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Das jüdische Echo · 1922-12-01 · 48 (1.12.1922) · p. Seite 599

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
48 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
Seite 599 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4$ Das Jüdische Echo 599 bisherige Arbeiterführer Clynes wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden, Arthur Henderson zum Haupteinpeitscher, Stephan Walsh und Oberst Wedgewrood zu Vizepräsidenten der parlamentarischen Arbeiterpartei gewählt Die angeführten Funktionäre der Arbeiterpartei sind alle warme Freunde der zionistischen Sache. London. (J. C. B.) Unter den neugewählten Deputierten für das englische Unterhaus befinden sich 11 Juden. Von ihnen gehören der konservativen Partei an: Sir Philipp Sassoon (ohne Gegenkandidaten gewählt). Sk Walter de Frece, Major Brunei Cohen, Major Lionel de Rothschild, Mr. Samuel Samuel und Mr. A. M. Samuel; der Gruppe der Lloyd George-Liberalen gehören an: Sir Alfred Mond. Sir Arthur Levy-Lever und Mr. E. A. Strauß; den unabhängigen Liberalen (Asquith- Gruppe) zählt sich Percy Harris zu; der Arbeiterpartei M. Shinwell (das erste jüdische Parlamentsmitglied der Arbeiterpartei). Im ganzen waren von den verschiedenen Parteien 35 jüdische Kandidaten aufgestellt worden, von denen aber 24 nicht gewählt wurden. Unter den Nichtgewählten befinden sich der frühere Staatssekretär für Indien, E. S. Montage. Polen Subventionierung der jüdischen Schulzentrale in Wilna W11 n a. (J. C. B.) Der Stadtrat von Wilna bewilligte für die jüdische Schulzentrale abermals eine Subvention in der Höhe von zwei Millionen Mark. Die Gesamthöhe de;r Subventionen an die jüdische Zentrale erreicht somit die Summe von fünf Millionen Mark. Henkertat polnischer Gymnasiasten an einem jüdischen Kollegen Wilna. (J. C. B.) Die Wilnaer Tageszeitung „Unser Tog“ berichtet aus der Stadt Lida irn Wilnaer Gebiet über einen grausenerregenden Bestialitätsakt einer ganzen polnischen Schülerklasse an ihrem einzigen jüdischen Klassenkollegen. An einem Tag Ende Oktober haben sieh die Schüler der dritten Klasse des Staatsgymnasiums in Lida unter dem frischen Eindruck einer Geschiohtslektion des als extremen Antisemiten bekannten Lehrers Winzusch, die sich zu einer antijüdischen Hetzrede gestaltet hatte, nach Beendigung der Lektion über den einzigen jüdischen Schüler in dieser Klasse. Asohikowskr, geworfen und ihn an einer Schnur aufgehängt. Nachdem dies geschehen, verließen die jungen Henker fluchtartig das Klassenzimmer. Zum Glück betrat nicht lange darauf ein Gymnasiast aus einer höheren Klasse das Zimmer und befreite das Opfer aus der Schlinge. Es dauerte lange, bis man Aschikowski ins Bewußtsein zurückbringen konnte. Er mußte darauf noch eine Woche lang schwer krank, das Bett hüten. Auf Grund dieses Bestialaktes wurden 2 Gymnasiasten der dritten Klasse, welche als die Anreger der Henkertat ermittelt wurden, aus dem Gymnasium ausgeschlossen. In der Stadt selbst erfuhr man erst spät von dieser Tat, da Aschikowski selbst, aus Furcht daß ihm der Besuch der Schule unmöglich gemacht werden wird, nichts über das Attentat auf ihn verlauten ließ. Literarisches Echo Ein englisches Palästina-Handbuch Im Verlage von Mc. Millan & Co. und unter Förderung der palästinensischen Regierung ist ein von Mr. H. Ch. Luke, stellvertretender Gouverneur von Jerusalem und Mr. Edward Keith Roaeh verfaßtes Palästina-Handbuch herausgekommen. Die Einleitung wurde vom High Commissioner Sir Herbert Samuel geschrieben. Das Handbuch enthält eine kurze geographische und historische Skizze des Landes und reiches Informationsmaterial bezüglich Reisen, Post, Handel, Administration, Erziehungswesen u-sw. Was die jüdische Bevölkerung in Palästina betrifft, so enthält das Handbuch einen kurzen Überblick über die Geschichte und Ziele der jüdischen Kolonisation, ferner die bekannten Stellen aus dem Interimsbericht des Oberkommissariats, in denen die jüdischen Aspirationen und die Ziele und Ideen des modernen Zionismus geschildert werden. „Das neue Palästina“ Die Nummer der „Berliner Illustrierten Zeitung“ vom 19. November enthält einen Artikel Dr. Manfred Georgs „Das Neue Palästina“, der einen kurzen Überblick über die politische Stellung und Entwicklung Palästinas während der letzten Zeit gibt. Im Anschluß daran werden sieben Photographien aus dem neuen Palästina, die Herzlstraße in Tel-Awiw, jüdischer Wächter, die Zeltlager der Kolonisten gegen räuberische Überfälle der Araber beschützend, Tabakpflanzungen in Ein Harod, Eingang zu einer Musterfarm in Daganiah. Musterfarm in Daganiah, Farm in Kinereth und ein Kindergarten wiedergegeben. Kleines Feuilleton i Ostjüdische Sprichwörter Diese kleine Auswahl mag dem Leser die Klugheit. Menschenkenntnis und den Humor des jüdischen Volksmundes erweisen. (Anmerkung der Redaktion.) Wenn man das Altern scheut, soll man sich in der Jugend aufhängen. Halbe Wahrheit ist ganze Lüge. Armut ist keine Schande, aber auch keine besondere Ehre. Ißt der arme Mann ein Huhn, so ist entweder er krank oder das Hulm. Borgt man jemandem Geld, so kauft man sich einen Feind. Scheren lernt man am besten an einem fremden Bart. Lebte Gott auf dieser Welt, so schlügen ihm die Menschen alle Fenster ein. Ein Huhn, das kräht, ein Go}, der Jüdisch spricht, und eine Frau, die Talmud studiert —. taugen alle nicht. Ein Dachdecker und ein Kaminkehrer dürfen nicht als Zeugen vernommen werden, denn beide stellen für Geld ihr Leben aufs Spiel. Dem Freund gebe man einen schlechten Rat und dem Feind einen guten. (Es wird angenommen, daß jeder das Gegenteil von dem tut, was man ihm rät.) Gerät der Geizhals in fröhliche Stimmung, so kommt es ihm auf den fremden Gulden gar nicht an. Sich kratzen und borgen hilft nur eine Weile. Seit das Sterben aufgekommen ist. ist man seines Lebens nicht mehr sicher. Verstand ohne Glück ist wie ein ungeschliffener Diamant. Wenn man sich schämt, bekommt man keine Kinder.

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