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Das jüdische Echo · 1922-10-20 · 42 (20.10.1922) · p. Seite 533

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
42 (20.10.1922)
Date
1922-10-20
Page
Seite 533 (sequence 13)
Language
German
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—^ Beilage •— zu Der Orden Bne Briss Mitteilungen der Großloge für Deutschland VIII U.O. B. B. -- April/Mai 1922. . Inhalt: Zum Andenken an Br. Rabb. N. A. Nobel s. A. Zum Andenken an Br. Rabb. N. A. Nobel s. A. Zwei Reden, gehalten bei der Trauerfeier in der Frankfurt-Loge am 2 Februar 1922 von Br. Präs. Willy W o 1 f f und Br. Dr. Max Michael. Präsident Willy Wolff: Hochverehrte Leidtragende! Liebe Brüder und liebe Schwestern! Als ich vor wenigen Wochen Bruder Nobel hier an dieser Stelle den Dank aussprechen durfte für den Festvortrag, mit dem er unser Stiftungsfest verschönte, knüpfte ich an diesen Dank Wunsch und Hoffnung, daß die »tiefen Blicke«, mit denen er begnadet, unsere Sitzungen und Feste noch oft und lange weihen und adeln möchten. Es sollte ihm nicht beschieden, uns nicht vergönnt sein. Aus der Mitte seines Lebens heraus, von der Höhe seines gottgesegneten, reichen Wirkens, ist uns Bruder Nobel entrissen worden. Es kann nicht meine Aufgabe sein, den großen Gelehrten, die universal-kulturelle Bedeutung des Verklärten zu schildern; in schwachen Worten will ich versuchen, auszusprechen, was der Frankfurt-Loge der Bruder Nobel gewesen. »Du stehst mit unerforschtem Busen Geheimnisvoll-offenbar Ueber der erstaunten Welt.« Dieses Goethewort, das einst Bruder Nobel in unserem Kreise einer Würdigung seines großen Freundes, unseres unvergeßlichen Bruders Hermann Cohen vorausschickte, gilt es nicht auch von ihm, dem Verklärten selbst? Stand er nicht auch mit unerforschtem Busen über der erstaunten Welt, der Welt, die voller Staunen war, ob dieser einzigartigen, wundervollen Verbindung tief gläubigen, traditionellen Judentums, verbunden mit unerbittlich scharfem philosophischen Erfassen, verbunden und durchwoben mit einem erdennahen, triebhaft künstlerischen Natur- und Schönheitssinn! Geheimnisvoll — offenbar! — Das Geheimnis dieser seelischen, geistigen und musischen Vielheit —, es offenbarte sich uns, es gipfelte in der Abgeklärtheit, in der durchgerungenen Ausgeglichenheit seines Wesens, in der dynamischen Ausbalanziertheit aller in ihm wirkenden Kräfte. Die Zweiheit im Menschen, von der wir ihn in seinem letzten Vortrag erst spiechen hörten, sie vereinte sich bei ihm harmonisch, ästhetisch in dem alles umfassenden, alles tragenden und beschützenden Kuppelgewölbe seiner Gottesliebe und seiner Menschenliebe, seiner Liebe zum Schaffenden — seiner Liebe zum Geschaffenen. Seine Liebe und Güte, sie war die Dominante, die alle scheinbar gegensätzlichen Seiten seines Wesens so wundervoll beherrschte, die ihn zu dem Allesversteher machte und die ihn deshalb auch zu dem wertvollen, vorbildlichen Bruder unseres Bundes gestempelt hat. — »Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht«, die Aufgaben unseres Bundes, er hat sie wahrhaft gelebt und gelehrt. Wie er trotz seiner übergroßen Inanspruchnahme Zeit hatte für clie Pflege edelster Wohltätigkeit — wie leuchtete in edelster Freude sein Auge, als Lh ihm noch bei unserem Stiftungsfeste sagen konnte, daß die Loge eine Bewilligung für einen dringlichen Fall, seiner Anregung gemäß, genehmigt habe — so umfaßte er auch, er, der Große in Israel, der Geistesriese, in warmer Bruderliebe jeden, auch den bescheidensten unserer Brüder, und so liebte und pflegte er von ganzem Herzen die Haupttugend unseres Ordens, die Eintracht. Das Leben und das Wirken Bruder Nobels, es war der glänzendste Beweis dafür, daß rnan auch nicht ein Tipfelchen seiner Ueberzeugung aufzugeben braucht und trotzdem die beseeligende und beglückende Harmonie der Eintracht in der engeren und der größeren Gemeinschaft vertreten und hochhalten kann. l

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