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Das jüdische Echo · 1922-12-29 · 52 (29.12.1922) · p. Seite 632

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
52 (29.12.1922)
Date
1922-12-29
Page
Seite 632 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo ■■■■■MBMBaMMWHWPIIIi’ifIBnBBgHB 3E«MaaWMBW—■—a Nummer 52 29. Dezember 1922 9. Jahrgang Rede von Frau Dr. Rahe! Straus auf der Makkabäerfeier der Zionistischen Ortsgruppe München Chanukkah 5683 Sie werden etwas erstaunt sein, daß inan gerade die Makkabäer-Rede einer Frau übertragen hat! Ich muß Ihnen gestehen, es ging mir ebenso, und ich fragte unseren verehrten Vorsitzenden, als er mich zu dieser Rede aufforderte, wieso kommen Sie gerade auf mich? Da antwortete er mir, er möchte gerne einmal einen der älteren Zionisten zu Worte kommen lassen! Da sagte ich zu. Denn, wenn es mich auch mit leisem Bedauern erfüllte,, nun zu den älteren Zionisten zu gehören, so erfüllte es mich doch auch mit Stolz! Ja, wir älteren Zionisten, wir haben die Zeit, die den heutigen schon Geschichte geworden, als waches, wunderbares Erlebnis durchlebt. Und ich erlebte in Gedanken nochmals jene Zeit! Wir waren Kinder, als wir hörten, daß der Heidelberger Professor Schapira einen Kreis junger Zionsfreunde nach Köln zusammenberief. Unsere Kinderträume wurden mächtig erfüllt von dem Gedanken, Zion soll wieder errichtet werden! Und dann kam der Ruf Herzls zum 1. Basler Kongreß. Zu jung waren wir noch um hinzugehen, aber mit Neid verfolgten wir die Glücklichen. die dem Rufe folgen konnten. Wie erwarteten wir ihre Rückkehr, um so recht jede Einzelheit zu erfahren! Und sie kamen, die ersten, die sich zusammengefunden. Und ihre Augen glänzten, wenn sie berichteten und unsere Herzen schlugen höher — damals waren wir wirklich Träumende, so nah wähnten wir, daß der Herr uns zurückgeführt nach Zion. Wir waren ja noch so jung. Leider alle waren wir jung, die wir uns um die Zionsfahne scharten, empörend jung. Kaum einer in Amt und Würden, wenigstens unter den deutschen Juden. Und ein Neues war ins jüdische Leben getreten — eine Heldenverehrung, die einem Juden galt, unserem Führer Herzl! Das muß gesagt werden, immer wieder, gerade heute., wo man so gerne mit scharfer Kritik an Herzl herangeht. — Wir Juden hatten verlernt, Helden, Führer unter unseren Volksgenossen zu suchen, ja wir glaubten gar nicht mehr an sie. Da kam Herzl! Es ist gleichgültig, ob er da oder dort Anfechtbares oder auch Falsches geschrieben. Er trat auf und seiner Persönlichkeit beugten sich alle, auch die viel kritischeren Juden aus dem Osten. Trat er in den Saal, so erhob sich spontan der ganze Kongreß — im wildesten Tumult brauchte Herzl nur die Hand zu erheben und alle schwiegen. Wenn er sprach, so lauschten alle atemlos seinen Worten, wem er die Hand drückte, der fühlte sich geadelt, freundliche Worte, die er einem gab, haben manche als heiliges Vermächtnis durchs ganze Leben bewahrt. — Und nun erst wir ganz Jungem! Wir hatten ein neues Ideal und wir hatten einen neuen Führer, unser Sein schien uns in einem anderen Lichte! — Damals war es, wo aus dem religiösen Fest des Lichtwunders das Fest der Makkabäer wurde, ein Fest eines Volkes, das voll Stolz seiner Helden gedenkt, die es einst aus Knechtschaft zur Freiheit geführt. Wir verglichen uns ja so gerne im stolzen Überschwang selbst mit den heldenhaften Makkabäern. Wie wenig Recht hatten wir dazu! Wir brauchten ja so gar keine Helden! Zwei Makkabäer-Eigenschaften allerdings. die hatten wir: Treue zu unserem Volke und Bekennertum. — Treue zu unserer Art, zu unserem Volke, das war damals mehr wie heute. Denken Sie daran, daß wir in einem mächtigen starken Deutschland lebten, dessen Macht und Größe uns so fest begründet schien wie die Grundpfosten der Erde selbst. Wir lebten in einem Deutschland, das voll war von Kunst und Wissenschaft, voller Aufgaben und Ziele, in einem Deutschland, das wir liebten. Da gehörte schon Makkabäertum dazu, zu seinem Volke zu stehen, seine Art zu bewahren. Und Bekennermut! Nicht nach außen war der nötig. Unsere christlichen Freunde verstanden unser Ideal. Aber nach innen war der nötig. Das Mildeste, was man zu erwarten hatte, wenn man von Zionismus sprach, war ein ironisches Lächeln, das unserer jugendlichen Torheit galt; aber es ging leicht über in Zorn und feindseligen Angriff, aus Angst, unsere Gedanken könnten die Ruhe des gutem deutschen Juden gefährden. — Und die Kongresse folgten sich und langsam, viel zu langsam, erweiterte sich unser Kreis. Wir fühlten mit Herzl die Enttäuschung, daß die großen Massen nicht kommen wollten, d. h. in den Massen fand die Bewegung lauten Widerhall — aber die Führenden, die Reichen. sie blieben fern. — Und die Makkabäerfeiern blieben auch! Wieviele Makkabäerreden habe ich gehört in all diesen Jahren! Manche sind auch schon historisch geworden, im heutigen Deutschland kaum mehr zu verstehen! Ich erinnere mich an eine, die Vergleich zog zwischen der Zeit der Makkabäer und unserer Zeit, die von den Griech- Jingen sprach, die so ganz unseren deutschen Juden glichen, die nur ein Ideal hatten, in Tracht, Sitte, Sprache und Kultur den Griechen gleich zu werden, um ganz in ihnen aufzugehen! — Welcher Jude glaubt heute noch daran, daß ihm diese mimikry gelingen könnte, wo ein vom Haß geschärftes Auge nach dem kleinsten Tropfen jüdischen Blutes ausspäht? An eine andere Rede denke ich, an die sich wohl alle noch erinnern, an die von Arnold Zweig! Er feierte als unsere Makkabäer die, die im Weltkrieg gekämpft, die im Weltkrieg gefallen waren! Es klang so schön! Aber unsere Makkabäer waren das nicht! Nicht, daß ich ihr Heldentum schmälern will, onein. ich trauere ja doppelt über sie, die fallen mußten nicht für ihres eigenen Volkes Größe, und der Schmerz darüber wird nur dadurch gemildert, daß fast eim mystischer Glaube in uns lebt, daß vielleicht ihr Opfertod nötig war. um uns die Heimaterde wieder zu gewinnen. Aber zum Makkabäertum gehört es vor allem, für sein eigenes Ideal, für seinen eigenen Gott zu leben und wenn es nottut, zu sterben. In diesem Sinn, ich weiß es wohl, kann man sagen, seit der Zerstörung des zweitem Tempels hat ganz Israel dieses Makkabäerheldentum auf sich genommen. Immer und immer wieder. Und auch unsere Generation muß beweisen ob dies Heldentum noch in ihr lebt. Viele, viele, das ist mir bewußt, werden so in ein Heldentum hineingetrieben, das sie zähneknirschend

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