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Das jüdische Echo · 1922-11-24 · 47 (24.11.1922) · p. Seite 588

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
47 (24.11.1922)
Date
1922-11-24
Page
Seite 588 (sequence 8)
Language
German
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588 Dis Jüdische Echo Nr. 47 tag. den 12. November hier die feierliche Einweihung des Gedenksteins, den die Israelitische Kultusgemeinde ihren Gefallenen errichten ließ, statt. Die Feier begann in der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes mit mehreren Chorgesängen des Synagogenchors, zwischen welche ein Sologesang des Herrn Kantors F r ä n k e 1 eingeschaltet wurde. An die Gesänge schloß sich dann die Gedächtnisrede des Herrn Rabbiners Dr. Freudenthal an. HerT Dr. Freudenthal knüpfte in seiner Ansprache an ein Wort des Thoraabschnittes der vergangenen Woche (Hinneni hier bin ich) in äußerst wirkungsvoller Weise an. Zum ersten Male, so führte er aus, hätten die, denen der Gedenkstein geweiht sek ein freudiges Hinneni gerufen, als es galt sich zur Verteidigung des bedrohten Landes zur Verfügung zu stellen. Außerordentlich groß sei die Zahl derer gewesen, die sich freiwillig zu den Waffen gemeldet hätten. An einem Beispiele zeigte der Redner, wie einer seiner Lieblingsschüler von Ort zu Ort gefahren sek um bei irgend einer Waffengattung unterzukommen; so ungeheuer stark sei der Drang gerade der jüdischen Jugend gewesen, sich zum Schutze der bedrängten Heimat zur Verfügung zu stellen. Ein zweites Hinneni hätten die tapferen Söhne unserer Gemeinde gerufen, als es sich darum handelte, alsbald nach der Wiedergenesung von schweren Verwundungen an der Front in vorderster Linie den Kampf aufzunehmen und mtt Einsetzung aller körperlichen und geistigen Kräfte dem oft übermächtigen Ansturm der Feinde stand zu haltern Es sei zweifellos, daß auch hier die Blüte der jüdischen Jugend ihren Mann in jeder Hinsicht gestanden habe. Zum dritten Male hätten die Kriegsopfer aus den Reihen jüdischer Kämpfer ihr Hinneni gerufen, als sie das unerbittliche Schicksal in der Blüte der Jugend, in voller Manneskraft, als Jünglinge, als Männer und Familienväter aus den Reihen der Lebenden hinweggefordert habe, als sie Deutschland das letzte Opfer gebracht hätten, das Menschen zu bringen im Stande sind. Er müsse diesen Weihetag als einen der schmerzlichsten Trauertage der Gemeinde bezeichnen, da er die Erinnerung an nicht weniger als 178 Gefallene wachrufe. Trotzdem solle dieser Tag ein Tag der Ehre sein im Gedenken an diejenigen, die durch ihre Hingabe bis zum Letzten der Gemeinde Ehre gebracht hätten. Mit scharfen Worten wandte sich dann Herr Dr. Freudenthal gegen den gerade in den letzten Tagen und Wochen mit unerhörtem Fanatismus und skrupelloser Ruchlosigkeit arbeitenden Antisemitismus. der gerade im Hinblick auf unsere Gefallenen noch schmerzlicher für uns und noch beschämender für seine Anhänger sein müsse. Nach der Trauerrede bewegte sich die ungemein zahlreiche Versammlung in feierlichem Zuge zum Denkmal. Hier hielt Herr Geh. Justizrat Dr. Held, der erste Vorsitzende der Kultusgemeinde im Namen des Vorstandes der Kultusgemeinde eine Ansprache. Er betonte, daß unsere Kriegsopfer Männer waren, die mit deutscher Treue und jüdischem Pflichtgefühl, oder wie man mit genau demselben Rechte sagen könne, mit jüdischer Treue und deutschem Pflichtgefühl hinausgezogen sind und ihre Hingabe mit dem Tod besiegelten. Auch die Rede des Herrn Geheimrat Held bedeutete einen flammenden Protest gegen die antisemitischen Umtriebe. Für den Bund jüdischer Frontsoldaten sprach sodann Herr Rechtsanwalt Dr. Landenberger, der feststellen mußte, daß die Opfer unserer Gefallenen zwiefach umsonst gewesen seien. Nicht nur der Krieg habe für uns den ungünstigsten Ausgang genommen, sondern man verweigere heute noch den Juden, wenn auch nicht auf dem Papier, sondern doch in Wirklichkeit wahre Gleichberechtigung und der Antisemitismus hebe infolge der wirtschaftlichen Notlage, in der sich Deutschland befindet, nur noch frecher und ungezügelter sein Haupt. Unter Ansprachen legten Kränze nieder ein Vertreter des Bayerischen Kriegerbundes, von dem auch zwei Fahnen zur Stelle waren und Abgeordnete verschiedener Offiziersvereinigungen und Regimenter. Es ist bedauerlich, daß nur einer dieser Herren Gelegenheit nahm, zu betonen, daß dieser Gedenkstein ein Grundstein sein solle künftiger gemeinsamer Arbeit. Mit Gebet und Gesang schloß die Feier. Der von dem Münchener Architekten Landauer entworfene sehr glücklich komponierte Gedenkstein stellt einen Greifen dar, der in einer Kralle den Magen Davids hält. Der Stein trägt die Aufschrift: „Alle sind Helden“, in hebräischer und deutscher Sprache. 6 große Tafeln halten die Namen der Verblichenen fest. Spendenausweis Jüdischer Natlonalfonds Spenden aus München Farn. A. Strumpf grat. Farn. Notowitz u. Tuchmann z. Brith Milah, Rauchwerk-Fischbein z. Verl, (unk verspät.) 100.—, z. Verl. Strimipf-Stechler grat. "ßiuThallmaier München ThsaünedCrAÖ. Glaser V2irm

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