Schlummer, denn als wir erwachten, hatte die Sonne bereits einen großen Teil ihrer Bahn zurückgelegt. Das erste, wonach wir verlangten, war Wasser! (Fortsetzung folgt.) Gemeinden-u. Vereins-Echo Zionistische Ortsgruppe. Am 21. Dez. veranstaltete die Zionistische Ortsgruppe ihre diesjährige Makkabäerfeier zugunsten des Keren Kajerneth Lejisrael. Das Fest, das sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis der nationaljüdischen Gemeinde Münchens gestaltete, nahm einen harmonischen Verlauf. In glänzenden Vorträgen bewiesen Herr und Frau Marie aufs neue ihre Meisterschaft. Auch Heinrich Schalits Darbietungen fanden berechtigten enthusiastischen Beifall, der ihm sowohl als dem Pianisten als auch dem Komponisten galt. Der heitere Teil ließ ebenfalls keh nen Platz für Langeweile. Wenn das ganze Programm nicht gebracht werden konnte, so trifft die Schuld daran die alte Unsitte des Zuspätkommens, die hoffentlich bis zum Purimfest ausgestorben sein wird. Alles in allem war der Erfolg — auch in finanzieller Hinsicht — ein sehr großer. Allen, die an ihm mitgeholfen haben, Spendern und Helferinnen, sei an dieser Stelle nochmals der herzlichste Dank ausgesprochen. Der Palästinafilm gelangt in nachfolgenden Städten zur Aufführung: 31. Dezember Bamberg, 7. Januar Fulda, 14. Januar München, 21. Januar Augsburg, 28. Januar Bayreuth. Protokoll aus der 11. Generalversammlung des Jüd. Turm- und Sportvereins Bar Kochba München am 14. Dez. 1922 im Bauerngirgl. Nach beschlossener Aufnahme des Furim und Fußball-Abteilung des B. K. erstattete Herr Masur den Jahresbericht, aus dem wenig Erfreuliches zu hören war. Das zum großen Teil Mitversagen der einzelnen Abteilungen schreibt der Vorsitzende größtenteils den Mitgliedern selbst zu. die im vergangenen Jahre jegliches Interesse zum Verein vermissen ließen. Diesem Berichte folgte der des Kassiers, Herrn Gröger, hierauf die der einzelnen Abteilungen, für die die Herren Heumann I für die Leichtathletik-Abteilung. Meyerstein u. Orljansky für die Jugend, die Damen Camilla Hohenberger und Friedl Goldfarb für die Damenbezw. Mädchen-Abteilung referierten. Erfreuliches konnte man fast nur von den beiden Jugendleitern hören. Nach dem Berichte der beiden Kassaprüfer, Hrn. Basch und Adolf Misch, wurde der Gesamtvorstandschaft Entlastung erteilt. Die stürmisch verlaufene Neuwahl zeitigte folgendes Bild: 1. Vorsitzender: D. Masur, Kobellstraße 15, Tel. 53878; 2. Vorsitzender: Josef Orljansky, Neuhauserstraße 29, Tel. 54561; 1. Schriftführer: Michael Mahler, St. Paulstraße 9/1, Telefon 55197; 2. Schriftführer: Fanny Orljansky, Neuhauserstr. 29, Tel. 54561; 1. Kassier: Max Gröger, Theresienstraße 70, Telefon 21245; Turnwart für Herren: Gottfr. Fränkel, Wagmüllerstraße 16. Tel. 20659; für Damen: Camilla Hohenberger, Glockenbach 4; für Mädchen: Friedl Goldfarb, Schweigerstraße 4, Tel. 21552; für Leichathletik-Abteilung: Albert Heumann. Andrestraße 2, Tel. 73161; für Fußball-Abteilung: Ludw. Marx, Herzog Rudolfstraße 24, Tel. 21755; für Boxer und Jiu Jitsu: Norbert Goldstern, Widenmeyerstr. 36, Tel. 27583. Die Mitglieder werden nunmehr aufgefordert, sich ihrer Pflicht im Jahre 1923 bewußter als bisher zu sein; denn große Aufgaben stehen bevor, ihre restlose Erledigung bedarf der Unterstützung sämtlicher Bar Kochbaner. Alle Mitglieder werden dringendst gebeten, die Turn- und Trainingstage fleißig zu besuchen. Als Trainer wurden gewonnen für die Turn- Abteilungen: Herr Schindelbeck, früher Turnlehrer im Turnverein von 1860; für die Leichtathletik- Abteilung: Herr Böhm, ebenfalls aus der L.-Abt.

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