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Das jüdische Echo · 1922-10-13 · 41 (13.10.1922) · p. Seite 515

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
9 (1922)
Issue
41 (13.10.1922)
Date
1922-10-13
Page
Seite 515 (sequence 7)
Language
German
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Das Jüdische Echo 515 Nr. 41 die amerikanische Nation ist immer darauf stolz, zu diesen gezählt zu werden. Mexiko Jüdische Kolonisation in Mexiko (J.P.Z.) Über das zur jüdischen Kolonisation von der mexikanischen Regierung angebotene Gebiet werden jetzt weitere Einzelheiten bekannt. Das verfügbare Gebiet, das 250 englische Meilen umfaßt, ist südlich von Rosario auf einer Halbinsel gelegen und erstreckt sich auf 16 500 000 Acres. Dieses Terrain war früher einem englischen Syndikat für eine Reihe von Jahren zu Kolonisationszwecken überlassen. Der Pachtvertrag ist aber erloschen, da die Gesellschaft gewisse Bedingungen nicht erfüllte. Der Charter wird zurzeit bearbeitet und soll in etwa 14 Tagen der „Jewish Mexican Colonisation Society“ übergeben werden,, die es dem Komitee in Chicago zur Entscheidung vorlegen wird. England Colonel Wedgwood) stellt sich der Keren Hajess0d- Propaganda zur Verfügung London. Das bekannte Mitglied der britischen Arbeiterpartei Colonel Wedgwood begibt sich heute nach Amerika, um sich dem Keren Hejessod für eine neuerliche große Kampagne in den Vereinigten Staaten zur Verfügung zu stellen. Colonel Wedgwood wird an der Jahreskonferenz der amerikanischen Poale Zion teilnehmen und in einer großen Anzahl von Versammlungen über den Wiederaufbau Palästinas sprechen. Vor der Abreise veranstaltete das Direktorium des Keren Hajessod in London zu Ehren Wedgwoods ein Bankett. (Die Bereitwilligkeit des angesehenen englischen Politikers und Arbeiterführers, für die Palästina-Propaganda tätig zu sein, ist überaus begrüßenswert und man darf von ihr gute Resultate für den Keren Hajessod in Amerika erhoffen.) Literarisches Echo Hebräischer Unterricht Leschon limmudim Lehr- und Übungsbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht auf Grund eines vereinfachten grammatikalischen Systems von Dr. Daniel Fink (Selbstverlag Berlin-Wilmersdorf, Günzelstr. 44). Hebräischen Sprachunterricht gibt es eigentlich nur in den von zionistischen Gesichtspunkten aus gegründeten und geförderten Sprachschulen und Kursen. Man steht vor dem Problem des kulturellen, sprachlichen Aufbaus Palästinas. Dort ist hebräisch Landessprache. Wir müssen notwendigerweise die Brücke zum sprachlichen Leben bauen, hier im Galuth schon die Notwendigkeit schöpferischer, selbständiger hebräischer Spraehgestaltung schaffen, die jeden einzelnen in den Stand setzt, hebräisch in Palästina, dem Lande der Freiheit, des Losgelöstseins von fremden Kulturen und dem Überlassensein der eigenen zu seiner Sprache in der tiefsten Bedeutung dieses Wortes zu machen. Derartiger Sprachuntericht ist offenkundig Notwendigkeit einer zionistischen, palästinozentrischen Einstellung. Aus anderen Lagern jedoch erheischen Probleme hebräischen Unterrichtes sofortige Lösung. Religiöse und allgemein kulturelle Standpunkte bedingen eine andere Methode, denn die Aufgaben sind andere. Darüber ist nun kein Zweifel, daß im allgemeinen der hebräische Unterricht der liberalen Religionsschulen “und ähnlicher Institutionen schlecht, oberflächlich und nicht zum Ziele führend ist, und daß die Methoden — sowohl der orthodoxen als auch der liberalen Pädagogen — allgemein sprachlich wissenschaftlichen Grundsätzen nicht im geringsten entsprechen. Das Buch von Dr. Fink ist einer der ernsthaftesten Versuche der letzten Zeit, vielleicht der ernsthafteste Versuch überhaupt, die hier bestehenden Probleme zu lösen, und es ist deshalb ein edles Buch. Auf der anderen Seite ist es aber ein Opfer unserer brüchigen Zeit; macht es doch das verzweifelte Experiment, der hebräischen Sprache, der Sprache unserer Väter — der hebräische Titel lautet in der Übersetzung Unterrichtsbuch der alten hebräischen Sprache — der früher gesprochenen und geschriebenen Sprache mit Hilfe des lebendigen hebräischen Wortes beizukommen, ohne sich tiefgründig um die heute lebende und die Zukunft beherrschende Sprache zu kümmern. Fink hat von seinem Standpunkt aus Recht. Er weiß, daß jede Verlebendigung eines Stoffes nur durch das Leben selbst erfolgen kann; das bedeutet sprachlich gesehen: Die Sprache muß durch das gesprochene Wort erfaßt und gefaßt werden, und hierbei zeigt sich nun, daß man Vordem und Heute nicht scheiden kann. Vor dem Einsetzen der zionistischen Bewegung, der Renaissance des Hebräischen in Palästina bestand dieses Problem nicht, denn da gab es nur das eine: Entzündung am Vergangenen und dadurch Gestaltung des Gegenwärtigen. Der Zionismus aber baut freie Zukunft. So wird die gegenwärtige kulturelle Lage des Judentums, soweit es sich nicht zionisiert hat, tragisch. Sie wollen Belebung, sie empfinden das Unhaltbare des gegenwärtigen Zustandes und lehnen eine neue Richtung ab, die Erez Israel als Primat selbstischer Forderung aufgestellt und hier bereits kulturelle Werte geschaffen hat. Über Fink’s eigentliche grammatische und stilistische Methoden ist hier nicht der Ort zu schreiben. Vieles ist sehr wertvoll. Wir finden Versuche und Ansätze, die sich anderswo bereits deutlicher kristallisiert haben (z. B. bei der Behandlung der Schrift usw.). Wir finden auch viele anfechtbare Behauptungen. Trotzdem: es ist ein menschlich und wissenschaftlich sehr wertvolles Buch, und die beste Grammatik, die Religionsschulen bisher finden konnten. Mordechai. ELEGANTE PELZE PELZMODE-HAUS PAUL F. SCHWABE MÜNCHEN / KAUFINGERSTRASSE 23

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