Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 9 (1922)
- Issue
- 45 (10.11.1922)
- Date
- 1922-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Nummer 45 10. November 1922 9 Jahrgang Die englische Palästina^Politik bleibt unverändert. London, (I. C. B.) Bei dem Kolonien-Ministerium ist ein Telegramm des englischen Oberkommissärs in Palästina, Sir Herbert Samuel, eingetroffen, in welchem der Oberkommissär anfragt, ob die Einsetzung eines neuen unionistischen Kabinetts auch eine Änderung der englischen Palästina-Politik mit sich bringe. Das Kolonien- Ministerium hat die Anfrage Sir Herbert Samuels sofort beantwortet und erklärt, daß der Regierungswechsel keine Änderung der Palästina-Politik bedeute. — Wie wir aus autoritativer Quelle erfahren, beabsichtigt der neue britische Kolonienminister, Herzog von Devonshire, sich bei der Durchführung der Palästina-Politik von den Prinzipien leiten zu lassen, die in der letzten Regierungserklärung betreffend Palästina festgesetzt sind. Tagung des Verbandes Bayer. Israelitischer Gemeinden Am 30. und 31. Oktober dieses Jahres trat in München der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zusammen, der, im Jahre 1920 als Körperschaft des öffentlichen Rechtes gegründet, die bayerischen Juden zur Pflege ihrer religiösen Interessen zusammenfaßt und die Gemeinden gegenüber Staat und Öffentlichkeit vertritt. Der alte Rathaussaal, der vom Stadtrat München in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt war, bot einen prächtigen Raum für die Verhandlungen, zu der ca. 100 Männer und Frauen als Delegierte aus allen Teilen Bayerns und1 der Pfalz erschienen waren. Nach Eröffnung der Tagung durch den Vorsitzenden« Herrn Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt, sprach Rabbiner Dr. Baerwald Worte religiöser Weihie für das Werk, das der Förderung der religiösen Interessen dient; er erinnerte an die Niederbrennung der ersten Münchner Synagoge und ihrer Insassen im Jahre 1285, die in der Nähe des Rathauses, in der heutigen Gruftstraße stand. Geh, J.-R. Prof. Dr. Frankenburger -München begrüßte sodann im Namen der Kultusgemeinde München die Versammlung und erwähnte, daß von München aus vor 15 Jahren die Bewegung ausgegangen sei. die sodann zur Gründung des Verbands geführt hat. Er wies auf die beklagenswerten antisemitischen Ereignisse hin, die ganz besonders in München in die Erscheinung getreten seien. Der Vorsitzende begrüßte sodann die Versammlung und die Vertreter der Behörden, von denen die Ministerien für Unterricht und Kultus und des Innern, Herrn Oberamtmann Metzger, das Ministerium des Äußern Herrn Oberregierungsrat von Sehellhorn, die Stadtgemeinde München Herrn Stadtrat Dr. Nußbaum und auch die Polizei di rektion einen Vertreter entsandt hatte, während andere Behörden durch Begrüßungsschreiben ihre Teilnahme bekundet haben. Herr Oberamtmann Metzger überbrachte mit einer verständnisvollen und warmen Würdigung der Ziele des Verbandes die Wünsche des Kultusministeriums, Oberregierungsrat von Schellhorn die Wünsche des Herrn Ministerpräsidenten, der insbesondere den Vertretern der besetzten Gebiete und der Saarpfalz seine Grüße entbieten ließ. Stadtrat Dr. N u ß b au m übermittelte die Grüße der Stadt München und betonte, daß unerfreuliche Erscheinungen, die sich in München gegenwärtig so oft zeigen« im Stadtrat niemals ein Echo gefunden hätten. Nachdem Rechtsanwalt Dr. Silber schmidt- Bad Kissingen an Stelle des in den Rat übergetretenen Rabbiners Dr. S t e i n-Schweinfurt zum 2. Vorsitzenden der Tagung einstimmig gewählt war, gibt der Präsident des Verbandes, Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer - München. einen groß angelegten Bericht über die Tätigkeit des Verbandes, dem alle bayerischen Gemeinden bis auf 2 angehören. Er gedenkt zunächst dankbar der verständnisvollen und wohlwollenden Unterstützung des Verbandes seitens des Kultusministeriums. sowie der Tätigkeit des Herrn1 Ministerialrats Dr. Hetzner., der jahrelang die Angelegenheiten der israelitischen Religionsgesellschaft im Kultusministerium mit größter Sachkenntnis und warmer Förderung bearbeitet hat. Er betont, daß die Voraussetzungen für ein gedeihliches Arbeiten des Verbandes, das Vertrauen aller seiner Teile, sowohl der religiösen Richtungen untereinander, wie auch der Rabbiner gegenüber dem Verbände in vollem Umfang gegeben seien. Zu den praktischen Arbeiten des Verbandes übergehend zeigt der Redner, daß eine zeitgemäße Besoldung der Rabbiner und Lehrer in leistungsschwachen Gemeinden eine vordringliche Aufgabe des Verbandes geworden sei. Erst 13 Gemeinden in Bayern hätten bisher ihre Beamten nach der staatlichen Besoldungsordnung eingereiht; im übrigen habe der Verband Leitsätze zur Besoldung geschaffen und bereits große Mittel aufgewendet, während es zu beklagen sei, daß von Seiten des Staats nur sehr geringe Zuwendungen (300 000 M. pro Jahr) gewährt worden seien. In ernster Mahnung wendet sich der Verbandspräsident an die Kultusgemeinden. ihren Beamten den zum Leben notwendigen Unterhalt zu gewähren, was nicht Sache der Wohltätigkeit, sondern Pflicht sozialer Gerechtigkeit sei. Der Verband betrachte sich den Gemeinden gegenüber, die ihre Selbständigkeit durchaus bewahren sollen, als das öffentliche Gewissen. Er wolle die