Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 49 (8.12.1922)
- Date
- 1922-12-08
- Page
- Seite 609 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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608 Das Jüdische Echo N r. 49 nicht selbst mitwirken kann, die historische Aufgabe des Momentes zu erfüllen, hat doppelte und dreifache Verpflichtung, denen, die als Pioniere für unsere gemeinsame Sache vorangehen, den Weg zu ebnen. Das ReisegeLd für diese Ghaluzim aufzubringen, ist eine Ehrenpflicht der Zionisten. Diese Aktion muß im Laufe des Monats Dezember mit allem Nachdruck durchgeführt werden. Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat sich gleichzeitig mit den zentralen Instanzen der Bewegung in Verbindung gesetzt, um eine dauernde Regelung der Alijah-Frage herbeizuführen. Unabhängig davon muß aber für die Übersiedlung der im Augenblick bereitstehenden Chaluzim gesorgt werden, da bis zum Ende Dezember, wo sie bereits auf der Reise sein müssen, die endgültige Regelung der Alijah-Frage nicht erfolgt sein kann. An alle Zionisten ergeht der Ruf, sich mit aller Kraft für diese Sammlung einzusetzen. Jeder Zionist muß ein Maximum beitragen, muß unablässig für den Fonds werben, weitere Zeit darf nicht verloren werden. Der Transport muß noch im Dezember abgehen. Zionisten, leistet Euren Beitrag für die Übersiedlung der Chaluzim. Bedenket, daß das Reisegeld in Goldwährung bezahlt werden muß und besteuert Euch selbst in Goldwährung für diesen Zweck. Es wäre eine nie wieder gut zu machende Schande für das deutsche Judentum, wenn die Aktion keinen vollen Erfolg brächte. Zionisten, geht sofort an die Arbeit. Es gibt nichts, was heute auf das jüdische Volk einen ähnlichen Eindruck machen könnte, als die Parole für die Alijah, für den Aufbau neuen jüdischen Lebens durch jüdische Arbeit Palästina braucht Menschen. Unsere Sache ist es. Menschen zu senden, die zu aufbauender Arbeit fähig sind. Kein Teil des Volkes darf sich der Verpflichtung entziehen. Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin. Zur Leitung der Aktion wurde vom Landesvorstand ein engeres Komitee eingesetzt, bestehend aus den Herren: Dr. Arlosoroff, Dr. Moses und Waldmann. Die Adresse des Komitees ist: Sächsische Straße 8, wohin auch alle Beiträge zu richten sind. Die JudenStatistik im deutschen Heere Über die famose Judenzählung im deutschen Heere, deren Motive ebenso unerhört als ihre tatsächlichen Feststellungen unrichtig waren, ist seit den grundlegenden Feststellungen Profess. Franz Aeuhcrusers/r. 75, gegenüber der alten TJkadem’k Oppenheimers von gegnerischer Seite wesentliches nicht mehr veröffentlicht worden. In welch unglaublicher Weise die damals gegen uns in rücksichtslosester Weise ausgebeuteten Zahlen zustande kamen, zeigt recht deutlich auch der folgende aus unserem Leserkreise an uns gelangte Bericht. Die Zuverlässigkeit der amtlichen Zahlen über die „Juden im Heer“ dürfte durch nachstehenden Bericht eine eigenartige Beleuchtung erfahren: III. Bataillon, Infanterie-Regiment Nr. 88 „König Konstantin von Griechenland“, Reservestellung am Kanonenberg-Abreuveur (Protzenschlucht — Küchenschlucht). An einem bestimmten Tage der Woche 30. Jan. 1916 bis 5. Februar 1916 hatten sämtliche Kompagnien laut Divisionsbefehl zu melden, wieviel Juden sich an dem betreffenden Tage in der Kompagnie befänden. Ich war zufällig im Unterstand der 12. Kompagnie anwesend, als der Kompagnieschreiber telefonisch „Fehlanzeige“ meldete. Ich erkundigte mich daraufhin auch bei den übrigen Kompagnien (9., 10., 11.) und erfuhr dort, daß auch von diesen „Fehlanzeige“ gemeldet worden sei. Ich gehörte der 9. Kompagnie an, mit mir noch zwei andere Juden. In der 10. Kompagnie war kein Jude, dagegen in der 11. zwei und in der 12. drei, im ganzen Bataillon also 8! Und trotzdem ist nicht ein einziger gemeldet worden. Als ich nach der Ursache forschte, ermittelte ich, daß die Herren Feldwebel nicht im Klaren darüber waren, was das Wort „mos. Glaubens“ bedeute. Wörtlich hieß es im Divisionsbefehl: „Angehörige mos. Glaubens“. Der Feldwebel der 12. Kompagnie hatte sogar ,*mes.“ gelesen und kombinierte sich „mesopotamischen Glauben s“. Aus dieser Unwissenheit der Feldwebel entstanden die Fehlanzeigen. Meiner Bitte um nachträgliche Berichtigung wurde nicht stattgegeben mit der Begründung, daß „gemeldet“ eben „gemeldet“ sei. Palästina. Das Nationalmuseum Jerusalem. (J.C.B.) In den nächsten Tagen wird durch eine Verlautbarung der Regierung die Eröffnung des palästinensischen Nationalmuseums bekanntgegeben. Das Museum wird unter dem Protektorat des Oberkommissärs Sir Herbert Samuel, des Baron Edmund Rothschild, sowie des Vorsitzenden der Zionistischen Exekutive in Palästina Ussischkin stehen. Das Museum wird von einem Komitee verwaltet werden, welches sich aus zwei Mitgliedern der palästinensischen Regierung, zwei Mitgliedern der Zionistischen Exekutive in Palästina, sowie zwei Mitgliedern des „Waad leumi“ zusammen setzt. Ständiges Mitglied der Kommiision ist auch der Direktor der Jerusalemer Kunstschule Bezalel Prof. Boris Schatz. Den Grundstock des neuen Museums bildet eine Sammlung, die bis jetzt Eigentum der Schule Bezalel war. 60 neue Häuser in Petach Tikwah Im Laufe des verflossenen Jahres wurden in Petach Tikwah 60 neue Häuser erbaut und 50 repariert. Das jüdische Handelsviertel in Jerusalem J e r u s a 1 e m. (J.C.B.) Vor kurzem weilte hier der Vertreter des Ökonomischen Komitees für Palästina, Sir Walter Cohen aus London, der mit den Vorstehern des jüdischen Merkas Mischari (Handelszentrum) wegen der Erbauung eines jüdischen Handelsviertels in Jerusalem Unterhand-